Dreisen RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Pächter, neue Hoffnung: „Pfalzstübchen“ soll Herzstück des Dorflebens werden

Seit Anfang Juni sind Helga Graf (Mitte) und Sabine Hales die neuen Hallenwirtinnen. Links im Bild ist Hallenvorstand Bernd Kasp
Seit Anfang Juni sind Helga Graf (Mitte) und Sabine Hales die neuen Hallenwirtinnen. Links im Bild ist Hallenvorstand Bernd Kasper.

Nach langen Monaten ohne Pächter kehrt wieder Leben in die Vereinsgaststätte der Gemeinschaftshalle Dreisen ein. Ein Neustart mit bodenständiger Küche und Stammtisch.

In der rund 1000 Einwohner zählenden Gemeinde Dreisen hat sich über Jahrzehnte hinweg eine besondere Konstellation entwickelt, die in der Region Seltenheitswert besitzt. Seit 1973 macht die Gemeinschaftshalle ihrem Namen alle Ehre: Eigentümer sind nicht nur die Ortsgemeinde, sondern auch der Schwimm- und Sportverein (SSV), der Gesangverein Dreisen sowie der Musikclub Fidelio. Alle vier Partner sind gleichberechtigt. Unterstützt werden sie auch von den anderen Vereinen im Ort. Dabei treffen allerdings sehr unterschiedliche Vereinsstrukturen aufeinander.

Einrichtung verursacht erhebliche Kosten

Besonders deutlich zeigt sich dies beim Gesangverein, der im kommenden Jahr sein 165-jähriges Bestehen feiern wird. Zwar ist der traditionsreiche Verein weiterhin aktiv, doch wie viele Chöre in der Region kämpft er mit den Folgen des demografischen Wandels. Vor allem jüngere Mitglieder fehlen, die langfristig Verantwortung übernehmen und die Zukunft des Vereins gestalten könnten. Anders stellt sich die Situation beim Musikclub Fidelio und beim Schwimm- und Sportverein dar. Beide Vereine verfügen über eine größere Mitgliederbasis, haben eine gute und lebendige Jugendarbeit und können dadurch auch größere Veranstaltungen organisieren. Diese Feste und Aktivitäten tragen wesentlich dazu bei, dass die Gemeinschaftshalle regelmäßig genutzt wird und ein wichtiger Treffpunkt im Dorf bleibt.

Die Gemeinschaftshalle soll wieder zum Treffpunkt für Jung und Alt werden.
Die Gemeinschaftshalle soll wieder zum Treffpunkt für Jung und Alt werden.

Doch eine solche Einrichtung verursacht erhebliche Kosten. „Wir brauchen jedes Jahr einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag, um die laufenden Kosten zu decken“, berichtet Hallenvorstand Bernd Kasper. Entsprechend wichtig seien die Einnahmen aus der Verpachtung der Gaststätte, aus Vermietungen sowie aus Veranstaltungen der Hallengemeinschaft.

Konzept mit anspruchsvollem Restaurant scheitert

Herzstück ist die angeschlossene Gaststätte. Sie soll den unterschiedlichen Bedürfnissen der Vereine gerecht werden. „Die Kunst besteht darin, die Ansprüche der einzelnen Vereinsgruppen und die Leistung des Gastronomen in eine Richtung zu bringen“, beschreibt Kasper die Herausforderung.

Genau dieses Zusammenspiel geriet in den vergangenen Jahren jedoch zunehmend ins Stocken. Einige frühere Pächter versuchten, aus dem Vereinsheim ein anspruchsvolles Restaurant zu entwickeln. Dabei, so die Kritik aus den Vereinen, sei der eigentliche Charakter einer Vereinsgaststätte teilweise verloren gegangen. Jüngst war die Gaststätte über viele Monate hinweg ohne Pächter.

Neuanfang mit Helga Graf und Sabine Hales

Nun soll ein Neuanfang gelingen. Seit Kurzem führen die Schwestern Helga Graf und Sabine Hales das Lokal „Zum Pfalzstübchen“. Beide stammen aus Winnweiler und erfüllen sich einen langgehegten Wunsch. „Wir wollten schon immer eine Wirtschaft im Sportlerheim aufmachen“, erzählt Helga Graf.

Bereits in jungen Jahren arbeiteten sie im Service und kennen die Anforderungen eines Gaststättenbetriebs. Vor allem möchten sie laut eigener Aussage die Vereinsgaststätte wieder zu einem Ort machen, an dem sich Menschen unkompliziert begegnen können. Die Speisekarte setze bewusst auf Bodenständigkeit: Pizza, Schnitzel in verschiedenen Variationen, Salate oder auch eine einfache Brühwurst im Brötchen sollen ein breites Publikum ansprechen. „Wir wollen den Menschen gerecht werden, die nach dem Training, nach Veranstaltungen oder einfach zum Essen vorbeikommen“, betonen die neuen Wirtinnen.

„Zu einer Vereinsgaststätte gehört auch ein Stammtisch“

Ein besonderer Schwerpunkt liege auf dem geselligen Miteinander. „Zu einer Vereinsgaststätte gehört auch ein Stammtisch“, sagt Sabine Hales. Diesen möchten die beiden ebenso etablieren wie regelmäßige Angebote mit Kaffee und Kuchen an Sonn- und Feiertagen. Die Terrasse direkt am Sportplatz mit Blick auf den Donnersberg soll in den kommenden Wochen wieder vollständig bestuhlt werden und damit insbesondere in den Sommermonaten ein attraktiver Anziehungspunkt sein.

Der große Sall der Gemeinschaftshalle wird viel genutzt.
Der große Sall der Gemeinschaftshalle wird viel genutzt.

Die Hallengemeinschaft begrüßt die Entwicklung: „Wir unterstützen alle Vorhaben, die Dorfgemeinschaftshalle als Treffpunkt für die Menschen in Dreisen weiterzuentwickeln“, fasst der Hallenvorstand die Erwartungen zusammen. Auch sportlich könnten künftig neue Akzente gesetzt werden. Beide Wirtinnen sind begeisterte Dartspielerinnen und möchten ihren Mannschaften in Dreisen eine Heimat bieten.

Da Helga Graf und Sabine Hales hauptberuflich noch anderweitig tätig sind, öffnet das „Pfalzstübchen“ unter der Woche ab 17 Uhr seine Türen. An Sonn- und Feiertagen beginnt der Betrieb bereits um 12 Uhr.

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