Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Wege bei der Ärztesuche: Erste Interessenten bei „Mediziner Camp“

Immer öfter verwaist: Hausarztpraxen im ländlichen Raum. Die Kreisverwaltung will etwas tun.
Immer öfter verwaist: Hausarztpraxen im ländlichen Raum. Die Kreisverwaltung will etwas tun.

Um dem Ärztemangel aktiv entgegenzuwirken, hat es im Donnerbergkreis ein „Mediziner Camp“ gegeben. Zehn angehende Ärzte haben sich den Landkreis und ihre möglichen Perspektiven angeschaut. Einer wohnt sogar bereits in einer besonders stark betroffenen Region – und kann sich vorstellen, dort mal als Hausarzt zu praktizieren.

Dass die ärztliche Versorgungsabdeckung im ländlichen Raum in den letzten Jahren zunehmend unter Druck gerät, ist ein bundesweit herrschendes Problem. Abseits der Metropolen geraten immer mehr Landkreise an ihre Kapazitätsgrenze in der Patientenbetreuung. Langjährig niedergelassene Ärzte, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, finden immer seltener Nachfolger für ihre Praxen. Gleichzeitig nähern sich die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge dem Rentenalter. Ein stetig größer werdender ärztlicher Bedarf entsteht, die Schere klafft immer weiter auseinander.

Auch der Donnersbergkreis ist von dieser Entwicklung unmittelbar betroffen. Besonders eklatant ist die Situation bereits jetzt in und um Alsenz. Nachdem dort drei Hausärzte innerhalb kürzester Zeit das Ende für ihre Praxis eingeläutet haben, müssen 3000 Patienten anderweitig versorgt werden.

Um dem drohenden Problem wirkungsvoll zu begegnen, ist die Kreisverwaltung in Kirchheimbolanden nun neue Wege gegangen. Sie setzt in ihrem Bemühen besonders stark auf die Förderung von ärztlichem Nachwuchs und lud zu einem zweitägigen „Mediziner Camp“ ein. Am 8. und 9. September waren zehn Studierende zu Gast in der Kleinen Residenz. In einem umfangreich gestalteten Programm erhielten die Teilnehmenden einerseits Einblick in die medizinische Versorgungssituation im Landkreis. Zum anderen wurden Chancen und Entwicklungspotenziale aufgezeigt, die man sich durch das Anlocken speziell von jungen Medizinerinnen und Medizinern erhofft.

Den Ärzten Lebensqualität bieten

„Wir setzen sehr stark auf Nachwuchskräfte und möchten diese direkt in die Region holen“, schildert der Leiter der zuständigen Stabsstelle der Kreisverwaltung, Reiner Bauer. Dazu gehört für ihn aber nicht nur der Blick auf die rein berufliche Ausrichtung und das medizinische Entwicklungspotenzial. Die Lebensqualität der jungen Ärzteschaft sieht er gleichermaßen im Fokus. Es gebe eine gute Infrastruktur im Kreis. „Denn auch Bauland muss man sich leisten können, eine gute Kitaplatzsituation ist wichtig. Dass man sich sein Leben mit seiner Familie gut einrichtet. All das können wir hier bieten.“

Den Studierenden der Universitäten Mainz, Kassel und Heidelberg wurde während der beiden Tage ein vielseitiges und – im wahrsten Sinne des Wortes – praxisnahes Programm geboten. So standen nicht nur die Besuche und Teilnahmen an einer Live-OP in den Westpfalzkliniken Rockenhausen und Kirchheimbolanden auf dem Programm. Auch der noch im Bau befindliche „Gesundheitstreff Winnweiler“ wurde unter dem Aspekt modernen Gesundheitsmanagements besucht. Zwei niedergelassene Hausärzte aus der Region gewährten den Jungmedizinern tiefergehende Einblicke in Arbeit und Abläufe in ihren Praxen. Die Mehrzahl des Teilnehmerkreises sympathisiert auch schon mit einer hausärztlichen Ausrichtung. So lebt Sebastian Boegel bereits mit seiner Familie in Obermoschel und erlebt die angespannte Versorgungssituation vor Ort. Er kann sich daher gut vorstellen, dort später als Hausarzt tätig zu werden.

„Kreis hat sich sehr positiv präsentiert“

Attraktiv ist für einen Teil der Studierenden aber auch eine fachärztliche Praxisausrichtung, mit der man sich im Kreis niederlassen könne. Der gebürtige Bad Dürkheimer Dominic Martin hat verstärktes Interesse am Gebiet Radiologie. Für ihn wäre eine optimierte Verzahnung von ambulanter und stationärer Betreuung ein wichtiges Anliegen. Dies als niedergelassener Facharzt auch interdisziplinär stärker auszubauen, könne er sich als einen persönlichen Tätigkeitsschwerpunkt im Donnersbergkreis gut vorstellen.

Das Fazit der Beteiligten nach zwei Tagen Camp ist einstimmig. „Ein sehr guter, intensiver Austausch mit den Studierenden, die mit viel Elan dabei waren“, zeigt sich Kirchheimbolandens Stadtbürgermeister Marc Muchow zufrieden. Auf Teilnehmerseite ist der Weierhöfer Yannic Hage ebenso angetan. Der Kreis habe sich mit der Initiative „sehr positiv präsentiert und ein schlüssiges und durchdachtes Konzept vorgestellt“.

Gruppenbild beim „Mediziner Camp“.
Gruppenbild beim »Mediziner Camp«.
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