Donnersbergkreis Netz-Werk mit Hindernissen

HINTERGRUND: Längst sollte der Breitbandausbau in der VG Winnweiler über die Firma Inexio abgeschlossen sein. Nach mehreren Verzögerungen, etlichen Zweifeln und einigen Entschuldigungen geht es in Sachen DSL endlich voran. Und das saarländische Unternehmen verspricht, in den nächsten Monaten am Ball zu bleiben. Ein Rück- und Ausblick.
8 Thorsten Klein redet beim Besuch in der RHEINPFALZ-Redaktion nicht um den heißen Brei herum: „Es gefällt mir selbst nicht, dass es hier nicht so richtig vorangegangen ist. Die Geschwindigkeit des DSL-Ausbaus in der Verbandsgemeinde Winnweiler ist nicht so, wie wir uns das zu Beginn vorgestellt haben.“ Zwar verweist der Gesellschafter der saarländischen Firma Inexio, die sich in der Breitbandinfrastrukturgesellschaft Winnweiler (BIG; siehe „Zur Sache“) zusammen mit der Verwaltung um die Erschließung der VG mit schnellem Internet kümmert, auf „real existierende Probleme, mit denen wir da draußen zu kämpfen haben“. Doch stehe außer Frage, dass die Bürger unter den Verzögerungen „über die Maßen gelitten haben“. Umso mehr zeigte sich Klein erleichtert, (mindestens) eine gute Nachricht im Gepäck zu haben: Dieser Tage ist Breunigweiler per Richtfunk online gegangen – hier entscheidet die individuelle Restlaufzeit bestehender Verträge darüber, wann Kunden zu Inexio wechseln können. Die nächsten Schritte sollen in rascher Frequenz folgen: Ziel ist, bis Mitte 2017 alle Haushalte in der VG mit „nachhaltigen und leistungsfähigen Anschlüssen versorgt zu haben“, zeigt sich Klein mit BIG-Geschäftsführer Manfred Kauer auf einer Linie. Im Detail sieht der aktuelle Zeitplan so aus: Nach Gonbach, Sippersfeld (Februar 2010), Steinbach (Oktober 2015), Börrstadt (Februar 2016) und aktuell Breunigweiler stehen nun Wartenberg-Rohrbach und Lohnsfeld auf der Agenda. Hier starten in Kürze die Tiefbauarbeiten, die – wie in den folgenden Gemeinden auch – von der Firma Horn aus Kaiserslautern ausgeführt werden. Für Potzbach liegen bereits alle Genehmigungen vor, für Imsbach, Hochstein und Schweisweiler sind die Unterlagen eingereicht; hier wartet man auf grünes Licht. Vorangetrieben werden die Planungen auch für den zu Höringen gehörenden Wingertsweilerhof, der wie Breunigweiler über Richtfunk erschlossen wird. In welcher Reihenfolge die Orte tatsächlich ans Netz gehen, hängt laut Klein von verschiedenen Faktoren ab. Wenn die Pflicht wie vorgesehen bis Mitte 2017 erledigt ist, folgt eventuell die Kür: „Dann schauen wir uns noch mal die Gemeinden an, die momentan über andere Anbieter zufriedenstellend bis gut versorgt sind“, so Klein. Das betrifft Winnweiler, Höringen, Falkenstein und Münchweiler. Ob Inexio beziehungsweise die BIG hier tätig wird, ist also noch offen. Zunächst ist Klein froh, den Haken hinter Breunigweiler machen zu können. Für ihn ist die Pfrimmtal-Gemeinde ein gutes Beispiel, „mit welchen Herausforderungen wir bei der Breitbanderschließung gerade im ländlichen Raum zu kämpfen haben“. Hier Infrastruktur ausschließlich für Telekommunikation zu entwickeln, sei „wirtschaftlich sehr schwierig“. Das Zauberwort heißt „Synergieeffekte“: So dient die Funktechnik in Breunigweiler nur als Übergangslösung – wenn in den nächsten Jahren die marode Kreisstraße nach Börrstadt erneuert werden sollte, werden Rohre für Glasfaserkabel mit verlegt. Klein hält die Kooperation mit Kommunen, wie sie in der BIG erfolgt, für ideal. „Solche Maßnahmen können in so einer Gegend wie hier nur als Schulterschluss passieren – eine Seite allein wäre überfordert.“ Breunigweiler sei aus einem weiteren Grund exemplarisch für Probleme, die sich im Laufe eines Projekts ergeben können: Wie berichtet, hat Inexio Anfang 2016 das Areal der früheren US-Funkstation auf dem Donnersberg gekauft, um mittels der Sendemasten mehrere Gemeinden über Richtfunk mit DSL versorgen zu können. „Das Ertüchtigen des Geländes mit dem Rückbau der alten Anlage war zeit- und kostenaufwändiger als gedacht“, so Klein. Unter anderem sei eine Asbest-Sanierung erforderlich gewesen. Mittlerweile ist die Technik installiert, um die Funksignale ins Glasfasernetz einzuspeisen – jetzt kann’s endlich losgehen. Klein verweist ferner auf Rahmenbedingungen, die das Arbeiten nicht einfacher machten. So habe der Bund 2009 propagiert, dass bis 2018 alle Haushalte DSL mit mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung hätten. „Sechseinhalb Jahre ist nichts passiert – erst im November 2015 wurde dann mit den Förderprogrammen angefangen“, sieht Klein alle Beteiligten als Getriebene des Marktes. Natürlich wolle auch Inexio weiter wachsen. „Aber wir sind nun mal ein Versorger, Projekte brauchen Zeit. Es käme auch kein Mensch auf den Gedanken, dass eine neue Straße oder ein Kanal in drei Monaten gebaut wird.“ Der enorme Druck mache sich bei der Umsetzung geplanter Vorhaben bemerkbar. Beispiel Tiefbauer: „Hier sind die Kapazitäten durch den Breitbandausbau bundesweit so knapp wie selten zuvor.“ Und der Kreis der Firmen, die „wissen, was wir wollen und auch qualitativ dazu in der Lage sind“, sei eng begrenzt. Das alles will Klein aber höchstens als Erklärung, nicht als Entschuldigung für die mehrfach revidierten Zusagen verstanden wissen. „Man muss offen zugeben, dass wir uns alle gewünscht haben, die gesteckten Ziele schneller zu erreichen“, erklären Kauer und Klein unisono. Letzterer gesteht, dass „manche mangelnde Kommunikation innerhalb der BIG auf unsere Kappe geht“. Zwar legt der Inexio-Mitbegründer Wert darauf, „dass wir die fehlenden Alternativen in der VG Winnweiler nicht ausgenutzt und die Projekte absichtlich nach hinten geschoben haben – warum auch, wir hätten ja keinen wirtschaftlichen Nutzen davon“. Das sei aber für die auf ihren Anschluss wartenden Bürger nur ein schwacher Trost. Für den unglücklichen Verlauf hat sich Klein mehrfach entschuldigt – er versichert aber, dass „wir nun mit Hochdruck an der Sache dranbleiben“. Und er verspricht den künftigen Kunden einen hochwertigen DSL-Anschluss; davon zeuge nicht zuletzt die sehr gute Resonanz in den Pionier-Orten Sippersfeld und Gonbach. Dank der noch jungen Vectoring-Technologie sind mittlerweile Bandbreiten bis zu 100 Mbit/s möglich. Für die Bürger, die demnächst online gehen, hatte die lange Wartezeit also sogar etwas Gutes. Das möchte Klein Inexio aber nicht auf die Fahnen schreiben: „Wir wollen nichts schönreden. Doch ich bin überzeugt: Wenn die Leistung erst mal da ist, dann sind die Leute mit unserem Angebot auch zufrieden.“