Kirchheimbolanden
Nach Zugunglück: Senior fordert Verbesserung für Sicherheit am Bahnübergang
Erst vor wenigen Wochen erschütterte ein tragisches Zugunglück in Otterbach (Kreis Kaiserslautern) die Westpfalz. Eine 80-jährige Frau kam dabei ums Leben. Zur großen Betroffenheit, die sich auch im Donnersbergkreis zeigte, kam schnell die Frage nach dem „Warum?“ hinzu. Immerhin galt der frisch sanierte Bahnübergang im Ortsteil Sambach als gut gesichert. Dort verhindern sogenannte Umlaufsperren, dass beispielsweise Radfahrer wie die getötete Seniorin ungehindert auf den unbeschrankten Übergang fahren können. Doch genau diese rot-weiß lackierten Gitter sind vor allem für Senioren tückisch, sagt Leser Uwe Kranz aus Kirchheimbolanden.
Er selbst habe schon mehrfach ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn er mit seinem Fahrrad aus Richtung Neumayer Straße in Richtung Friedhof in der Straße Am Staffelstein unterwegs gewesen ist, berichtet der 79-Jährige. Auch habe er bereits mehrfach versucht, Werkzeuge zur Grabpflege mit einem Einkaufswagen durchzuschieben, doch auch dabei sei er schnell ins Stocken geraten: „Mir scheint, als würden diese Gitter in Kirchheimbolanden sogar noch enger zusammenstehen als in Otterbach – so wirkt es zumindest auf den Fotos.“
Kein Vor und kein Zurück mehr
Das mache ein Durchschlängeln für Fahrräder fast unmöglich, findet Kranz. „Natürlich steigt man ab, schiebt das Rad um die erste Kurve und schon bleibt man mit dem Schutzblech hängen. Bei der zweiten Kurve bleiben Radfahrer mit dem Pedal stecken und dann haut es einem den Lenker zur Seite.“ Dann geht’s weder vor noch zurück. Zu allem Ärger entsteht dabei auch noch eine alles übertönende Geräuschkulisse, wenn „das Metall des Fahrrads auf das Metall der Absperrung trifft“. Weil man zusätzlich so sehr damit beschäftigt ist, den Drahtesel aus den Fängen der Umlaufsperre zu befreien, gerät die drohende Gefahr auf den Gleisen ganz außer Acht.
Glücklicherweise ist ihm nie etwas Schlimmeres passiert, „vor allem weil die Züge da sehr langsam fahren“, erzählt Kranz. Damit das so bleibt, nimmt er seit einem Jahr lieber einen Umweg in Kauf. „Die Umlaufsperren sind für Fußgänger konstruiert, nicht aber dafür, dass man sein Rad um diese Dinger schiebt“, findet er. Vielleicht hätten junge Leute weniger Probleme als ältere Menschen, ihre Zweiräder dadurch zu manövrieren. Dennoch sollten die Absperrungen ja vor unachtsamem Überfahren der Gleise schützen, und nicht noch die Gefahr herbeiführen. „Wenn wenigstens die Abschrankung im unteren Bereich mit Blech verkleidet wäre, könnten sich die Pedalen nicht mehr verhaken und man hätte eine Ablenkung weniger“, hofft Kranz nun auf Veränderung. Gut vorstellen könne er sich, dass der 80-jährigen Sambacherin, die ebenfalls mit ihrem Fahrrad unterwegs war, diese Sicherheitsvorkehrung zum Verhängnis wurde. Was tatsächlich zum Unfall geführt hat, wird derzeit noch von der Polizei untersucht.
Keine Vorfälle in Kibo
Bisher gebe es keine Hinweise, dass die Umlaufgitter zu dicht aneinander stehen, teilt Tristan Werner, Büroleiter der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden auf Nachfrage der RHEINPFALZ mit. Zudem sei es nach bisherigem Kenntnisstand zu keinen Gefahrensituationen am Bahnübergang gekommen. Aus diesem Grund sei keine Änderung vorgesehen, so Werner weiter.
Auch die Deutsche Bahn AG ist von der Sicherheitswirkung der Installationen überzeugt. Aktuell gebe es keine gehäuften Vorkommnisse an Bahnübergängen mit Umlaufsperre, die die Deutsche Bahn betreibt. Im Fall des Betriebs, Baus und der Unterhaltung der Schienenwege der Bahnstrecke 3322 Alzey in Richtung Kirchheimbolanden, zu der der Bahnübergang gehört, sei allerdings R.P. Eisenbahn GmbH zuständig.
Vor Ablenkung schützen
Grundsätzlich gilt aber, dass Umlaufsperren nur an niedrig frequentierten und mit geringer Geschwindigkeit befahrenen Bahnstrecken installiert würden, erklärt eine Bahnsprecherin. Und weiter: „Sie sollen die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer erhöhen, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Überquerung der Bahngleise lenken.“ Zusätzlich werden an solchen Übergängen Passanten mit einem Hinweiston durch den heranfahrenden Zug gewarnt.
Außerdem unterliegt die Gestaltung von Bahnübergängen detaillierten Vorgaben und spezifischen Richtlinien, zu denen neben dem entsprechenden Bahn-Unternehmen auch der Eigentümer der Straße sowie der Bund beziehungsweise das Land hinzugezogen werden. Allgemein gilt aber, dass Umlaufsperren so konzipiert sind, dass auch Passanten mit Fahrrädern oder Kinderwagen diese nutzen können.