Donnersbergkreis Modemarkt AWG ist zahlungsunfähig
Im AWG-Modemarkt, der im Donnersbergkreis in Rockenhausen, Kirchheimbolanden und in Eisenberg ansässig ist, geht der Verkauf vorerst normal weiter, obwohl das Unternehmen mit Sitz in Köngen bei Stuttgart zahlungsunfähig ist. Ende Januar wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung eröffnet.
Wie AWG-Pressesprecher Veit Mathauer der RHEINPFALZ auf Nachfrage mitteilte, werde sich vorerst an Sortiment, Öffnungszeiten und Verkauf in Kirchheimbolanden, Rockenhausen, Eisenberg sowie an den anderen Standorten nichts ändern. Das sogenannte „Schutzschirmverfahren“ dauere bis Ende April. In dieser Zeit werde ein Sanierungsplan entwickelt und beispielsweise geprüft, ob Investoren gefunden werden können. Es werde zwar versucht, Filialschließungen dabei zu vermeiden, aber ganz ausgeschlossen werden könne es nicht. Der als erfahrener Sanierungsexperte bezeichnete Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger mit Büros in Stuttgart, Frankfurt am Main, München und Freiburg sei als Generalbevollmächtigter ins Unternehmen eingetreten. Er soll Geschäftsführer Albrecht Maier in diesem Schutzschirmverfahren bei der Sanierung und Restrukturierung unterstützen. Das Verfahren biete dem Unternehmen den rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen.
Gehälter bis Ende April gesichert
Drei Monate hätten Maier und Mucha Zeit, um einen Sanierungsplan zu erstellen, wonach das Unternehmen „wieder in die Spur“ gebracht werden soll, so Mathauer. Derzeit lasse sich noch nicht sagen, ob nur neues Geld ins Unternehmen fließen wird, ein Investor einsteigt oder das Filialnetz gestrafft wird. Die Gehälter für die rund 2900 Mitarbeiter in den 290 Filialen in Süd- und Südwestdeutschland sowie im Süden Ostdeutschlands seien über das Insolvenzgeld für drei Monate bis Ende April gesichert. Als Gründe für die wirtschaftliche Schieflage der Allgemeinen Warenvertriebs-GmbH (AWG) werden der harte Wettbewerb auf dem Textilmarkt genannt sowie der lange und heiße Sommer des vergangenen Jahres. Dieser habe dafür gesorgt, dass die Kunden nicht im gewohnten Umfang zur Herbstmode griffen.
Erstes Insolvenzverfahren
Ein Problem, mit dem die ganze Branche zu kämpfen gehabt und das mehrere Modeketten in die Bredouille gebracht habe, so Mathauer. Im vergangenen „missglückten Geschäftsjahr“ sei von AWG ein Umsatz von 290 Millionen Euro erzielt worden, nach 296,5 und 307,8 Millionen in den Jahren 2017 und 2016. Es sei das erste Mal, dass die 1969 gegründete AWG, deren Geschäftsführer Maier seit 1976 ist, in ein Insolvenzverfahren geraten sei. Das Unternehmen zählt sich zu Deutschlands 50 größten Textilhändlern. Es führt ein Vollsortiment für Damen, Herren und Kinder, Arbeits-, Sport- und Badebekleidung sowie Bettwaren und Bettwäsche. Zudem gehören laut AWG-Pressemitteilung Franchise-Stores der Marken S. Oliver, Esprit und Tom Taylor zum Unternehmen. Dessen Geschäftsführer Michael Weccardt sei abberufen worden.