Donnersbergkreis Mit viel Liebe zum Detail

91-87740333.jpg

Wenn Falkensteiner in Falkenstein Theater spielen, dann klingt das zunächst nicht ungewöhnlich. Wenn es sich dabei aber um das Ensemble der Burghofspiele aus dem oberpfälzischen Falkenstein handelt, das vor der Kulisse der Burgruine im Nordpfälzer Falkenstein auftritt, dann steckt doch ein besonderer Anlass dahinter.

Beide Gemeinden sind sich seit 40 Jahren freundschaftlich verbunden und haben das am vergangenen Wochenende in der Pfalz gefeiert. Als besonderes Schmankerl brachten die Bayern ihr diesjähriges Theaterstücks der Burghofspiele, „Alice im Wunderland“, nach dem Klassiker von Lewis Carroll, zur Aufführung. Wer kennt sie nicht, die faszinierende, märchenhafte Geschichte des Mädchens Alice, das neugierig dem weißen Kaninchen folgt und kopfüber in das Wunderland fällt, in dem sich jeder ganz ungewohnt verhält. Die Burgruine bietet an diesem lauen Sommerabend eine malerische Kulisse für dieses wortwörtlich „wundervolle“ Land und lockt zahlreiche große und kleine Besucher in das Halbrund der Burgarena nach Falkenstein. Entsprechend der Ankündigung des Veranstalters bot sich für Jung und Alt eine großartige Darbietung, die gewissenhaft vorbereitet und liebevoll im Detail umgesetzt war. Bereits am Vortag probte die Laienspieltruppe in „Echtzeit“, also zum geplanten Aufführungszeitpunkt um halb sieben, damit der Sonneneinfall entsprechend berücksichtigt werden konnte. Die Akteure boten mit ihrer Interpretation unmittelbaren Theatergenuss. So echt, so live und so ganz ohne Unterhaltungssoftware. Die erfrischend-unverkrampfte Inszenierung bot eine inspirierende Reise in eine fantastisch-zauberhafte Wunderwelt, in der „Worte nicht mehr das sind, was sie vorher bedeutet haben, Großes klein wird und Kleines groß, die Zeit stehengeblieben ist und gleichzeitig doch schneller läuft als sie soll.“ Die Bewohner der Wunderwelt muten der kleinen Alice ebenso allesamt schräg und seltsam an: So zum Beispiel das rastlose, weiße Kaninchen (so wunderbar hippelig gespielt) mit der Baseballkappe und den angenähten langen Ohren, die herzlose, rote Herzkönigin mit ihrem Krönchen auf dem Kopf, die Grinsekatze mit der kecken Sonnenbrille im Stubentigerdesign, das altkluge Ei mit der scheußlichen Krawatte, die schrille Herzogin oder der verrückte Hutmacher. Dem Stück wurde in seiner Adaption, sehr zum Amüsement des Publikums, eine gute Portion Witz hineingeschrieben. Aber auch die schulmeisterlichen Dialoge des Originals wurden aufgegriffen und in die Ober- beziehungsweise Nordpfälzerwelt überführt. So darf Alice, als sie sich an nichts mehr erinnern kann, als Hilfestellung das „Falkenstein-Lied“ aufsagen. Es ist ein ungewöhnlicher, sehr vergnüglicher Theaterabend, der viel Lob für Autoren, Regie und vor allem die 17 Schauspieler verdient. Sie brillieren in ihren Rollen und wechseln zwischen den Szenen tatkräftig auch noch das Bühnenbild. „Alles hat eine Moral, man muss sie nur finden“, formuliert die schräge Herzogin zum Ende des Stücks. Sie war durch eine Ohrfeige an der Königin einst in Ungnade gefallen, wird aber, wie alle anderen auch, vom König begnadigt. „.Die Liebe allein macht, dass die Welt sich dreht“, lautet ihr Fazit. Oder: So schön kann Gemeindepartnerschaft sein, wenn sie einem eine solche Veranstaltung beschert. Und nächste Woche geht die Feier weiter. Dann nämlich macht sich eine Delegation aus dem nordpfälzischen Falkenstein auf den Weg in die Oberpfalz. |wama DOPPELTERZEILENUMBRUCH

x