Donnersbergkreis Mit Sonnenaufgang
Für Fasnachter ist an diesem Wochenende die Tafel überreich gedeckt. Mehr als ein Dutzend Prunk- und Kappensitzungen sorgen für reichlich Narrenspektakel rund um den Pfalzgipfel. Und als besonderes Schmankerl kommt am Sonntag noch der traditionsreiche Fasnachtsumzug in Morschheim hinzu, Jahr für Jahr ein Höhepunkt der Kampagne im östlichen Donnersbergkreis mit Strahlkraft über die Kreisgrenzen hinaus. Bereits zum 57. Mal wird das bunte Treiben wieder tausende Zuschauer anlocken, um 14.11 Uhr geht es los. Wer dem ganzen Narrentreiben dagegen fernsteht, der hat es an diesem Wochenende eher schwer – und wird doch nicht dem Fernseher oder dem Blick in den weiteren Umkreis überlassen. Am Samstagabend lohnt beispielsweise ein Besuch im Blauen Haus. Die „Sun“ sind an diesem Abend wieder da. Jüngeren sagt das nicht so viel. Für die Generation 50 plus, die am Donnersberg aufgewachsen ist, ist der Band-Name mit einem „Aha“-Erlebnis verbunden. In den 70ern sorgte die Band aus dem Raum Eisenberg, Grünstadt, Hettenleidelheim mit ihrem filigranen Kreativ-Rock für Aufsehen, scharte viele Fans um sich, die die Grenzgänge zwischen Rock, Pop, Jazz und Weltmusik und die oft komplexen Kompositionen der Formation zu schätzen wussten. Die LP „Proton 1“, an der die Sun mitgewirkt hatte, war lange ein gesuchtes Sammlerstück. Letztes Jahr haben sie sich beachtlich in Erinnerung gebracht, nach langer Trennung wieder vereint, haben die Musiker sich auch im Blauen Haus vorgestellt. Die fünf ergrauten Herren spielen immer noch einen erfrischenden „progressive Rock“, der seine zeitliche Herkunft verrät und doch so weit zeit- und alterslos wirkt, dass er Zuhörer jeden Alters anzuziehen vermag. Zumal sich mit Bärbel Sonnenfroh eine deutlich jüngere Sängerin dazugesellt, deren packender Gesang auch eine Prise Punk und Rocktheater in das musikalische Geschehen einbringt. Eine neue Facette bringt auch Trompeter Peter Groth mit, der neu dazugestoßen ist. Das Konzert beginnt am Samstag um 20 Uhr. Wem der Sinn eher nach Weltliteratur steht, dem sei morgen Abend ein Besuch im Weingut Janson Bernhard empfohlen. Im alte Kiwihaus wird dort „bei Kaminknistern und Kerzenschein“ Andreas Koch Novellen aus Boccaccios „Decamerone“ lesen. Das stilprägende Werk aus dem 14. Jahrhundert ist bekannt für seine derben, sinnlichen, lebensvollen Geschichten. Koch war früher schon mit Lesungen an gleicher Stätte, etwa mit Sonetten Shakespeares. Die Lesung mit Häppchen beginn morgen um 19 Uhr.