Kommentar
Mit oder ohne Kripo-Abzug: Die Polizei braucht mehr Personal
Trotz Strukturreform: Die Polizei ist chronisch unterbesetzt. Und das nicht erst seit kurzem. Mir selbst hat vor mehr als 20 Jahren ein Gewerkschaftsmann gesagt: „Wenn wir nicht gegensteuern, laufen wir in eine Katastrophe.“ Schon damals hatte die Polizei mit großen Problemen zu kämpfen – mit der organisierten Kriminalität zum Beispiel. Dennoch wurde Personal kontinuierlich abgebaut. Gewerkschaften fordern seit langem 10.000 Vollzeitstellen im ganzen Land. Dieses Ziel wird wohl auch in diesem Jahr nicht erreicht. Die Pensionierungswelle der Babyboomer verschärft die Lage künftig noch, da die nachfolgenden Einstellungsjahrgänge den Verlust nicht ausgleichen können. Zudem lassen offenbar Frust und schlechte Stimmung immer mehr Polizisten den Dienst quittieren.
Mag sein, dass die aktuelle Reform vor allem dazu führen soll, Strukturen besser zu nutzen, um damit auch das Leben der einzelnen Beamten in den ländlichen Dienststellen leichter zu machen. Doch letzten Endes kann man noch so viel reformieren, abziehen, zusammenziehen. Es ändert nichts an der Erkenntnis: Die Polizei braucht mehr Personal. Wir leisten uns eines der großzügigsten Sozialsysteme der Welt, und wir Bürger zahlen mit die höchsten Steuern. Da sollte eigentlich auch genug Geld für eine personell und materiell gut ausgestattete Polizei vorhanden sein.
Das allerdings ist eine Entscheidung auf Landesebene. In den Dienstellen in Kibo und Rockenhausen kann dieses Problem nicht gelöst werden. Die Beamten dort versuchen vielmehr, auch ohne Kripo alles zu tun, dass sich der Satz von Polizeigewerkschaftsfunktionär Sven Hummel, „die Sicherheit der Bürger ist nicht in Gefahr“, bewahrheitet. Hoffentlich gelingt das auch in Zukunft.
