Donnersbergkreis „Mit Mut und Energie haben sie ihren Weg beschritten“

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Unter dem Titel „Frauenspuren in der Westpfalz“ wurde am Donnerstag im Göllheimer „Haus Antonius“ eine sehr gut besuchte Ausstellung eröffnet, die Biografien zwölf markanter Frauen aus dem Donnersbergkreis aufgreift – stellvertretend für viele andere. Die Publikation ist Teil eines „Leader“-Projekts, das von den Gleichstellungsbeauftragten vor Ort sowie der Landkreise Kaiserslautern und Kusel erarbeitet wurde.

Ziel war, Frauengeschichte und Frauenkultur in der ländlichen Region einen festen Platz im Spektrum historischer Angebote zu geben – und damit auch Wertschätzung auszudrücken: Leben und Wirken bemerkenswerter Frauen sollte einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht werden. Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller sprach die gesellschaftlich bedeutende Rolle dieser Frauenpersönlichkeiten an – ob nun beruflich oder durch ihr kulturelles, soziales, kirchliches oder politisches Engagement. Viele von ihnen seien auch wichtige Bezugspersonen für die Menschen ihrer Umgebung geworden und hätten für das dörfliche Leben Maßstäbe gesetzt, die heute noch nachwirkten. „Mit Mut und Energie haben sie ihren Weg beschritten – oft unter schwierigen und erschwerten Umständen.“ Besonders stolz sei er auf drei Frauen aus der VG Göllheim: Emma Leber (1914-2000), hilfsbereite und humorvolle Albisheimer Ehrenbürgerin, Marianne Philippi (1942-2005) aus Biedesheim, erste Ortsbürgermeisterin in der Region, und die viel zu früh verstorbene Göllheimerin Ruth Tillmann (1934-2000), Landesvorsitzende des Landfrauenverbands. Die Ausstellung solle Ansporn für jüngere Menschen sein, sich an diesen Vorbildern zu orientieren. „Diese Frauen aus der Westpfalz waren Vorreiter für die heutigen Frauen, die in vielen Bereichen auf der Überholspur des täglichen Lebens sind.“ Christel Frischke, Leiterin des gastgebenden Seniorendomizils, zitierte Lotte Lang aus Otterbach, eine der porträtierten Frauen: „Wenn etwas nötig ist, muss es getan werden. Denn Böses kann nur überwunden werden durch das Gute.“ Angesichts überquellender Nachrichten von Flüchtlings- und Kriegselend, Seuchen und vielem mehr sei genau dies nötig: Ärmel hochkrempeln. Auch in unserer Region gebe es viel anzupacken – und damit seien diese Frauen bis heute Motivatorinnen. Hier im „Haus Antonius“ lebten Menschen, die diese Einstellung oft praktizierten, ohne berühmt geworden zu sein – hier sei vorangegangenen Generationen zu danken für ihre Leistung und ihren Einfluss auf das Leben der Heutigen. Frischke regte zum Nachdenken über die Verantwortung für zukünftige Generationen an. „Man stelle sich selbst die Frage: Welche Spuren hinterlasse ich? Oder welche möchte ich hinterlassen?“ Für die jüngeren Betrachter mögen die zwölf Fotos und kurz gefassten Lebensläufe ein Stück Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts sein – tradiertes Rollenverständnis wird wie nebenbei lebendig. Als Daten seien genannt: Bis 1918 hatten Frauen kein Wahlrecht. Erst 1949 wurde im Grundgesetz mit Artikel 3, Absatz 2 die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschrieben. Mit der Reform des Ehe- und Scheidungsrechts wurde 1977 das Leitbild der Hausfrauenehe verabschiedet. Nachhaltige Erinnerungen lassen die Porträts im jeweiligen Bekanntenkreis aufsteigen. Neben den bereits genannten Persönlichkeiten treten alphabetisch geordnet auf: die Künstlerin und Kunsthandwerkerin Ann Blaum (1913-2003) aus Katzenbach. Katharina Dietz (1901-1982), Kirchheimbolanden, Mitgründerin und Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt. Die Schriftstellerin und Lyrikerin Susanne Faschon (1925-1995) aus Jakobsweiler. Stellvertretend für zahlreiche Diakonissen: die in Winnweiler tätige Frieda Hachenburger (1900-1974). Luise Michel (1880-1969) als großzügige Wohltäterin Kirchheimbolandens, nach der eine Straße benannt wurde. Die Eisenbergerin Charlotte Pfützner (1894-1979), die sich in der Altenpflege einbrachte und Heimatgedichte schrieb. Hedwig Schardt (1924-2004) vertrat als erste Politikerin den Kreis im Landtag. Edeltraut Sießl (1923-1996) – sie wirkte als erste Gynäkologin in Kirchheimbolanden und setzte sich für die natürliche Geburt ein. Edith Starck-Welsch (1939-2009) engagierte sich als Beigeordnete der Stadt Kirchheimbolanden und in zahlreichen Ehrenämtern. Info Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 25. Juni im Foyer des Hauses Antonius. Dort liegt eine Broschüre über das Gesamtprojekt aus, nachzulesen sind die „Frauenspuren in der Westpfalz“ auch im Internet unter www.frauenspuren-westpfalz.de.

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