Donnersbergkreis Mit der „Seemöwe“ fing alles an

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In den Scheunen der 720-Einwohner-Gemeinde Morschheim ist in diesen Tagen mächtig was los. Am morgigen Sonntag, 14.11 Uhr, findet der 55. Fasnachtsumzug im Ort statt. Wieder werden bis zu 3000 Zuschauer erwartet. Am Umzug nehmen rund 40 Gruppen teil. Darunter sind auch wieder viele Mottowagen. Und denen wird aktuell noch der letzte Schliff verpasst. „1961, als der erste Umzug stattfand, da war alles noch viel kleiner“, erzählt Herbert Burkhard. Der 83-Jährige ist Fasnachter der ersten Stunde.

In der Scheune in der Johannsgasse 2 wird an diesem Freitagmorgen kurz nach 9.30 Uhr schon getüftelt. Wolfgang Mandler, Erster Vorsitzende des Morschheimer Carneval Clubs, kurz MCC, sein Vorgänger Uli Neumann sowie Herbert Burkhard blicken auf einen Plan. Hinter dem Trio steht eine riesige Narrenkappe. „Das ist eins der Motive“, sagt Mandler und erklärt: „Die kommt auf einen der Wagen.“ Seit dem 11.11. des vergangenen Jahres laufen schon die Vorbereitungen auf das Ereignis des Jahres in der kleinen Gemeinde. „Der Wolfgang hat an diesem Datum schon eingeladen, da wurden die ersten Ideen für den diesjährigen Jubiläumszug ausgetüftelt“, schmunzelt Uli Neumann. Dass es den Morschheimer Fasnachtsumzug überhaupt gibt, daran hat gerade Herbert Burkhard einen großen Anteil. „Ich bin ja gar nicht aus dem Ort“, erzählt der rüstige Senior, der es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen ließ, einmal in die Scheunen im Ort zu spicken und zu schauen, was die Teilnehmer für Motivwagen bauen. Eigentlich ist Burkhard gebürtiger Mauchenheimer. „Wegen der Liebe bin ich nach Morschheim gekommen“, betont er und erzählt dann, wie das so war mit der Erfindung der Fasnacht in Morschheim. „In Alzey war in den 50er Jahren immer ein großer Umzug. Hier im Ort gab es beispielsweise den Helmut Odermann und Wilhelm Otto. Die sind mit den Kindern durch die Straße gezogen. Und es gab damals auch einen Tanzball an Fasnacht“, erinnert sich Burkhard, der weiter erzählt: „Als dann beide keine Zeit mehr hatten, habe ich im Jahr 1961 gesagt: Kommt, ich organisiere etwas!“ Gemeinsam mit „sieben, acht Mitstreitern“ stellte der heute 83-Jähriger dann einen kleinen Umzug zusammen. „Wir hatten damals einen einzigen Mottowagen. Das war ein großes Schiff, das wir gebaut haben“, so Burkhard. Der Hintergrund: Die Straßen im Ort waren zu dieser Zeit ganz schlecht. „Man hatte die Absicht, neue Kanäle zu bauen. Wir haben uns dann gedacht: ,Seht her liebe Leut’, wir haben schon ein Schiff, jetzt fehlt nur noch ein Kanal.’“ Der erste Mottowagen in der Geschichte bekam so den Namen „Seemöwe“. Beim 25. Jubiläumsumzug 1986 tauchte das Schiff wieder auf. „Sozusagen als Hommage an den allerersten Umzug“, erklärt Neumann. „Um den Umzug weiter zu finanzieren, haben wir zweimal im Jahr Papier gesammelt, und 1965, ja, da haben wir erstmals als Verein beim großen Umzug in Alzey mitgemacht“, erinnert sich Burkhard, der 20 Jahre den Vorsitz des Carnevalsvereins inne hatte und sagt: „Auf der Rolle kann ich nicht mehr, das ist zu anstrengende. Ich helfe aber noch einer Damengruppe bei ihren Konstruktionen und bin natürlich als Zuschauer dabei“, erzählt Burkhard. Dass mittlerweile pro Jahr rund zehn bis zwölf Wagen beim Umzug durch den Ort ziehen, findet er toll. „Wie sich das doch entwickelt hat!“, staunt Burkhard. Die größte Konstruktion sei vor wenigen Jahren „ein riesengroßer Dinosaurier“ gewesen, erzählt Wolfgang Mandler, der verrät: „So etwas ist auch in diesem Jahr dabei.“ Das Trio hofft natürlich wie jedes Jahr auf gutes Wetter. „Aber es war auch schon bitterkalt, und wir standen einmal bis zu den Knöcheln im Wasser, weil es so geregnet hat“, so Neumann, der bis zur Stabübergabe an Mandler 25 Jahre Vorsitzender des MCC war. Ausgefallen sei der Umzug nur ein einziges Mal – 1991 wegen des Golfkrieges. Er erzählt weiter, dass rund 100 Leute aus dem Ort und den Gemeinden aus der Umgebung bis morgen an den Mottowagen arbeiten. „Nachwuchsprobleme haben wir nicht“, fügt Mandler an. Der Umzug in Morschheim, er ist schon längst ein Kulturgut im Dorf geworden.

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