Donnersbergkreis Mit Bus, Bahn und Geduld

Einmal quer durch den Donnersbergkreis lautet meine Mission, und das mit öffentlichen Verkehrsmitteln – eine Aufgabe, die etwas Vorbereitung benötigt. Meine erste Anlaufstelle ist das Donnersberger Touristik-Büro bei der Kreisverwaltung in Kirchheimbolanden. Dort suchen mir die Mitarbeiterinnen auf meine Bitte Verbindungen heraus. Natürlich habe ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht: Von Ottersheim nach Obermoschel soll es gehen. Und: Ich möchte an einem Donnerstagvormittag starten. Wenig später halte ich zwei Verbindungen in Händen. Auf beiden Routen muss ich vier Mal umsteigen. Ich entscheide mich für Variante zwei. Sie verspricht mir eine kürzere Fahrzeit von rund zweieinhalb Stunden – das hört sich gut an. Eine Teilstrecke ist mit der Bahn zurückzulegen. Seit 1. Januar hat die Firma Reisedienst Krauss & Wolff-Reisen den Busverkehr im Kreis eigenwirtschaftlich übernommen. Neue Fahrpläne, neue Fahrzeuge und 17 neue Fahrerinnen und Fahrer sollen nun das Reisen verbessern. Meine Reise beginnt – wie gewünscht – an einem Donnerstag, Punkt 9.57 Uhr geht es los. Die erste Überraschung erlebe ich schon an der Haltestelle in Ottersheim: Ein kleiner Bus für neun Personen steuert auf mich zu. Ungläubig gehe ich Richtung Beifahrertür, das Fenster hat der Fahrer heruntergelassen. Ich sage ihm, dass ich nach Harxheim möchte, und habe Glück. Der Fahrer erzählt mir, dass er bald einen neuen Bus bekommt. Nicht größer, allerdings könne er dann die Beifahrertür vom Fahrersitz aus öffnen. Ich muss noch selbst Hand anlegen. Dafür geht es sehr komfortabel nach Harxheim. Ich sei übrigens der erste Fahrgast, der dorthin wolle, erklärt mir der Fahrer. Richtung Biedesheim und Göllheim habe er mehr Fahrgäste. In Harxheim habe ich 20 Minuten Aufenthalt. Genügend Zeit, um mir in der Bäckerei eine Kleinigkeit zu besorgen. Ein junger Mann gesellt sich an der Haltestelle zu mir. Er arbeitet bei Borg Warner und fährt regelmäßig mit dem Bus zur Arbeit. Ein leerer Bus, älteres Modell, etwas abgenutzt fährt an. Der linke Rückspiegel ist an der Ecke gesplittert und mit Klebeband provisorisch geflickt. Das Fahrzeug aber ist überraschend sauber. Die Entwertung meiner Fahrkarte übernimmt der Fahrer. Als ich vergebens nach einem Fahrkartenentwerter suche, zückt er lachend einen Kugelschreiber. „Manuell“, sagt er freundlich, fragt nach dem Datum und schreibt es auf meine Fahrkarte. Über Einselthum geht es weiter nach Albisheim. Dort ist die Durchfahrt wegen Straßenbauarbeiten an diesem Tag gesperrt. Der Fahrer muss am Ort vorbeifahren und schließlich über Nebenstraßen zum Ziel finden. An mancher Ecke halte ich unwillkürlich die Luft an. Manch rücksichtsloser Pkw-Fahrer macht es meinem Busfahrer nicht gerade leicht. Mit zehn Minuten Verspätung kommen wir in Kirchheimbolanden an. Bisher hat der Fahrer an jeder Haltestelle gehalten. Seltsam, in der Marnheimer Straße verringert er gar nicht das Tempo. Als wir gerade an der Haltestelle vorbeirauschen, mache ich mich bemerkbar. Er bremst und lässt mich einige Meter hinter der Haltestelle aussteigen. Uff, gerade noch einmal gutgegangen, denke ich. Auf einem Schild an der Haltestelle, an der ich den Bus verlassen habe, steht groß „Rockenhausen“. Das passt ja prima. Für einen Kaffee zum Mitnehmen und einen Toilettenbesuch im gegenüberliegenden Café reicht es auch noch. Um 11.03 Uhr soll mein Bus Richtung Rockenhausen abfahren – doch er kommt nicht. Ein wenig ratlos stehe ich an der Haltestelle. Als der nächste Bus anfährt, spreche ich den Fahrer an. Der schickt mich zur anderen Straßenseite. Mist, falsche Haltestelle, Bus verpasst. Der nächste fährt aber zum Glück bereits eine halbe Stunde später. „Rockenhausen“ steht groß auf dem anfahrenden Bus – ein Hinweis, den ich an der Haltestelle vermisst habe. Da stand nur Eisenberg, Göllheim, Winnweiler. Um 11.39 Uhr geht es mit vier Minuten Verspätung weiter – und das über Umwege, wie ich bald merke. Zunächst geht es Richtung Weierhof, dann weiter nach Dreisen. Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute. Nach einem Wendemanöver in Dreisen kommen mir Zweifel. Sitzte ich im falschen Fahrzeug? Über Weitersweiler geht es nach Dannenfels. Jetzt stimmt die Richtung wieder, und ich bin erleichtert. Eigentlich sollte ich um 11.36 Uhr schon in Rockenhausen sein, stattdessen ist es fast 12 Uhr, und wir fahren gerade durch Bennhausen. In Dannenfels steigt eine Dame aus, der Fahrer hilft ihr bereitwillig beim Ausladen der Einkäufe. Weiter geht’s zur Schule, wo der Bus umdreht. Ein Blick auf die Uhr: 12.10 Uhr, wir fahren durch Jakobsweiler, dann Steinbach. Jetzt wird mir klar, dass das eine Rundfahrt durch den ganzen Donnersbergkreis wird. Aus dem Plan war nicht ersichtlich, dass dieser Bus sogar bis Winnweiler fährt. Alle kleinen Ortschaften fährt er an: Börrstadt, Breunigweiler... An einer Haltestelle spreche ich den Busfahrer nochmals vorsichtig an: „Sie fahren schon noch nach Rockenhausen?“ Ja, erwidert der Fahrer. „Aber das ist kompliziert.“ Dann zückt er eine lange Liste mit Ortsnamen. Immerhin besteht Hoffnung, dass ich irgendwann in Rockenhausen ankomme. Weiter geht es über Sippersfeld nach Gonbach. Eine Strecke, die ich mit dem Auto schon sehr ungern fahre. Mein Respekt vor Busfahrern steigt enorm. In Münchweiler hebt sich meine Laune wieder. Irgendwann ist auch die längste Busfahrt geschafft. Ein Erlebnis war es ja, schmal und holprig die Straßen und die Kurven extrem eng. Bei Gegenverkehr ist Millimeterarbeit gefragt. Das alles wäre mir entgangen, wenn ich den richtigen Bus erwischt hätte, tröste ich mich. Ab Winnweiler bin ich der einzige Fahrgast. Um 13.08 Uhr, nach eineinhalb Stunden Fahrzeit, komme ich in Rockenhausen an. Um 13.31 Uhr fährt der Zug nach Alsenz – mit mir und vielen Schülern an Bord. Zehn Minuten später sind wir in Alsenz. Hier suche ich vergeblich auf den Fahrplänen eine Verbindung nach Obermoschel. Ich frage einen Busfahrer, der schon auf die Schüler gewartet hat. „Der kommt gleich“, lautet seine Antwort. Also gut, ich warte. Ein Bus nähert sich der Haltestelle, auf der „Gaugrehweiler“ steht. Ich stutze. Zum Glück spreche ich den Fahrer an. Er fährt tatsächlich erst nach Obermoschel. Überglücklich, dass meine Reise bald zu Ende ist, steige ich ein. Als das Fahrzeug kurz hinter Alsenz links nach Obermoschel abbiegt, atme ich auf. Jetzt nur noch durch Niedermoschel, schon habe ich mein Ziel erreicht. Es ist 14.02 Uhr. Fazit: Um schnell von einem A nach B zu kommen, muss man gut planen – und man sollte sich auskennen. Es gibt nur wenige direkte Verbindungen. Die meisten Buslinien fahren große Umwege, sodass man als Fahrgast viel Zeit einplanen muss. Sehr erfreulich: die sehr sauberen Fahrzeuge und die durchweg sehr netten und hilfsbereiten Fahrer. Noch ein Tipp: bei kühlem Wetter warme Schuhe anziehen. Die Fahrzeuge sind zwar gut temperiert, die Füße werden trotzdem schnell kalt.