Donnersbergkreis Mit Bild durch die Pfalz

91-95591601.jpg

Biedesheims Ortsbürgermeister Holger Pradella hat nicht schlecht gestaunt, als plötzlich Hertha und Falko Wagner aus Kirchheim an seine Tür klopften und ihm ein Gemälde überreichten. Das ihm bislang unbekannte Rentnerehepaar schenkte ihm ein Aquarell von dem ihm ebenfalls unbekannten Hobbymaler Herbert Gauck. Mit dem Motiv wiederum konnten die Eheleute lange Zeit nichts anfangen.

Es zeigt, wie sie jetzt wissen, einen Teil der Biedesheimer Hauptstraße mit dem markanten Glockenturm. „Wir haben das Bild vor rund zwei Jahren beim Ausmisten des Speichers im Haus einer Freundin in Kleinkarlbach gefunden“, erinnert sich Hertha Wagner, der das Aquarell sogleich gefallen hat. Da es zu schade zum Wegwerfen gewesen sei, hätten sie und ihr Mann es mitgenommen. Der Künstler soll aus Obrigheim gewesen sein, insofern lag die Vermutung nahe, dass es sich um die dortige Ortsdurchfahrt handelt. Es habe sich allerdings schnell herausgestellt, dass das nicht der Fall sei. So sind sie und ihr Mann mit dem Aquarell durch die Pfalz gereist, immer auf der Suche nach der passenden Straßenansicht. Am 29. Dezember schlug Falko Wagner die RHEINPFALZ auf und las ein Interview mit Pradella unter dem Titel „Habe hier Wurzeln geschlagen“. Neben dem Porträt des Bürgermeisters war ein Foto der Hauptstraße Biedesheims. „Er rief: ,Guck mal, unser Bild`“, erzählt die 75-Jährige. Da war er endlich, dieser Glockenturm, den die beiden zuvor vergeblich gesucht hatten. Für die Kirchheimer war es keine Frage, wo das Bild nun hingehört, und sie machten sich ein letztes Mal mit dem Aquarell im Auto auf den Weg. Pradella hat es gestern im Gemeinderat vorgestellt. Es soll nun im Bürgerhaus aufgehängt werden. Und wie kam das Bild auf den Kleinkarlbacher Dachboden? „Ein Nachbar meiner Freundin stammte aus Biedesheim“, löst Hertha Wagner das Rätsel auf. Als dieser ins Altersheim ging, habe er seiner Nachbarin das Kunstwerk überlassen. Das Entstehungsjahr lässt sich nur schätzen. Es muss laut Pradella auf jeden Fall vor 1995 gewesen sein, da dann die auf der Leinwand noch unbefestigte Hauptstraße ausgebaut worden ist. Auch haben sich manche der dargestellten Details an den Gebäuden bis heute verändert – oder sie existierten gar nicht. Zumindest der Verlauf der Holzbalken des Fachwerks einiger Häuser ist das Ergebnis künstlerischer Freiheit. Eine Witwe hat dem Bürgermeister berichtet, dass Herbert Gauck 1921 geboren und 2014 gestorben sei. Seine Urgroßeltern hätten in Biedesheim gewohnt. Die Hauptstraße sei sein häufigstes Motiv gewesen.

x