Donnersbergkreis Mit 100 Lämmern unterwegs

Vor einigen Tagen zeigte sich dem aufmerksamen Autofahrer kurz vor Eisenberg ein mittlerweile selten gewordenes Bild: Ein Schäfer beweidete mit einer beträchtlichen Schafherde eine Ausgleichsfläche des Landesbetriebes Mobilität (LBM) vor den Toren der Stadt.
„Flunky geh’ raus, weiter rüber, geh’ raus“, ruft Klaus Egelhofer seinem schwarzen Altdeutschen Schäferhund zu, als sich zwei Lämmer Richtung Straße absetzen wollen. Flunky hört aufs Wort, versteht sogar Gesten und sprintet schnurstracks den beiden Ausreißern hinterher, erreicht sie mühelos und treibt sie gekonnt wieder zur Herde zurück. Egelhofer ist mit 200 Muttertieren, 100 Lämmern und zwei Hunden aus Falkenstein nach Eisenberg gewandert und wird sich danach weiter über Ebertsheim auf die Trockenrasenflächen des Grünstadter Bergs bewegen. „Er wurde vom LBM beauftragt, die Flächen offen und freizuhalten, damit sich Silbergras und Sandrasen ansiedeln können“, wie Dorothea Gutowski, die Biotopbetreuerin, erklärt. Silbergras brauche „Verwundung“, um besser wachsen zu können. Egelhofer ist seit 35 Jahren als Schäfer unterwegs und hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Er kennt keinen Urlaub, denn auch im Winter ist er mit seinen Tieren unterwegs, meist allerdings nicht allzu weit von Zuhause weg. „Im Winter füttere ich zusätzlich Silage aus Rundballen, Zuckerrübenschnitzel und Futtergerste, da das Weidengras nicht ausreichend ist“, erklärt der Schäfer. Zehn Lämmer, die im Winter geboren wurden, hat Egelhofer mit der Flasche groß gezogen. „Die Kleinen hatten eine Lungenentzündung und mussten deshalb von den Muttertieren getrennt und medizinisch behandelt werden“, berichtet Egelhofer. Als er die Tiere nach ihrer Genesung wieder ihren Müttern zuführen wollte, hatten sie mittlerweile ihren typischen Geruch verloren und wurden nicht mehr angenommen. „Kurzerhand haben meine Frau und ich sie dann mit der Flasche und H-Milch groß gezogen und ihnen allen Namen gegeben“, erzählt er schmunzelnd. Aber auch in den übrigen Jahreszeiten hat ein Schäfer genug zu tun: Die Tiere müssen täglich mit Wasser versorgt werden, das in Fässern angekarrt wird, werden genau beobachtet, damit Krankheiten rechtzeitig erkannt und behandelt werden können, und auch die Klauen müssen regelmäßig gepflegt werden. „Eine zu spät erkannte Lungen- oder Euterentzündung kann tödlich sein“, betont der Fachmann. Im Frühjahr müssen Schäfer neben den täglichen Aufgaben, die zur Zucht gehören, auch noch nachts ran und bei der Geburt der Lämmer helfen. Überhaupt kommen Schäfer nur selten auf eine geregelte 40-Stunden-Woche, meist liegt die Arbeitszeit deutlich darüber. Es gibt drei Gründe für die Schafhaltung: die Wolle, die Milch und das Fleisch. „Früher habe ich meine Schafe selbst geschoren, heute gebe ich das in Auftrag“, so Egelhofer. Die Wolle wird über Frankreich nach China geliefert, was nach Australien mit rund 400.000 Tonnen Schafswollenproduktion der zweitgrößte Abnehmer weltweit ist. Egelhofers Schafe werden aber des Fleisches wegen gehalten: „Besonders um die Osterzeit ist Hochkonjunktur, da werden die meisten Lämmer geschlachtet.“ Weltweit gibt es 136 verschiedene Arten Schafe. „Ich habe Suffolk-Schafe, deren Wolle generell weiß ist, deren Gesicht, Ohren und Beine jedoch tiefschwarz sind, Rhön- und Schwarzkopfschafe, die beide einen schwarzen Kopf haben, und die reinweißen Berrichon-Schafe“, erklärt er. Außerdem gehören die Coburger Fuchs-Schafe zu seinem Bestand, die durch ihre besondere Farbe auffallen: Bei der Geburt haben die Lämmer eine goldgelbe bis rotbraune Farbe; die Farbe der Wolle hellt im Laufe der Zeit durch die Sonneneinstrahlung auf. (bbq)