Donnersbergkreis Mit Ängsten und Schmerzen nie alleine

Gudrun Scheld und ihre Tochter Katharina haben bei einem gemeinsamen Urlaub wieder Kraft getankt nach der anstrengenden Phase, i
Gudrun Scheld und ihre Tochter Katharina haben bei einem gemeinsamen Urlaub wieder Kraft getankt nach der anstrengenden Phase, in der sie ihren Mann und Vater an seinem Lebensende begleitet haben.

Eckhard Schweig war lange krank. Seine letzte Lebensphase wollte er daheim verbringen, umgeben von seiner Frau und seiner Tochter. Mit der ambulanten Palliativversorgung (SAPV) meisterte die Familie aus Steinbach diese schwierige Phase. Die SAPV bietet ärztlichen und pflegerischen Beistand für Schwerstkranke, und zwar rund um die Uhr.

«STEINBACH.» Von Angst war selten die Rede im Haus von Eckhard Schweig und seiner Frau Gudrun Scheld. „Mein Mann war immer sehr tapfer und klar“, sagt sie. Jammern gab es bei ihm nicht. Aber Schmerzen gab es, und die Frage, wie der Lebensabschied aussehen sollte. Und obwohl er immer engmaschig medizinisch versorgt werden musste, konnte Eckhard Schweig dank der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) daheim bleiben bis zu seinem letzten Lebenstag. „Für uns war es keine Frage, dass wir diesen Weg zusammen mit meinem Mann gehen würden, schließlich hatten wir viele schöne Zeiten erlebt, da gehörte es für mich selbstverständlich dazu, auch die letzten Wochen gemeinsam zu verbringen“, sagt Gudrun Scheld. „Ich habe mich von dem Grundsatz leiten lassen, dass die vertraute Umgebung, Menschlichkeit und Nähe des familiären Umfelds das Überleben unzähliger Generationen ermöglicht hat“, sagt sie. Doch sie habe auch die Erfahrung gemacht, dass im Spagat zwischen Leben und Tod Expertenwissen oft unverzichtbar sei. „Es ist gut, wenn das 24-Stunden am Tag abrufbar ist“, sagt sie heute. Gudrun Scheld und der gemeinsamen Tochter Katharina Schweig waren schwierige Krankheiten und lebensbedrohliche Situationen durchaus bekannt. 1999, als die Tochter gerade ein Jahr alt war, musste sich Eckhard Schweig einer Doppeltransplantation von Leber und Lunge in der Medizinischen Hochschule Hannover unterziehen. Die Transplantation verlief „bilderbuchmäßig“. Die Leberwerte waren gut, die Lungenfunktion sogar „super“. Dass jemand nach einer Doppeltransplantation mehr als zehn Jahre weiterleben würde, galt damals als medizinisch unwahrscheinlich. Eckhard Schweig schaffte es. „Wir hatten einen nahezu normalen Alltag mit Berufstätigkeit, Familie, Haus und Garten, Freizeit und Urlaub. Die Krankheit stand selten im Mittelpunkt“, erinnert sich seine Frau. Dass die Medikamente, die eine Abstoßung der Organe verhindern sollen, still und schleichend während dieser Zeit ihre Spuren im Körper von Eckhard Schweig hinterließen, war lange Zeit kaum zu sehen. Doch ab 2010 führten zahlreiche Begleiterkrankungen zur Dialyse, es folgten Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, zuletzt wurde Krebs diagnostiziert. Dass seine Lebenszeit bald enden würde, das wusste der damals 58-Jährige Mitte vorigen Jahres, nachdem sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hatte. „Wir fühlten uns in dieser Zeit mit ,unserer’ Dialysepraxis in Kaiserslautern und dem Dannenfelser Hausärzte-Team bestens versorgt“, erzählt Gudrun Scheld. „Dr. Rolf Dietzel und sein Team unterstützten uns gut.“ Und doch zeichnete sich ab, dass all das irgendwann nicht mehr reichen würde. Auch ein Hausarzt habe ja ein Wochenende, freie Nächte, und „wir wussten um den anstehenden Urlaub des Arztes“, erzählt Gudrun Scheld. Und die Tochter ergänzt: „Es war klar, wir würden immer wieder Hilfe brauchen, denn Papa war es oft übel, er hatte Schmerzen, und er wollte auf keinen Fall wieder ständig ins Krankenhaus“. Bei einem Besuch berichtete Eckhard Schweigs Bruder von SAPV. „Ich hatte davon zuvor nie gehört“, sagt Gudrun Scheld. Noch am gleichen Abend gab es ein Gespräch mit einer SAPV-Mitarbeiterin aus dem Saarland und im Internet erfuhr Gudrun Scheld, dass es ein solches Angebot auch in der Nähe gab: Beim Verein zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen/Pfalz in Worms. „Erst später erfuhren wir, dass das bei uns eigentlich ein Glücksfall war, denn obwohl ja ein gesetzlicher Anspruch auf die ambulante Palliativversorgung besteht, gibt es sie nicht überall“, weiß Gudrun Scheld heute. Die Palliativmedizinerin Bärbel Rottammer und Iris Lange vom Pflegedienst in Göllheim übernahmen die Betreuung von Eckhard Schweig für die SAPV Worms. Beim Erstbesuch wurden alle wichtigen Arztbefunde erfasst, Notfallmedikamente gegen Schmerzen zur Beruhigung bereitgestellt und eine 24-Stunden-Hotline- Nummer übermittelt. Nach kurzem kam Dr. Ralf Schneider aus Alzey als Urlaubsvertretung für Bärbel Rottamer. „Dr. Schneider war ein Glücksfall für uns. Ich hatte sofort das Gefühl, dass die Wellenlänge passt. Auch mein Mann und er hatten sofort einen guten Draht.“ Dass dies Eckhard Schweigs letzte Lebenswochen werden würden, war nicht klar, aber sein Zustand verschlechterte sich täglich. Ängste, Versorgung, Organisation und Gespräche forderten die ganze Kraft der Familie. „Bis zuletzt blieben meine Zweifel. Wie darf ich die Medikamente dosieren, kann ich überdosieren und was passiert dann?“, schildert Gudrun Scheld. Auch ihr Mann suchte Antworten. „Wie lange soll ich noch zur Dialyse gehen? Macht eine Bluttransfusion überhaupt noch Sinn?“. Ergänzend zum ständigen Austausch mit seiner Frau suchte er ärztlichen Rat bei dem Palliativmediziner. „Wir konnte immer anrufen, alleine dieses Wissen war eine große Beruhigung“, sagt Gudrun Scheld. Ein Arztbesuch war auch kurzfristig kein Problem, erinnert sie sich etwa an einen Sonntag. Im Laufe des Tages zeigte sich, dass die Medikamente und Spritzen gegen die Schmerzen nicht reichen würden. „Der Pflegedienst der SAPV war mit allem, was gebraucht wurde, 30 Minuten später vor Ort.“ Ein Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst oder beim Rettungsdienst hätte zwangsläufig zu einer Krankenhauseinweisung geführt. Etwas, das Eckhard Schweig absolut nicht mehr erleben wollte. „Der Spagat zwischen dem, was das Leben in der letzten Phase leichter macht und dem, was das Leiden unnötig verlängert, der ist ohne fachlichen Beistand nicht zu schaffen“, sind sich Gudrun Scheld und ihre Tochter Katharina sicher. Als Eckhard Schweig Anfang Oktober starb, waren seine Frau und Tochter Katharina darauf vorbereitet. Dass sie heute trotz der Trauer um ihren Mann und Vater – ganz in seinem Sinne – ihr Leben weiter leben und Pläne machen, das war auch deshalb möglich, weil sie seine letzte Lebensphase gemeinsam so friedlich gestalten konnten, begleitet von lieben Angehörigen und verlässlichen Experten. Dass ihr Mann und Vater trotz der Schwere seiner Krankheit daheim sterben konnte und nie mit seinen Ängsten, Zweifel und der Ohnmacht alleine war, das versöhnt die beiden mit dieser harten Zeit.

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