Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel „Mir blutet das Herz“: Was Beteiligte zum Ausfall des Residenzfestes sagen

Das Resifest ist ein beliebter Treffpunkt für alle Generationen – zum Teil auch für Menschen, die sich lange nicht gesehen haben
Das Resifest ist ein beliebter Treffpunkt für alle Generationen – zum Teil auch für Menschen, die sich lange nicht gesehen haben.

An diesem Wochenende wäre Residenzfest, das größte Fest des Jahres. Wäre. Denn wie alle anderen großen Veranstaltungen müssen auch die Sommertage in der Kleinen Residenz der Corona-Pandemie weichen. Es ist die erste Absage in der Geschichte des Spektakels. Was empfinden Menschen, die sonst daran beteiligt sind? Wir haben uns umgehört.

Traurig sein. Das wird Bürgermeister Marc Muchow an diesem Wochenende. Das weiß er jetzt schon ganz sicher, gerade bei dieser Wettervorhersage: „Es wäre ein wunderschönes Fest geworden“, ist er sicher. „Dass ich der erste Bürgermeister in der Stadtgeschichte bin, der dieses wunderbare Fest absagen muss, das nimmt mich wirklich mit“, so Muchow. Und er sei sicher, dass auch viele andere Kerschemer traurig sind.

Er habe auch Verständnis dafür, dass sich viele wohl an diesem Wochenende etwas Schönes vornehmen, im kleinen Kreis ein bisschen feiern, als Trost sozusagen, so Muchow. Aber „man darf ja nicht vergessen, dass es einen wichtigen Grund gibt, dass das Fest ausfallen muss. Ich möchte nicht, dass sich Menschen trotzdem versammeln und vielleicht dann beschwingt vom Alkohol vergessen, sich an die Regeln zu halten“, so Muchow. Er selbst habe allen Freunden, die üblicherweise zu dem Fest angereist kommen, in diesem Jahr abgesagt. Und in der Stadt seien Sicherheitskräfte unterwegs, die verhindern, dass es zu Menschenansammlungen kommt. „Wir wollen ja nicht die Probleme haben, die es in jüngster Zeit in anderen Städten schon gab.“ Im Grunde aber habe er da wenig Befürchtungen. „Die Kerschemer sind da – glaube ich – sehr verantwortungsbewusst.“

Ein bisschen Resifest plant der Stadtbürgermeister aber dann doch noch: Am Montag wird er, wie das in den Vorjahren üblich war, den städtischen Mitarbeitern eine kleine Anerkennung überreichen. „Und die Leute vom Bauhof kriegen ihr Essen spendiert, wie sie es vom Residenzfest-Montag kennen. Diese Anerkennung haben sie auch in diesem Jahr verdient, daran hat Corona nichts geändert.“

„Da fehlt etwas“

Einer, der am Resifest immer besonders viel zu tun hat, ist RHEINPFALZ-Fotograf Thomas Stepan. Zum einen das Fest rauf und runterfotografieren – und dazu eine gut frequentierte Hoflaube unterm eigenen Dach, betrieben vom Weingut Schwedhelm, für deren Einrichtung etliche Tage Arbeit vorher fällig werden. „Dafür muss ich meine Werkstatt ausräumen“ – was immer wieder auch ein willkommener Anlass zum Entrümpeln sei. Und der Aufbau mit den Leuten vom Weingut Schwedhelm habe auch immer viel Spaß gemacht. Den Aufwand hätte er also „mit Freuden“ wieder auf sich genommen, sieht Stepan das Ausfallen des Festes, in seinen Augen des schönsten im ganzen Jahr, mit Bedauern und hätte auf das freie Wochenende gerne verzichtet. „Da fehlt etwas“, sagt er, spricht von einem Riesenverlust. Ganz soll das Fest für ihn nicht ausfallen: Am Samstagabend werde er sich mit seiner Clique, die immer zum Fest gemeinsam unterwegs sei, im Hof treffen. „Jeder bringt was zu essen und zu trinken mit, und dann feiern wir Resifest im Kleinen“, sagt er.

Dass die erste Absage in der jahrzehntelangen Geschichte der „Sommertage in der Kleinen Residenz“ das Fest selbst künftig verändern wird, befürchtet Thomas Stepan nicht – sofern das Corona-Problem gelöst werden könne durch Impfungen. Das Fest werde wieder in den bewährten Bahnen aufleben, zumal es ja nach seinem Eindruck in den letzten Jahren ohnehin stetig gewachsen sei; weitere Hoflauben seien dazu gekommen, und er habe den Eindruck, es seien immer mehr Menschen an den Festtagen in der Stadt auf den Beinen.

Wehmut kommt auf

Auch für Lisa Frölich, die zusammen mit ihrer Schwester Nora und Kristine Wünstel-Uhl die Ballettschule Flex & Point betreibt, ist dieses Wochenende Neuland: „Seit ich als kleines Kind mit meiner Familie nach Kirchheimbolanden gezogen bin, ist es für mich das erste Jahr ganz ohne Resifest. Wir haben auch unsere Urlaube immer so gelegt, dass wir zuhause sind“, erzählt die 37-Jährige auf Anfrage der RHEINPFALZ. Mit ein Grund dafür: Etwa mit sechs Jahren hat sie bei ihrer 2014 verstorbenen Mentorin Isolde Dierks-Bulenda mit dem Ballett angefangen. Da erübrigt sich fast die Frage, was ihr als Erstes beim Stichwort Residenzfest einfällt: „Natürlich unsere Matinee am Sonntagvormittag.“ Jahr für Jahr „zaubern“ die Elevinnen ihre aktuellen Tänze auf die Schlossgarten-Bühne und begeistern damit mehr als 500 Besucher.

Obwohl die Absage schon geraume Zeit feststeht, „wird das einem kurz vor dem Termin nochmal richtig bewusst. Ich denke schon seit Anfang der Woche daran, dass jetzt normalerweise die ganzen Proben stattfinden würden“, kommt bei Lisa Frölich dieser Tage doch noch einmal Wehmut auf. Als feststand, dass es 2020 kein Resifest geben wird, sei die Enttäuschung bei ihr und ihren beiden Kolleginnen natürlich zunächst riesig gewesen.

Was nichts daran ändert, dass alle drei absolutes Verständnis für den Ausfall des Festes im Allgemeinen, der Matinee im Speziellen haben: „Unsere Tänze leben auch davon, dass die Akteure sich berühren, Kinder nehmen sich an der Hand – das alles ist derzeit einfach undenkbar.“ Mal abgesehen davon, dass auch die Zuschauer-Frage nur mit großem organisatorischen Aufwand zu lösen gewesen wäre. Einen positiven Nebeneffekt kann sie dem Ganzen dann aber doch abgewinnen: „Unsere Mädels und Jungs sollen die freie Zeit jetzt einfach mal genießen, normalerweise ist die Vorbereitung ja sehr zeitintensiv.“ Und mehr als ein Trost ist, dass Flex & Point – wie überall unter strengen Hygieneauflagen – nach den Sommerferien wieder mit dem Training starten darf.

Fehlen wird Lisa Frölich nicht nur das Tanzen: „Besonders schön finde ich, dass man viele alte Freunde trifft, die man lange nicht mehr gesehen hat. Sie sind aus beruflichen oder anderen Gründen weggezogen und kommen oft zum Fest, um ihre Familien zu besuchen – man begegnet sich in der Stadt, hält ein Schwätzchen, das werde ich vermissen.“

So ganz ohne Resifest-Feeling will sie die nächsten Tage dann aber doch nicht verbringen: „Kristine, Nora und ich haben uns überlegt, auf Facebook eine Galerie mit Bildern der vergangenen Jahre zu posten – damit die Leute, die uns dort verfolgen, wenigstens ein bisschen Matinee-Gefühl haben.“ Privat werde sie im kleinen Kreis mit Familie und Freunden ein bisschen feiern. „Alles natürlich coronakonform, bei dem Wetter kann man ja auch wunderbar draußen sitzen.“ Ein klein wenig soll es dann doch ein besonderes Wochenende werden. Gleichwohl möchte Lisa Frölich natürlich im kommenden Jahr unbedingt wieder ein „richtiges“ Resifest haben – mit Ballett-Matinee: „Wer weiß, ob bis dahin alles so wird, wie es mal war. Aber ich hoffe es!“

„Das ist sehr schade“

Auch Braugerstenkönigin Ronja Steuerwald-Ludwig ist traurig, „da fehlt schon irgendwas“, sagt die junge Frau aus Stetten. „Das ist sehr schade.“ In diesen Tagen habe sie häufiger daran denken müssen, dass jetzt ja das Residenzfest angestanden hätte und sie bei der Eröffnungsveranstaltung viele Wein- und Erntehoheiten mal wieder getroffen hätte. Obwohl die Absage nun schon länger bekannt sei, sei es doch keineswegs abgehakt. Aber: „Es ist besser so“, respektiert sie die Gründe der Festabsage. Corona hat da ihren Terminkalender auch über das Residenzfest hinaus geleert. Und gerade jetzt wäre die hohe Zeit der Feste. Ihren letzten Auftritt als Braugerstenkönigin habe sie im Januar gehabt beim Neujahrsempfang der Stadt. Ein „Ersatzfest“ habe sie nicht geplant am Wochenende.

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Wegen der Corona-Pandemie wird der Römerplatz an diesem Wochenende verwaist bleiben. Kleiner Trost: Kommenden Freitag und Samstag findet hier zum zweiten Mal die Veranstaltung »Kibo l(i)ebenswert« statt.
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