Kirchheimbolanden Mietärger mit Behörde: Mahngebühren nach monatelangem Warten auf Abrechnung

Hohe Miete und wenig Tageslicht: Karwan Khairi lebt in der Neuen Allee zusammen mit seinem Onkel in einem Ein-Zimmer-Appartment
Hohe Miete und wenig Tageslicht: Karwan Khairi lebt in der Neuen Allee zusammen mit seinem Onkel in einem Ein-Zimmer-Appartment der VG Kirchheimbolanden.

Monatelang warten zwei Männer auf ihre Abrechnung, dann flattert plötzlich eine Mahnung ins Haus – inklusive Strafgebühr. Was steckt hinter diesem Ärger?

Dass man für seine Wohnung, sofern sie kein Eigentum ist, Miete zahlen muss, steht für Karwan Khairi (22) und Sherzad Resho (28) außer Frage. Die beiden Iraker bewohnen seit Anfang des Jahres zusammen ein kleines Appartment der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden. Doch eine Abrechnung, in der die offene Miete samt Heizungs-, Strom- und Wasserkosten gefordert wird, haben sie für ihre Bleibe in der Neuen Allee monatelang nicht gesehen. Aber jetzt sollen sie dafür sogar Strafe zahlen.

Immer wieder habe sein Onkel Sherzad Resho, mit dem er zusammen das 25 Quadratmeter große Zimmer bewohnt, bei der Verbandsgemeinde nachgehakt, erzählt Karwan Khairi: „Und nach der Arbeit bin ich auch zum Rathaus gegangen und habe gefragt, wann die Rechnung zur Miete endlich kommt.“ Doch dort habe man die beiden Männer immer nur vertröstet: „Die kommt noch, hieß es. Oder: Die kommt morgen.“ Aber es kam nichts – bis Anfang Juli plötzlich Mahnbescheide ins Haus flatterten.

Bei wem liegt der Fehler?

In diesen Schreiben listet die Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden ausstehende Mietzahlungen von Februar bis Juni 2025 für das Ein-Zimmer-Appartment in der Neuen Allee auf – für jeden Monat 290 Euro Warmmiete pro Person. Zusätzlich verlangt die VG pro Bewohner eine Strafgebühr von 84,50 Euro für die bisher nicht gezahlte Miete.

Thomas Mayr, der den beiden Irakern seit ihrer Ankunft in Kirchheimbolanden etwas unter die Arme greift, kann diese Mahngebühr vor dem Hintergrund, dass seine Schützlinge regelmäßig auf die fehlenden Rechnungen aufmerksam machten, nicht nachvollziehen. Weil ihm das Vorgehen der VG rätselhaft erscheint, wendete er sich an DIE RHEINPFALZ. Ohnehin empfindet er die insgesamt 580 Euro Warmmiete, die die VG von den beiden jungen Männern verlangt, als recht hoch für Kirchheimbolander Verhältnisse. Zum Vergleich: In der Universitätsstadt Kaiserslautern kostet ein 25 Quadratmeter großes Ein-Zimmer-Appartment mit Küchenzeile 450 Euro Warmmiete.

Ist Miete überhaupt verhältnismäßig?

„Zwar ist die Wohnung der beiden möbiliert, es gibt eine Küchenzeile und eine Waschmaschine, aber das einzige Fenster im Appartment lässt sich nicht einmal öffnen“, beschreibt Mayr die Situation. Stattdessen verhindern Schrauben, dass das Fenster wenigstens gekippt werden kann. „Wir haben den Hausmeister schon sehr oft darauf angesprochen. Der sagte uns, das Fenster sei kaputt, müsste komplett getauscht werden“, erzählt Karwan Khairi. Passiert sei aber nichts. Um wenigstens etwas Privatsphäre zu haben, ist die Scheibe des Fensters, das in den Hof führt, abgeklebt. Doch das macht den kleinen Raum dunkel. Für etwas Tageslicht lassen Karwan Khairi und Sherzad Resho oft die Wohnungs- und Haustür offen.

„Immerhin dürfen die beiden arbeiten, wodurch sie sich ihre Unterkunft leisten können“, sagt Thomas Mayr. Karwan Khairi beginnt eine Lehre als Maurer, der 28-Jährige Sherzad Resho macht eine Ausbildung zum Koch. Andere Migranten hätten diesen Status allerdings oft noch nicht erlangt und könnten sich daher diese Kosten für eine Unterkunft wohl kaum leisten, ist Mayr überzeugt.

Antworten stehen noch aus

Die Verbandsgemeinde will sich auf Nachfrage der RHEINPFALZ ebenfalls zu den Schilderungen der beiden Iraker äußern, prüft allerdings derzeit den Sachverhalt in der entsprechenden Fachabteilung. Das teilte die Pressesprecherin der VG, Claudia Bardon, mit. Diese Prüfung erfordere etwas Zeit. Eine Stellungnahme der VG lag bis zum Redaktionsschluss noch nicht vor.

„Der Mietpreis ist für Kirchheimbolander Verhältnisse zu hoch“, findet Thomas Mayr, der den beiden Irakern hilft.
»Der Mietpreis ist für Kirchheimbolander Verhältnisse zu hoch«, findet Thomas Mayr, der den beiden Irakern hilft.
Verbarrikadiert: Das einzige Fenster in der Wohnung ist abgeklebt und lässt sich nicht öffnen.
Verbarrikadiert: Das einzige Fenster in der Wohnung ist abgeklebt und lässt sich nicht öffnen.
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