Donnersbergkreis
Meister und Aufsteiger der Saison: TTF Rockenhausen
An den Habitus des Underdogs hat man sich bei den TTF Rockenhausen längst gewöhnt. Gestartet als Kandidat der unteren Ränge, kämpfte sich das Sextett von Kapitän Daniel Heintz in die Relegation - und dort in die 2. Pfalzliga West. Erstmals seit 15 Jahren. Wieder sind die TTF krasser Außenseiter. Vielleicht ist genau das ihre Chance.
An jenem 11. Mai, dem Tag des historischen Triumphs, bot sich eine Szene, die charmant illustrierte, wie aussichtslos die Mission eigentlich war. Gegen 17.30 Uhr rollte der vollgepackte Mini-Bus auf dem Pflaster des Dahner Schulzentrums an, 87 Kilometer südlich von Rockenhausen, da schulterte Günther Rutz (53) als Erster die Sporttasche. Mit einem tiefen Seufzer, verkniffenen Lippen, aber humoriger Fasson. Rutz wusste, was sein Team erwartet, darum übte er sich kein Stück weit in Geheimniskrämerei. „Wenn man sich die Punkte von denen anschaut“, grummelte der Clanälteste der TTF auf der Hallentreppe vor sich hin, „dann ist da nix zu holen“. 2002 benannte sich der Verein um. Von ESV, altes Überbleibsel der Eisenbahner, in TTF. Unter neuem Design feierte man keinen Pfalzliga-Aufstieg mehr, nach dem Fall 2004 schlugen die TTF nie wieder auf Verbandsebene auf. Dann kam diese magische Dahner Stunde.
Nach 15 Jahren Rückkehr in die 2. Pfalzliga
Der Imsbacher Rutz war einer der wenigen, die im Vorfeld überprüft hatten, wie sicher die Rivalen der TTA Vinningen mit dem weißen Bällchen umgehen. Zu sicher für den Rockenhausener Standard, war sich Rutz sicher, die TTF sollten für den „Vize“ der Bezirksliga Westpfalz Süd eine nur niedrige Hürde sein. Als ein Spiel nach dem anderen kippte, die Nordpfälzer davonzogen, mimte Rutz auf der Tribüne das sprichwörtlich dauergrinsende Honigkuchenpferd. Nach ein paar Stunden, in denen sich der überraschende Bezirksliga-Zweite des Nordens selbst übertraf, stand ein 9:4. Und, 15 Jahre nach dem Absturz, das Comeback in der 2. Pfalzliga. „Wir haben, erstens, davon profitiert, dass woanders Top-Leute ausgefallen sind“, weiß Captain Daniel Heintz (48), „zweitens haben wir uns mit dezimierter Mannschaft gesteigert, das spricht für den Teamgeist“. Rutz analysiert den glorreichen Samstag: „Wir haben gewonnen, weil wir uns weniger in die Hose gemacht haben. Die anderen waren jung. Wenn man zu viel will, kann das schiefgehen. Da spielen die Nerven Streiche.“ Nicht nur an diesem 11. Mai waren die TTF der große, der von vielen Parteien unterschätzte Außenseiter. Ein Leitmotiv.
Die Aufstiegssaison beginnt mit einem 5:9 gegen Winnweiler
Mitte August 2018: Als die Saison mit einem donnernden 5:9 gegen die Winnweilerer Reserve beginnt, ahnt man im TTF-Lager Schlimmes. Im Abstiegskampf würde man sich, ob personeller Schieflage, finden, wenn es ganz unglücklich laufe, müsse man wieder in der Bezirksklasse ran. Nach dem Winnweiler-Patzer räumt Rockenhausen neun Siege in Serie ab – Platz zwei gibt es nicht wieder her. Eine enge Kiste reiht sich an die nächste, das Spielerproblem ist gravierend. Sieben Ersatzmänner bietet Heintz auf, Michael Nehm gehört quasi schon zum Stamm. Alles Not-Joker, allerdings mit Qualität. „Einen Hauptanteil an diesem Erfolg hat die zweite Mannschaft. Hätte die uns nicht so unterstützt und die guten Leute abgegeben, wären wir in wichtigen Spielen nicht konkurrenzfähig gewesen“, so Rutz. Selbst gegen Kellerkinder müssen die TTF immer mal wieder ins Schlussdoppel. Nerven. Doch das Kostüm bleibt reißfest. Heintz spricht von einer „entspannten Siegermentalität“. „In entscheidenden Momenten hatten wir auch die Form“, resümiert er.
Transferknüller: Lukas Bauer kehrt zurück zu den TTF
In der 2. Pfalzliga nun warten Wände aus Beton. Wenige Wochen nach dem Coup im Mai landeten die TTF, Abstiegskandidat schlechthin, immerhin einen Transferknüller: Mit Lukas Bauer, jahrelang bei der TSG Kaiserslautern, kehrte der „verlorene Sohn“ zurück an die Alsenz. Die neue Eins, einer mit astreiner Technik, Schlaggewalt – und typischer Rockenhausener Mentalität. Ohne den Wechsel, „da machen wir uns nichts vor“, betont Rutz, wäre die Pfalzliga-Frist der TTF im nächsten April abgelaufen. Die Nichtabstiegs-Chancen jetzt: „bei 40 bis 50 Prozent“, glaubt er, der 1:9-Auftakt gegen Top-Klub SV Weselberg präsentierte prompt, dass harte Arbeit vonnöten ist. „So ein fehlerloses Spiel, das hat selbst mich zur Weißglut gebracht. Ich bin nicht mehr der Jüngste. Vor ein paar Jahren hätte ich über die Aussage gelacht, aber wir müssen vorne froh sein, wenn wir ausgeglichen spielen“, weiß der Routinier, der über den „Druck der Nummer eins“ philosophiert, einfordert, man müsse „zusammenstehen“, „richtigen Biss“ aufbringen. Über Neuzugang Bauer sagt Teamführer Heintz nach versautem Auftakt: „Er ist nicht nur ein Eigengewächs, das nicht sofort wieder weg ist. Er hat auch eine super Mentalität und wird sich steigern.“
In der Zwei-Klassen-Gesellschaft 2. Pfalzliga verorten sich die TTF im Bodensatz. Als ein moralbefeuerndes „Schlüsselspiel“ kategorisiert Rutz das Derby am Samstag (19 Uhr) beim ASV Höringen, „weiter Motivation“ brauche man. Im Vorjahr war Rockenhausen der Underdog, in der Relegation noch mehr. Parallelen. Und kein neues Gefühl in der Ährenstadt, wo man sich an den Habitus des Außenseiters längst angepasst hat.