Donnersbergkreis
Mein Freund, der Stein
Christian Hinz hat ein spezielles Verhältnis zum Stein. Und so gerät der Bildhauer schon mal ins Philosophieren angesichts der zwei Sandsteinblöcke, aus denen er seinen „Friedensengel“ im Steinbruch Picard im Schweinstal herausarbeitet. „Wenn man den Block vermenschlichen würde, würde er vielleicht gar nicht auseinandergenommen werden wollen“, sagt Hinz und lächelt versonnen. Was ihm, dem Block, aber nichts genutzt hätte. Denn vor der Bearbeitung wurde er gnadenlos in jene zwei Hälften aufgesplittet, aus denen Hinz' Skulptur bestehen wird. Und bereits jetzt ist die Arbeit in ihren Grundzügen sehr gut zu erfassen.
Zentral sind die beiden Halbschalen, die „im Groben“, so Hinz, schon fertig sind. Der Wahl-Münchner bezeichnet sie als „Andockstation für Friedensengel“. Aber auch auf den Betrachter wirken sie anziehend. Man kann sich in die Ausbuchtungen schmiegen, erfährt aber auch den Gegensatz zwischen der weichen, ergonomischen Form und der harten Oberfläche des Sandsteins. In jedem Fall lädt die Skulptur zum Verweilen ein, zum Erkunden ihrer Oberflächen und Perspektiven.
Freiheit und Entgrenzung
„Betritt“ man sie von hinten und schreitet zwischen den beiden Blöcken hindurch, so weitet sich der Blickwinkel, der Horizont. Gedanken an Freiheit, Entgrenzung kommen auf. So sehr, dass man die Arme öffnen und sich in die flügelgleichen Halbschalen fallen lassen möchte, was der Künstler auch lachend demonstriert. Geht man den umgekehrten Weg, also von vorne in die Skulptur hinein, entstehen gegensätzliche Emotionen.
Diese wie auch die Deutung seines Kunstwerks überlässt der 1964 in Birkenfeld geborene Hinz aber eindeutig dem Betrachter. In jedem Fall jedoch will er mit seiner Arbeit einen Ort schaffen, an dem man sich gerne aufhält und den Stein wahrnimmt „als einen Freund, der einen beschützt“. Dass Kunst ohne Betrachter ein „einsames Ding“ ist, fügt der Bildhauer noch an. Und so hofft er, dass seine Arbeit, die im Bereich des Rodenbacher Friedhofs ihren Platz finden soll, die Menschen anspricht und sie womöglich zusammenführt, dass sie zum Treffpunkt wird.
Bis es so weit ist, hat Hinz noch genügend Arbeit vor sich. Bislang sahen seine Tage beim Symposium des Vereins Skulpturen in etwa so aus: Zwei Stunden sägte er Rippen in den Stein, um dann sechs Stunden lang das Material dazwischen mit Hammer und Meißel abzutragen. Ein Knochenjob, gerade auch angesichts des Wetters, das in der ersten Symposiumswoche alles andere als ideal war. Aber auch Hinz war findig und hat sich, wie sein Kollege Markus Sauermann gleich nebenan, einen Unterstand aus Paletten und Wellblech gebastelt, den er nun jedoch entfernen kann.
Wie selbstverständlich bewegt er dabei den Gabelstapler. Auch sein Umgang mit den anderen Gerätschaften, die bei der Arbeit am Stein und insbesondere im Steinbruch Verwendung finden, verrät, dass Hinz in dieser Umgebung zu Hause ist. Sein Atelier hat er derzeit zwar im mittelfränkischen Treuchtlingen, doch für seine Projekte arbeitet er vor Ort, eben in den Steinbrüchen der Region. Und die bieten in seiner bayerischen Wahlheimat, in der er seit 1984 wirkt, vor allem Granit, Marmor und Donaukalk. „Sandstein kommt da eher selten vor“, sagt Hinz, der dennoch mit dem Material vertraut ist. Dass es seine Tücken hat, erfuhr er trotzdem schmerzhaft am eigenen Leibe.
Visitenkarten aus Stein
Eine Narbe, die noch nicht alt ist, zieht sich über seinen Handrücken. Vor sechs Wochen hat sich Hinz den Schnitt zugezogen. Genauer: bei der Arbeit am Modell zum „Friedensengel“, das derzeit in der Pfalzgalerie-Begleitausstellung zum Symposium zu sehen ist. Die Flex sei hängengeblieben, dann aus der Hand gerutscht und habe sich in den Handrücken gefräst. Sehnen und Nerven habe sie gottlob um eine Winzigkeit verfehlt. „Die schlimmste Verletzung in meiner ganzen Bildhauerkarriere“, bekennt Hinz. Und diese Karriere ist lang und umfasst inzwischen einige bemerkenswerte Stationen.
Als Visitenkarten des Bildhauers finden sich seine Arbeiten im öffentlichen Raum natürlich zunächst einmal in München. Vor dem dortigen Patentamt, aber auch vor einer Berufsschule, einem Ärztehaus und temporär vor dem Kulturzentrum am Gasteig und auf der Ausstellung Sendegebiet 155 in der Landsberger Straße sind beziehungsweise waren seine Skulpturen zu sehen. Aber auch bis nach Japan haben sie es geschafft, nach Sasebo, Naguri und Oshima. Dass sich auch in seiner rheinland-pfälzischen Heimatstadt „ein Hinz“ findet, versteht sich.
Vom unbedingten Wollen
Seine bildhauerische Karriere spricht daneben vom unbedingten Wollen des Künstlers: Was bereits zu Schulzeiten mit der Teilnahme an einem Laiensymposium begann, führte dann zu einem zweijährigen und mit 250 Mark pro Monat recht sparsam vergüteten Praktikum, bei dem er nach sechs Stunden Arbeit im laufenden Betrieb abends noch zwei Stunden für sich arbeiten durfte. Immerhin entstand dabei eine Bewerbungsmappe, die ihm die Türen zu renommierten Kunsthochschulen der Republik öffnete.
Seine Wahl fiel auf jene in München. Dass Hinz danach seinen Weg erfolgreich beschritt, beweisen neben Einladungen zu Symposien diverse Stipendien und Preise, darunter der Förderpreis zum Kunstpreis Rheinland-Pfalz.
Doch nicht nur darüber ist der Künstler verbunden mit seiner alten Heimat. Immerhin wohnen auch noch Teile seiner Familie in Birkenfeld. Wie wichtig Verbindungen sein können, zeigt ganz konkret auch sein im Entstehen begriffener „Friedensengel“. Einmal wirkt er natürlich über seine Botschaft in diesem Sinne – also verbindend.
Daneben erinnern die Linien, die Hinz in den kommenden Tagen in die Außenseiten der beiden Steine hineinarbeiten will, an Seile, an Verbindungslinien, die die beiden Skulpturenhälften zusammenhalten. Ihnen nachzuspüren, ist vermutlich auch schon bei der Symposiumshalbzeit möglich, die morgen als Werkschau im Steinbruch angesetzt ist.
Info
Samstag, 26. August, ab 15 Uhr, Finissage: Präsentation der fertiggestellten Skulpturen mit den Künstlern und Persönlichkeiten aus Rheinland-Pfalz im Steinbruch Picard im Schweinstal.