Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Medizintechnik-Dienstleister Hermed bleibt in Kirchheimbolanden

Freuen sich über den Verbleib der Firma Hermed in Kirchheimbolanden (von links): Otto Möller, Geschäftsführer Mirco Möller und G
Freuen sich über den Verbleib der Firma Hermed in Kirchheimbolanden (von links): Otto Möller, Geschäftsführer Mirco Möller und Georg Mayr.

Mit einem Umzug nach Alzey liebäugelt das Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen für Medizintechnik Hermed nicht mehr. Am 20. Mai wird in Kirchheimbolanden der Grundstein für den neuen Firmensitz gelegt und zudem das 40-jährige Jubiläum gefeiert.

Über 100 Krankenhäuser in Deutschland mit zusammen mehr als 40.000 Betten, darunter auch die in den Nachbarstädten Alzey, Bad Kreuznach und Grünstadt, werden von den mehr als 200 Hermed-Beschäftigten betreut – 160 davon sind Medizintechniker. Sie tragen Verantwortung für ein Medizintechnik-Anlagevermögen von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro.

Damit gehört das Unternehmen, das im Industriegebiet in der Robert-Bosch-Straße angesiedelt ist, zu den Marktführern in Deutschland, hat aber seit 2008 auch international stetig an Stärke gewonnen. Zum Beispiel wurde ein in Florenz ansässiger und mittlerweile größter Medizintechnik-Dienstleister in Italien übernommen. Neugründungen in der Schweiz, Spanien und Kroatien schlossen sich an, ebenso der Erwerb eines Unternehmens in Großbritannien.

Orientierung am Krankenhaus

Geschäftsführer Mirco Möller beschreibt infolgedessen im Jubiläumsjahr die Zukunft der Firma als „sehr rosig“. Zum einen natürlich, weil keine Klinik und keine Arztpraxis auf Medizintechnik verzichten kann, zum anderen, weil diese für die Diagnose und Behandlung immer wichtiger und zugleich immer ausgefeilter wird. Weil das Gesundheitswesen selbst unter chronischem Spar-Diktat leidet, die hochkomplizierte Medizintechnik meist beträchtliche Folgekosten verursacht, seit neuestem auch Energiekosten weit höher zu kalkulieren sind und die Nachhaltigkeit der Technik noch stärker ins Blickfeld gerät, sieht Möller neben der reinen Instandhaltung der Geräte eine kompetente Beratung mehr denn je als unverzichtbar an.

Damit sich die Krankenhäuser ganz auf die Behandlung und Pflege ihrer Patienten konzentrieren können, bietet Hermed ihnen oft Komplettlösungen für die Medizintechnik an: von einer kurzen Bestandsaufnahme über Instandhaltung und Prüfungen bis hin zu strategischen Konzepten bei Neu- und Ersatzbeschaffungen. Weil Hermed selbst keine Medizintechnik verkaufe und herstellerunabhängig arbeite, wie Möller sagt, könne sich das Unternehmen ganz am jeweiligen Bedarf eines Krankenhauses orientieren. Dank großer Volumen könne man Einkaufsvorteile gegenüber einem einzelnen Krankenhaus in die Waagschale werfen und zudem für die Reparatur und Wartung Budget-Sicherheit garantieren.

Temamed als verlängerte Werkbank

Als nicht zu unterschätzenden Vorteil nennt Mirco Möller den rechtssicheren Betrieb der installierten Technik durch die Experten seines Unternehmens. Denn gerade kleine Häuser seien damit schnell überfordert. Da an Medizintechnik Leben und Wohlergehen von Menschen hängen, schreibt der Gesetzgeber regelmäßige Prüfung, lückenlose Dokumentation und eine fachkompetente Instandsetzung vor.

Mit der 2004 gegründeten Temamed wurden auch der Reparaturbereich und Serviceleistungen für Gerätehersteller ins Visier genommen. „Temamed ist die verlängerte Werkbank der Hermed“, hatte sie Mirco Möllers Vater Otto Möller, der bis heute der Geschäftsführung angehört, einmal beschrieben. Die Zentralwerkstatt der Temamed sitzt mit im Firmengebäude und führt auch Reparaturen für die Hermed-Projekte beispielsweise im Bereich Infusionstechnik oder Monitoring aus.

Standort in Kirchheimbolanden gehalten

Die Instandhaltung von Medizintechnik ist eine sensible Dienstleistung, die außer Fachkompetenz auch ein sauberes Umfeld braucht. Mit der Ansiedlung eines Müll-Recycling-Unternehmens in direkter Nachbarschaft einschließlich starkem Lkw-Verkehr taten sich für Hermed schon vor etlichen Jahren Probleme auf. Die Suche nach einem anderen Standort nahm ihren Lauf – und dazu gehörte der Blick nach Alzey ...

Aber letztlich konnten die Weichen doch für einen Verbleib in Kirchheimbolanden gestellt werden. Stadtbürgermeister Marc Muchow, lobt Mirco Möller dessen Unterstützung, sei es wichtig gewesen, den Standort zu halten. Immerhin leiste das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 70 Millionen Euro auch einen sehr soliden Beitrag zur städtischen Gewerbesteuer. In der Marnheimer Straße, wo gerade eine Gebäudezeile linkerhand des Jysk-Marktes niedergelegt wird, bauen Privatinvestoren bedarfsgerecht ein neues Bürogebäude mit 2200 Quadratmetern, das Hermed als Mieter im Jahr 2024 beziehen will.

Fachkräfte gesucht

Zum Spatenstich am Nachmittag des 20. Mai werden sich dort alle Mitarbeiter und einige Polit-Prominenz versammeln. Danach wird in der Stadthalle das Firmen-Jubiläum gefeiert. Man würde das gern mit einer noch größeren Anzahl an Mitarbeitern tun, doch der Fachkräfte-Markt ist leergefegt, beklagt Möller.

Im kaufmännischen Bereich, wo ebenfalls noch Mitarbeiter benötigt werden, könne man allerdings mit eigener Ausbildung gegensteuern. Händeringend gesucht für die nächsten 40 Jahre Erfolgsgeschichte von Hermed werden aber staatlich geprüfte Medizintechniker sowie Diplom-Ingenieure.

Zur Sache: 40 Jahre Hermed

1982: Gründung der Firma Hermed in Herdecke in Verbindung mit dem dortigen Krankenhaus.

1987: Otto Möller tritt als Geschäftsführer ein und baut den Unternehmensbereich Technisches Gerätemanagement (TGM) auf. Hermed wird – mit Ausnahme von Berlin – bundesweit erster Anbieter von Budgetverträgen.

1996: Der Bereich TGM wird ein Tochterunternehmen des deutschen Marktführers Dräger mit Firmensitz im Kirchheimbolander Industriegebiet, dem „Dräger-Haus“.

2001: Neustart der TGM unter dem alten Namen Hermed.

2004: Gründung der Temamed als Dienstleistungsunternehmen; Mirco Möller wird Geschäftsführer.

2008: Die österreichische „Vamed“, (Haupteigner: Fresenius-Konzern) übernimmt Hermed und zwei Jahre später auch Temamed, die nun zum Servicezentrum ausgebaut wird.

Ab 2012: Hermed erwirbt Unternehmen, gründet eigene Standorte in mehreren europäischen Ländern.

2022: Zum 40. Jubiläum Spatenstich für ein neues Bürogebäude in der Marnheimer Straße. bti

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