Donnersbergkreis Mediziner wollen Versorgung der Region sichern

Im Medizinischen Versorgungszentrum Donnersberg in Rockenhausen werden Dr. Barbara Klein und ihr Kollege Dr. Ronny Peters künfti
Im Medizinischen Versorgungszentrum Donnersberg in Rockenhausen werden Dr. Barbara Klein und ihr Kollege Dr. Ronny Peters künftig von der Handchirurgin Dr. Claudia Gondeck unterstützt.

Interview: Im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Donnersberg in Rockenhausen wollen Mediziner aus den Bereichen Chirurgie und Orthopädie die Versorgung der Region zukunftssicher machen. Eine Zwischenbilanz von Dr. Michael Schmid, Dr. Oliver Dörr und Elmar Koeller.

Seit Mai ist das MVZ Donnersberg in Rockenhausen erweitert worden. Dr. Claudia Gondeck verstärkt als Unfallchirurgin und Orthopädin mit der Spezialisierung auf die Handchirurgie den Standort. Jutta Glaser-Heuser fragte bei den beiden Leitern des MVZ, Dr. Michael Schmid und Dr. Oliver Dörr, sowie dem Gesundheitsökonomen Elmar Koeller nach, wie es am MVZ Donnersberg läuft und welchen Stellenwert diese medizinische Versorgungsform in Zukunft für den Kreis haben könnte. Dr. Schmidt, Sie haben das MVZ Donnersberg vor zwei Jahren gegründet? Was war damals das Ziel? Schmid: Hintergrund war, dass ein halber chirurgischer Arztsitz im Kreis nicht besetzt war. Da mir natürlich daran gelegen war, dass der nicht verloren geht und Patienten in Nachbarkreise abwandern, habe ich mich darauf beworben. Mir ging es in erster Linie darum, dass wir als Krankenhaus auch die Menschen vor Ort als Patienten behalten. Ich war dann als Chefarzt am Klinikum und als Kassenarzt tätig. Erst nach und nach entstand die Idee, mit der Praxis Klein/Peters in Rockenhausen diese Partnerschaft einzugehen. Als der Orthopäde Dr. Sitz dann aufgehört hat, haben wir den Versorgungsauftrag für Orthopädie in das MVZ integriert. Dort ist jetzt Dr. Dörr als Leiter eingesetzt. Ein weiterer Standort ist hier am Klinikum. Unser vorrangiges Ziel ist es, die lokale Versorgung im chirurgischen und orthopädischen Bereich langfristig zu sichern. Mit wie vielen Ärzten betreuen Sie dabei welche Schwerpunkte? Schmid: Wir alle sind Chirurgen mit unterschiedlichen Zusatzschwerpunkten, wie eben der Handchirurgie im Falle von Dr. Gondeck oder in meinem Fall der Viszeralchirurgie, also im weitesten Sinne der Chirurgie der Eingeweide. Auch Chefarzt Dr. Horst Fleck ist dabei als Spezialist für die Gelenke. Insgesamt gibt es hier 50 Mitarbeiter, davon zehn Ärzte. Die Patienten werden an drei Standorten behandelt. Herr Koeller, was ist der entscheidende Unterschied zu einer Praxis, wie wir sie bisher kannten? Koeller: Wenn ein Arzt sich in einer Einzelpraxis niederlässt, wie das lange Zeit üblich war, dann macht er das aus einem persönlichen Antrieb. Es ist sein Lebensmodell, das er da gestaltet. Im MVZ dagegen stellt man sich zunächst eine gemeinsame Versorgungsaufgabe, und das soll dauerhaft die Versorgung einer bestimmten Region übernehmen. Auch wenn Einzelne ausscheiden, bleibt das Gesamtkonstrukt bestehen. Und was ist gegen die Einzelpraxis zu sagen? Koeller: Man muss sich vor Augen halten, dass ein Arzt in einer Einzelpraxis alle Unterschwerpunkte selbst erbringen muss. Gleichzeitig differenzieren sich die Fachgebiete immer stärker. Nehmen wir gerade mal den Bereich Chirurgie. Einfach nur „Chirurg“, das ist heute fast nicht mehr möglich. Es wird unterschieden in Unfallchirurg, Viszeralchirurg, orthopädischer Chirurg, plastischer Chirurg, Handchirurg und mehr. Schmid: Im stationären Bereich ist dieser Schritt zur Spezialisierung hier im Donnersbergkreis bereits vollzogen. Wir haben die Viszeralchirurgie mit der Adipositaschirurgie, Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie. Dr. Fleck beispielsweise operiert mehr als 700 Schultern im Jahr. Und es wurde gerade ein Endometriosezentrum zertifiziert, wo wir mit den Gynäkologen zusammenarbeiten, das sind bereits hochspezialisierte Bereiche. Aber auch im ambulanten Bereich ist dieser Trend nicht aufzuhalten und wichtig. Und bringt diese Spezialisierung auch Vorteile für den Patienten? Schmid: Unbedingt. Gerade bei den Darmkrebsoperationen lässt sich deutlich anhand von Zahlen aufzeigen, dass Patienten, die in spezialisierten Zentren operiert wurden, höhere Überlebenschancen haben. Auch bei der Handchirurgie gilt: Ein Operateur, der viel Erfahrung hat, macht weniger Fehler, und die Risiken für die Patienten sinken. Koeller: Hinzu kommt: In einem Medizinischen Versorgungszentrum können hochspezialisierte Ärzte sich gegenseitig ergänzen. Würden sich diese Spezialisten in Einzelpraxen an einem Standort ansiedeln, hätten sie schlicht nicht genug Patienten. Wenn sich also zehn Chirurgen, wie in diesem MVZ, mit unterschiedlichen Fachgebieten und flexibler Arbeitszeitgestaltung zusammenschließen, dann ist das eindeutig eine Versorgungsverbesserung für unsere Region. Zudem werden durch die gemeinsamen Dokumentationen die Wege für den Patienten kürzer und er wird stärker durch die Behandlung geführt, was ja gerade auch bei der immer älter werden Bevölkerung ein wichtiger Punkt ist. Die Grundidee beim MVZ ist also: das Angebot breiter und das Konstrukt stabiler machen. Dörr: Ein Beispiel aus Patientensicht: Eine ältere Frau musste bei uns vor kurzem an einem Leistenbruch operiert werden. Anhand der Voruntersuchungen bestand aber der Verdacht, dass es noch andere Ursachen für ihre Beschwerden geben könnte. Wir haben sie dann kurzfristig beim Orthopäden vorgestellt, der noch am gleichen Tag eine starke Arthrose aufzeigte. Im Falle der Einzelpraxen wäre diese Patientin zu einem anderen Facharzt überwiesen worden, was wahrscheinlich etliche Woche gedauert hätte. Aber dieses Hand-in-Hand-Arbeiten ist ja gerade der große Vorteil im stationären Bereich. Koeller: Ja, aber die Medizin geht bereits seit vielen Jahren zu einer Stärkung des ambulanten Bereichs. Viele Leistungsbereiche sind aus dem stationären in den ambulanten Bereich übergegangen. Und dieser Trend wird weiter gehen. Schmid: Wer früher eine Darmkrebs-OP hatte, musste anschließend wochenlang im Krankenhaus bleiben. Durch die Verzahnung des ambulanten mit dem stationären Bereich kann der Behandlungsablauf heute so optimiert werden, dass die stationäre Behandlung auf die notwendige Zeit verkürzt werden kann. Die neuen OP-Verfahren sind wesentlich schonender und verkürzen die Liegezeit im Krankenhaus zusätzlich. Aber ist das tatsächlich gut für die Patienten? Schmid: Man weiß, dass die Patienten sich in ihrer häuslichen Umgebung schneller erholen. Wie ist es dann aber mit der Nachsorge? Wenn ein frisch operierter Patient Probleme bekommt? Schmid: Auch dann hat das MVZ Vorteile gegenüber einer Einzelpraxis. Im MVZ ist beispielsweise eine 12- oder 14-Stunden Erreichbarkeit denkbar. Das kann ein Einzelkämpfer ja auch Dauer nicht leisten. Wer legt denn fest, welche Schwerpunkte in einem MVZ angeboten werden? Koeller: Die Bedarfsplanung mit dem Umfang der Vertragsarztsitze ist bei der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen angesiedelt. Die einzelnen Schwerpunkt innerhalb der Fachgebiete muss das MVZ durch sorgfältige Auswahl der entsprechend qualifizierten Ärzte erreichen. Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung überprüft, ob eine Zusammenarbeit überhaupt möglich ist, es muss Überschneidung beim Behandlungsauftrag geben. Wäre auch ein MVZ mit dem Schwerpunkt innere Medizin im Westkreis denkbar? Viele befürchten ja, dass ein MVZ kommen soll, als „schlechter Ersatz“ für die Abteilung am Krankenhaus. Koeller: Dass ambulant schlechter ist als stationär, kann man nach meiner Meinung so nicht stehen lassen. Wie die Versorgung im Bereich innere Medizin aussehen soll, muss geprüft werden. Sicher ist jedenfalls, in einem Gebiet wie dem um Rockenhausen muss es ein Angebot der inneren Medizin geben. Kann ein MVZ den Übergang von stationär zu ambulant verbessern? Dörr: Das geschieht bereits. Manche Ärzte, die hier im Klinikum operieren, sind auch im MVZ tätig. Das ist ein großer Vorteil für Patienten. Sie werden bereits im Vorfeld von Ärzten gesehen, die sie später operieren und nachbehandeln. Der Patient selbst muss nicht dafür sorgen, dass Informationen von einem Arzt zum anderen kommen, das läuft automatisch. Und für mich als Operateur ist es auch gut, den gesamten Behandlungsablauf zu verfolgen. Schmid: Auch in meinem Gebiet, der Behandlung von Darmkrebs, spielt das eine große Rolle. Wenn ich einen Darmkrebs-Patienten operiere, dann ist die Nachsorge ganz wichtig. Wenn ich selbst ihn dann wieder in den ambulanten Bereich übernehme, dann ist das nach meiner Auffassung die optimale Versorgung. Ich weiß, was wir operiert haben und kann einschätzen, was der Patient in der Nachsorge braucht. Wer ist der Träger eines MVZ? Koeller: Träger kann ein Vertragsarzt sein, ein Krankenhaus oder auch eine Kommune. Für Kommunen gibt es da einige Hürden zu nehmen, aber es ist denkbar und auch schon umgesetzt worden. Und was ist mit der freien Arztwahl? Müssen die Patienten des MVZ ständig neue Ärzte sehen? Dörr: Nein, auch hier kann der Patient natürlich „seinen“ Arzt wählen. Wenn der aber mal in Urlaub ist, oder gerade OP-Tag hat und der Patient kommt mit einem dringenden Anliegen, dann können die Kollegen ohne großen Aufwand auf die Patientenakte zugreifen und die Behandlung weiterführen. Es gibt dann also keine Reibungsverluste. Ist das MVZ also die Versorgungsweise der Zukunft? Koeller: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Nach meiner Meinung ist das Wichtigste, dass man genau hinschaut, was gebraucht wird. Ein Hausarzt-MVZ beispielsweise funktioniert ja völlig anders als das chirurgische MVZ. Und das MVZ-Modell muss sowohl von Patienten als auch von Ärzten akzeptiert werden. Im MVZ müssen sich die Ärzte viel mehr absprechen. Gleichzeitig teilen sie auch ihr unternehmerisches Risiko, und es gibt mehr Freiraum, was die Arbeitszeitgestaltung betrifft. Das muss man abwägen. Wenn es aber richtig geplant wird und sowohl der Bedarf als auch die Struktur der Region berücksichtig wird, kann ein MVZ auf jeden Fall eine Möglichkeit sein, um die medizinische Versorgung einer Region zukunftssicher zu machen.

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