Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel Marie-Christin Stark und ihre besondere Pferdeshowgruppe

Marie-Christin Stark hat mit ihren Pferden eine ganz besondere Beziehung. Die schwarze Shetland-Stute Fran Fine ließ sich anfang
Marie-Christin Stark hat mit ihren Pferden eine ganz besondere Beziehung. Die schwarze Shetland-Stute Fran Fine ließ sich anfangs nicht anfassen, heute ist sie fester Bestandteil der Pferdeshowgruppe »Pezunas Felices«.

Mit ihrer Pferdeshowgruppe „Pezunas Felices“ ist Marie-Christin Stark mittlerweile in ganz Deutschland unterwegs. Die Besonderheit: Ihre Pferde kommen zu ihr als Problemfälle, die sie wieder zurück ins Leben holte. Heute sind sie nicht nur treue Kollegen im Showgeschäft, sondern auch Freunde fürs Leben.

Den ersten Pferde-Showauftritt hatte Marie-Christin Stark bereits vor zwölf Jahren. Seitdem ging es für ihre Showgruppe „Pezunas Felices“ (aus dem Spanischen „Glückliche Hufe“) hoch hinaus. Ob auf der „Pferd International“ in München – dem größten Pferdefestival in Süddeutschland –, dem Pfingstturnier in Wiesbaden oder der Kaltblutschau in Heppenheim: Mit ihren behuften Lieblingen ist Stark viel unterwegs – auch auf privaten Veranstaltungen. Neben Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Events bietet Stark Fotoshootings und Verladetraining an. Ihre Pferde sind dabei stets die Hauptdarsteller: Auf Hochzeiten treten beispielsweise ihre beiden Shetland-Ponys in Brautkleid und Anzug auf und stellen unter anderem eine Ringübergabe nach.

Mit 19 Jahren begann Marie-Christin Stark neben ihrem Studium, mit ihren Pferden selbstständig zu werden. An Erfahrung mangelte es nicht, denn Kontakt zu Pferden hatte sie durch ihre Mutter schon seit ihrer frühen Kindheit. „Wir sind schon immer geritten. Ich hatte mit 14 Jahren schon mein erstes eigenes Pferd“, berichtet sie. Als sie 17 Jahre alt war, riss sie ein Verkehrsunfall aus dem Leben. Ob sie je wieder laufen können würde, war lange Zeit nicht klar. Was ihr geholfen hat? „Das hört sich jetzt seltsam an, aber durch die Pferde bin ich wieder gesund geworden.“

Vom Schlachthof zum Vorzeigepferd

Der Schicksalsschlag öffnete Stark eine wichtige Tür, denn sie lernte, ihren Pferden Tricks beizubringen. Angefangen habe es mit kleineren Dingen wie Hinlegen. „Man muss ja irgendwie aufsteigen, wenn man nicht laufen kann“, sagt Stark lächelnd. Bald wurde ihr klar, dass sie ihre Ausbildung zur Automobilkauffrau abbrechen und sich ausschließlich auf die Arbeit mit Pferden konzentrieren wollte. Stark begann, Pferdeverhaltenstherapie zu studieren, und ist heute unter anderem als Reitpädagogin tätig. Neben dem Engagement für ihre Showgruppe arbeitet sie zusätzlich als Integrationskraft an einer Grundschule.

Fasziniert ist Stark besonders vom Feingefühl ihrer Lieblingstiere. „Ein Pferd spiegelt dich eins zu eins wider. Bin ich schlecht drauf, spürt das mein Pferd sofort. Wenn ich traurig bin, kommt es zu mir.“ Mit ihrem Lieblingspferd Hidalgo fing alles an. Ursprünglich wollte Stark ein Shetland-Pony kaufen, doch ihre Pläne wurden über Bord geworfen, als sie Hidalgo auf einem Schlachthof sah und sich sofort in ihn verliebte. Kurzerhand beschloss sie, sich seiner anzunehmen – trotz Hidalgos desolaten Zustands: „Er war hochaggressiv, man hat mir gesagt, er greift Menschen an. Auch medizinisch hat da vieles nicht gestimmt, sein Blutbild war schlecht, Hufe und Zähne waren nicht gemacht … eine absolute Vollkatastrophe.“

„Die richtige Entscheidung“

Der Weg zum Erfolg war steinig. Während sie versuchte, Hidalgo wieder ans Reiten zu gewöhnen, hatte Stark mehrere Reitunfälle, wurde davor gewarnt, weiter mit Hidalgo zu arbeiten. Doch sie gab nicht auf. „Ich bin dann komplett weg vom Reiten und habe gedacht, ich mache das jetzt einfach auf meine Art. Mit viel Freiarbeit und Kommunikation auf seiner Ebene.“ Heute beherrscht Hidalgo alle Grand-Prix-Dressurlektionen und kann vor großem Publikum steigen und liegen. Ihre Entscheidung, Hidalgo in seinem damaligen Zustand zu kaufen, bezeichnet Stark selbst als „völlig bekloppt“, doch heute weiß sie: „Es war die richtige Entscheidung. Er ist mein bestes Pferd. Es sollte einfach so sein.“

Seit dem Erfolg mit Hidalgo hat sich Marie-Christin Stark noch einigen anderen Problempferden angenommen. Die schwarze Shetland-Stute Fran Fine ließ sich anfangs nicht anfassen. Mittlerweile wird sie sogar von Starks Tochter frei geritten. Auch ihre zwei Schimmel wurden als unreitbar verkauft, beide hatten Hufrehe, eine Entzündung der Huflederhaut. Stark pflegte sie mit besonderem Training, Futterumstellung und Medikamenten. Nun können sie wieder geritten werden und treten mit „Pezunas Felices“ in Shows auf.

Vertrauen als Trainingsbasis

Auch die anderen Pferde stellen regelmäßig ihre Treue und ihr Vertrauen unter Beweis. „Mehr Vertrauen kann dir ein Pferd nicht entgegenbringen, wenn es sich vor tausenden Menschen hinlegt“, schwärmt Stark. „Es ist ein Fluchttier, das heißt, es ist ausgeliefert.“ Vertrauen ist die Basis jeglichen Trainings, das Stark mit ihren Pferden absolviert: „Wenn das Pferd einem vertrauen kann und sich auf einen verlassen kann, dann klappt das auch“, lautet ihr Ratschlag.

Für die Zukunft wünscht sich Marie-Christin Stark, dass sie mit „Pezunas Felices“ noch viele Auftritte erleben darf – gerade jetzt, da die Pandemie vorbei ist. Außerdem würde sie sich freuen, ihr Wissen und ihre Erfahrung mit anderen zu teilen. „Ich fände es schön, wenn das, was wir hier machen, ein bisschen bekannter werden würde. Auch als Vorbild für andere. Dass man mit dem Pferd eben nicht gleich zum Schlachter fährt.“ Lachend fügt sie hinzu: „Lieber mich anrufen. Ich kann helfen.“

Info

Kontakt zu „Pezunas Felices“ gibt es direkt bei Marie-Christin Stark unter der Telefonnummer 0176 41449868 sowie auf Facebook unter ShowteamPezunasFelices und auf Instagram und TikTok unter @pezunasfelices.

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