Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Lohnsfeld: Nach Brand fällt Weihnachtsgeschäft für Bäckerei Pulvermühle aus

Völlig verkohlt: der Inhalt des Ofens nach dem Brand.
Völlig verkohlt: der Inhalt des Ofens nach dem Brand. Foto: J. Hoffmann

Der Schock sitzt tief: Monatelang hatten Bäckermeister Michael Hörhammer und seine Lebensgefährtin Angela Böhmer für die Neueröffnung ihres Ladengeschäfts auf der Lohnsfelder Pulvermühle geschuftet. Nach einigen Rückschlägen war es Anfang Oktober endlich so weit. Doch ein Brand in der Backstube hat den Betrieb kurz vor Weihnachten lahmgelegt. Wie geht’s weiter?

Randvoll ist der Container, der im Innenhof der Traditionsbäckerei aufgestellt wurde: Hier werden all die Dinge entsorgt, die von dem Brand am Sonntag vor einer Woche in Mitleidenschaft gezogen wurden. Daneben liegt ein Haufen mit grotesk verbogenen Backblechen. Ihre Form lässt die gewaltige Hitze nur erahnen, die vor wenigen Tagen unkontrolliert in der Bäckerei gewütet haben muss. Selbst an der frischen Luft steigt einem immer noch ein verkohlter Geruch in die Nase. Im Inneren der Backstube offenbart sich das weitere Ausmaß der Schäden: An den Wandfliesen kleben Reste des Gemischs aus Löschwasser und Ruß. Der etwa fünf Jahre alte Ofen ist völlig zerstört, zu nichts mehr zu gebrauchen. Auch die Decke hat etwas abbekommen. Immerhin: Verletzt wurde bei dem Brand niemand.

Brandursache bislang unklar

Den Grund für das Unglück kennt Michael Hörhammer, der die Bäckerei im vorigen Jahr zusammen mit seiner Lebensgefährtin von seinen Eltern übernommen hatte, noch nicht. „Am Sonntag um 7.52 Uhr ging mein Piepser los. Bis dahin hatte ich nur die Information ,Zimmerbrand in Lohnsfeld’, berichtet Hörhammer, der als freiwilliger Feuerwehrmann im Bereitschaftsdienst noch nicht ahnte, dass die Meldung seine berufliche Existenz betreffen könnte. Erst als nach und nach genauere Informationen zum Einsatzort durchdrangen, wurde ihm bewusst, dass es sich um seine Bäckerei handelte.

Insgesamt drei Feuerwehren aus Winnweiler, Lohnsfeld und Wartenberg waren im Einsatz. „Die Winnweilerer haben gut reagiert und sehr bedacht mit wenig Wasser gelöscht, um den Schaden möglichst gering zu halten“, so Hörhammer. Dank Rauchschutzvorhängen und der eingeleiteten Druckbelüftung, womit der Rauch aus dem Gebäude gezogen worden ist, konnten größere Schäden im neuen Ladengeschäft und den Sozialräumen verhindert werden. Zumindest ein kleiner Trost.

Am folgenden Tag habe sich dann aber gezeigt, „dass es in der Backstube doch schlimmer ist, als am Anfang gedacht. Mit Fliesen wischen, Decke streichen und einem neuen Ofen ist es nicht getan.“ Schließlich müsse die Decke über dem Backofenstandort aufgrund der enormen Hitzeeinwirkungen ausgetauscht werden. Neben Unmengen von Rohstoffen, die der Rauch unbrauchbar gemacht hat, sind auch die Bänder in den noch funktionsfähigen Maschinen kontaminiert worden. „Vor Weihnachten können wir definitiv nichts mehr produzieren“, ist sich der 39-jährige Bäckermeister über das Ausmaß mittlerweile bewusst. Und er ergänzt: „Standardmäßig hat die Lebensmittelkontrolle die Produktion eingestellt.“

Erst nachdem eine Spezialfirma die Räumlichkeiten und alle Maschinen gereinigt habe, sei aus lebensmitteltechnischer Sicht die hygienische Produktion wieder möglich. „Wir haben sogar Plastikbehälter entsorgt, die im Raum standen, damit nichts auf die nächsten Produkte übergeht. Die Kunden sollen wissen, dass es uns wichtig ist, dass die neu produzierten Lebensmittel wieder einwandfrei sein werden und keine Nachteile für sie entstehen“, betont Hörhammer.

Alle Plätzchen sind hinüber

Anders als vom SWR berichtet, schätzen er und seine Partnerin allein den Sachschaden auf etwa 120.000 bis 130.000 Euro. Besonders schmerzt es den leidenschaftlichen Bäcker und seine Mitarbeiter, die in liebevoller Handarbeit vorbereiteten Weihnachtsplätzchen wegwerfen zu müssen. Da sie aufgrund der Umstände weder die vorhandene Ware verkaufen noch Bestellungen ihrer Kunden für die Festtage erledigen können, fällt das Weihnachtsgeschäft und damit die umsatzreichsten Wochen des Jahres für die Traditionsbäckerei aus.

Auch den Wochenmarkt in Kaiserslautern können sie mit ihren mobilen Verkaufswagen nicht bedienen. „Das sind Schäden, die man nicht beziffern kann“, ergänzt die gelernte Bürokauffrau sowie hauswirtschaftliche Betriebsleiterin sichtlich mitgenommen von den letzten Tagen.

„Trotz allem ist es uns in dieser schweren Zeit sehr wichtig, die Ängste unserer Mitarbeiter abzuwenden.“ Deshalb führe man viele Gespräche. Die Löhne der Mitarbeiter seien dank einer Versicherung für die Zeit des Produktionsausfalls abgedeckt. Dennoch wolle keiner aus dem Team nach dem tragischen Vorfall zu Hause bleiben, zeigt sich Hörhammer vom Engagement berührt: „Sie sind da und wollen arbeiten. Leider müssen wir sie momentan noch bremsen. Bis die Versicherung uns Rückmeldung gibt, können wir nur aufräumen und Kleinteile reinigen.“

Jeder tut, was er kann

Obwohl die Verzweiflung und die Frage, wie das alles zu stemmen ist, in den letzten Tagen ständig präsent gewesen sei, halte das Team an der Hoffnung fest, durch ihre frühzeitige Organisation möglicherweise bis Mitte oder Ende Januar wieder für die Kunden da sein zu können. Bis dahin tue jeder, was er könne. Nicht nur sei die Versicherung schnell vor Ort gewesen, habe sie gut informiert und gebe nun „richtig Gas, damit es hoffentlich bald wieder weitergehen kann“. Auch das bedachte Eingreifen der Feuerwehren und das Angebot der Kameraden, bei der Reinigung zu helfen, wissen Hörhammer und Böhmer sehr zu schätzen.

Am Montag nach dem Unglück habe sogar ein Backofen-Vertreter vor der Tür gestanden und von dem Vorschlag eines anderen Bäckers aus der Region berichtet: Als dieser gehört habe, was passiert ist, habe er angeboten, dass Hörhammer seinen Ofen bekommen könne. Er hingegen wolle noch einige Wochen auf einen neuen Ofen warten. „Auch Kunden haben angerufen und unterstützen uns moralisch“, ist Böhmer von der großen Anteilnahme überwältigt, „Wir haben wirklich eine tolle Kundenbindung im positiv menschlichen Sinne. Wir sind unglaublich dankbar für die große Hilfsbereitschaft aus allen Richtungen.“

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