Donnersbergkreis Lodernde Flammen, glühende Farben

Winnweiler brannte. Natürlich nicht lichterloh, aber es war ein Tanz mit dem Feuer, denn leuchtende Flammen loderten überall. Die örtliche Werbegemeinschaft hatte am Freitag zum achten Mal ihr Fest „Feuer im Gemäuer“ ausgerichtet, und das alles umspannende Thema war dieses Mal der Orient. Feuer-spucker, Fakire, Couscous und sogar Kamele: Etwa 5000 Besucher konnten mitten in der Nordpfalz einen Hauch von Morgenland schnuppern. Mittlerweile ist die Veranstaltung ein Flaggschiff der Gemeinde.
Die Hitzewelle kommt von hinten. Aus dem Nichts, urplötzlich, wusch! In einem drückenden Schwall, dass sich die Nackenhaare sträuben, man erschrocken die Schultern hochzieht. Dreht man sich um, klebt der Blick an einem Mann, den die Hitze – im Wortsinn – kalt lässt. Keine einzige Schweißperle rinnt ihm von der Stirn, entspannt steht er auf der Bühne. Dunkler Teint, womöglich ein Araber, pechschwarze, nach hinten gelegte Haare, viel goldener Seidenstoff. Orientalisch eben. „Wow! Der ist echt super. Ich frag mich aber, ob ihm das nicht wehtut“, rätselt eine Zuschauerin, baff staunend. Der Feuerspucker spielt mit den Flammen. Triumphierend reckt er zwei Fackeln in den Winnweilerer Nachthimmel – ehe er die eine Flamme ungerührt schluckt. Er schiebt den brennenden Stab in den Rachen. Tiefer, tiefer, bis er erlischt. Der Künstler grinst nur schelmisch. Mit einem großen Schluck Feuerwasser spült er nach, speit es wieder aus, die meterhohen Flammen erleuchten den ganzen Platz. Ein Raunen geht durchs Publikum, Applaus. Der Feuer-Profi ist einer von vielen Glanzpunkten im Programm von „Feuer im Gemäuer“. Natürlich passt er, gerade an diesem Freitag, ins Bild. Klar, wegen des Feuers, das sich als Leitfaden durch ganz Winnweiler zieht. Aber auch wegen seines prunkvoll-morgenländischen Aufzugs. „Orient“, lautet das diesjährige Motto. „Es geht ja nicht immer nur um die Feuersachen. Ein Schwerpunkt liegt auch auf den Ländern“, erklärt Gunter Franck, Vorsitzender der ausrichtenden Werbegemeinschaft, bedeckt mit weißem Scheich-Schleier. „Unsere Gastronomie hat sich da auch einiges einfallen lassen.“ Ein würziger Duft strömt durch die proppenvollen Straßen. Couscous, frisches Gemüse, gebratenes Hähnchen, Koriander. Selbst „orientalische Käsewürstchen“ gibt es. Perfekt für Schlemmer. Der Ort brennt – natürlich alles unter Kontrolle. Mehrere Feuerspucker, ein exklusives Höhenfeuerwerk, brennende Töpfe, die die Straßen säumen. Das schafft die betörende Atmosphäre. Auch wenn einige Besucher anmerken, dass es durchaus mehr Flammen in den Straßen hätte geben können – so wie im ersten Jahr, als etliche Feuertöpfe die Geschäfte in warmes Licht tauchten. „Da hat es Probleme mit spielenden Kindern gegeben. Einige haben sich dann nicht mehr getraut, zu viel Feuer zu machen“, betont Franck – als über ihm gerade das bombastische Feuerwerk explodiert, bunte Funken auf Winnweiler herabregnen. „Aber ansonsten haben wir dieses Jahr eher mehr Feuer als zuletzt.“ Zum achten Mal richten die Winnweilerer ihr Fest aus. Das Wetter spielt mit. Und der Erfolg schließt sich an: 5000 Menschen tummeln sich in der verkehrsberuhigten Zone, pilgern zu den professionellen Show-Acts. So viele wie nie, sagt Franck. Dennoch winke auf kurz oder lang eine Bedrohung. Problemkinder seien die Firmen, die im Festbereich ansässig sind, finanzielle Unterstützung aber verweigern. Dass sie von den Massen dennoch profitieren, versteht sich von selbst. Geöffnet haben auch sie. „So etwas auszurichten, ist ein organisatorischer Kraftakt. Wir haben nur 40 Mitglieder. Es wäre schade bei einem Fest, das weite Kreise zieht und ein Aushängeschild für Winnweilers ist“, appelliert der Veranstalter. Ein metallenes Klimpern, nur wenige Meter weiter. Rhythmisch-orientalische Klänge, noch mehr bunte Seide. Lila, gelb, blau, rot, dazu silberne Verzierungen. Und: nackte Haut, aber nicht zu viel: Bauchtanz. Geschmeidig lassen die kurvigen Damen die Hüften kreisen. Leichte Tücher wedeln sie durch die Lüfte, dank des Windes schmiegen sie sich an ihre Körper. Fließende Bewegungen. Die Mini-Becken an den Fingern der Tänzerinnen schellen im Takt. Ein Auftritt ohne Feuer. Wobei – es muss nicht immer heiß, lodernd, hell sein. Feuer kann man auch im Blut haben.