Donnersbergkreis Leser-Echo ist ihm Lohn genug
«FALKENSTEIN.» Seit Januar 2010 erstellt Andreas Fischer (51) Monat für Monat das „Falkensteiner Echo“ – mit viel Herzblut und kostenlos. Über 600 Leser erhalten mittlerweile die Dorfzeitung, die nicht nur in Falkenstein, sondern auch im übrigen Deutschland und sogar in Amerika und Finnland ihre Freunde hat. Zu Ostern erscheint die 100. Ausgabe. Für die hat sich der Telekom-Beamte etwas „Besonderes und Gräfliches“ ausgedacht, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ verrät.
Die Idee war eine Art Urknall. Ich habe gerne Infos und Bilder via Mail an Bekannte verschickt. Irgendwann dachte ich, ich könnte das ja einheitlich tun. Meine erste Ausgabe hatte fünf Seiten, gedruckt im Hochformat. 35 Personen haben sie erhalten. Mittlerweile sind es bis zu 20 Seiten im Querformat und über 600 Leser. Damit alle den Newsletter pünktlich am ersten des Monats bekommen, habe ich inzwischen sieben Mail-Adressen, weil man mit einer ja nur 100 Mails am Tag verschicken kann (lacht). Zum Glück haben wir mittlerweile schnelles Internet, anders ginge das gar nicht. Inhaltlich hat sich auch viel geändert: Ich habe viele Helfer und schreibe nicht mehr nur über Falkenstein, zum Beispiel in der Serie „Mühlen rund um den Donnersberg“. Außerdem ist die Schrift größer geworden, darauf hat mich ein älterer Herr aufmerksam gemacht. Sie stehen also in engem Kontakt zur Ihren Lesern? Das ist das, was der Name „Falkensteiner Echo“ eigentlich für mich bedeutet. Zum einen bin ich darauf gekommen, weil es im Falkensteiner Tal ein wunderschönes Echo gibt. Dahinter steckt aber auch der Gedanke: Ich schicke etwas weg und es kommt etwas zurück. Und kommt etwas zurück? Jedes Mal! Ich hätte nie für möglich gehalten, dass das so boomt. Ich bekomme oft überraschte Reaktionen von Leuten, die etwas Neues über ihre Heimat erfahren haben. Oder von Älteren, die sich an etwas aus ihrer Kindheit erinnern. Da sind auch Anregungen für Themen dabei. Einmal habe ich Lob von einem Geschichtsprofessor bekommen, da war ich schon stolz. Aber ich freue mich wirklich über jede Reaktion. Dass anerkannt wird, was ich mache, ist toll. Auf was können sich Ihre Leser in der 100. Ausgabe freuen? Sie wird besonders und gräflich! Ich habe alle Orte, die 1780 zur Grafschaft Falkenstein gehört haben, um ein Grußwort gebeten. Von Thomas Faircloth habe ich einen ganz rührenden Brief bekommen. Seine Vorfahren sind 1717 aus Falkenstein nach Virginia ausgewandert. Er ist Echo-Leser und hat seinen Gruß sogar auf Deutsch geschickt. Zum Schluss schreibt er: „Ich bin ein Falkensteiner“. Ich habe auch Graf Johan Lewenhaupt angeschrieben. Er ist ein schwedischer Graf, dessen Vorfahren einmal die Grafschaft gehört hat. 2002 war die Familie mit einer Abordnung hier. Meine Leser haben unzählige Glückwünsche geschickt. Die Jubiläums-Ausgabe besteht aber nicht nur aus Grüßen. Sondern? Zum Jubiläum habe ich ganz viel zur Grafschaft Falkenstein geschrieben. Das sind meine Lieblingsthemen. Der Gedanke, dass unser kleines Falkenstein einmal so bedeutend war, ist wirklich faszinierend. In der Ausgabe ist außerdem ein Link zu einer Cloud, in der alle 100 „Echos“ zum Download bereitstehen. Außerdem gibt es Echo-Tassen zum Kaufen. Eine kleine Überraschung gibt es am 7. April im Café Zeitlos – wer mehr wissen will, muss aber das Echo lesen. Klingt nach ganz schön viel Arbeit, die Sie ehrenamtlich in Ihre Dorfzeitung stecken. Warum verkaufen Sie das „Falkensteiner Echo“ nicht? Ich will es nicht vermarkten. Es ist mein Hobby, es macht mir ganz viel Spaß, und es ist gut so wie es ist. Ich bin in Falkenstein aufgewachsen und habe mich schon immer leidenschaftlich mit der Geschichte beschäftigt. Mit dem Echo kann ich Heimat vermitteln. Und ich kann die Geschichte festhalten, damit jeder weiß, wie es früher einmal hier war. Die Dankbarkeit der Leser ist Belohnung genug. Hatten Sie noch nie einfach mal keine Lust, eine neue Ausgabe zu schreiben? Oder keine Zeit? Im Gegenteil! 2014 stand das Echo tatsächlich auf der Kippe: Ich hatte einen Hörsturz und war lange krank. Aber die Finger davon lassen konnte ich nicht. Das Heft habe ich dann aus der Reha verschickt. Die Ärzte waren erst entsetzt, weil ich mich eigentlich ausruhen sollte. Ich habe ihnen aber erklärt, dass es für mich alles andere als Stress bedeutet, was sie befürchteten. Ich bekomme aber auch ganz viel Hilfe, vor allem von meinem Vater. Gibt es 100 weitere Ausgaben? Mein nächstes Ziel sind erst einmal die zehn Jahre. Und dafür habe ich schon viele Ideen im Kopf.“ | Interview: Isabel Fisch