Donnersbergkreis Lebhaft und stimmig
Das diesjährige Kindertheaterstück der Gruppe Mama-Kita in Morschheim erzählt von Räuber Hotzenplotz. Wie sehr die Kinder von dieser Aufführung angesprochen wurden, merkte man an ihren lebhaften und engagierten Zwischenrufen, mit denen sie Kasperl und Seppel helfen wollten, an ihrem Lachen und am Klatschen im Rhythmus des Hauptliedes.
Andrea Züfle hatte den Text nach dem Kinderklassiker von Ottfried Preußler atmosphärisch treffend umgeschrieben, sie gestaltete das Bühnenbild und führte Regie. Das offene Bühnenbild präsentierte schon vor Beginn alle Szenen des Stückes, angefangen vom Tannenwald auf der linken Seite, daneben Großmutters Gartenbank, in der Mitte Tor und Turm des Zauberschlosses, dann ein weißer Herd, auf dem die Vorräte des Zauberers stehen und ein weißer Tisch. An der rechten Seite sitzen auf Baumstümpfen elf Chorkinder in roten T-Shirts, neun von ihnen sind ehemalige Kitakinder. Sie werden an den Gitarren begleitet von Fritz Hertel und der Chorleiterin Nina Steuerwald. So können die Szenenwechsel spannend überbrückt werden: das Licht erlischt, die Kinder singen, dann fällt das Scheinwerferlicht auf den zur neuen Szene passenden Bühnenabschnitt. Es beginnt mit der Großmutter, liebenswürdig schusselig gespielt von Bärbel Panter. Sie sitzt auf ihrer Gartenbank und erfreut sich an ihrer Kaffeemühle, die Kasperl und Seppel ihr geschenkt haben. Ihre Freude währt aber nicht lange, denn der Räuber Hotzenplotz stiehlt sie ihr. Sabine Föller überzeugt in ihrer Rolle gemäß dem Lied der Kinder „er ist ein Räuber, er hat ein gutes Herz“, sie gibt einen Räuber mit List und Herz, vor allem mit dem tiefen Lachen aus vollem Bauch, dem exzentrischen Schnupftabak-Niesen oder bei den derben Räuberspäßen. Kasperl und Seppel kommen munter und frisch daher, erschrecken aber, als sie erfahren, was der Großmutter passiert ist und versprechen Wachtmeister Dimpfelmoser, ihm bei der Suche zu helfen. Ute Becker gibt überzeugend einen besorgten Polizisten, der trotz seiner Verzweiflung stets Ruhe und Ordnung verkörpert. Tanja Füller beeindruckt in ihrer Rolle als Seppel: etwas fahrig, Situationen langsamer durchschauend, lustig. Als Kasperl spielt sich Christiane Rubner-Schmidt direkt in die Kinderherzen: Pfiffig, quirlig, lustig. Im Stück hat Kasperl die zündende Idee, wie die beiden den Räuber ausfindig machen können, aber Hotzenplotz fängt und fesselt sie beide. Kasperl verkauft er für einen ganzen Sack Schnupftabak an den Zauberer Petrosilius Zwackelmann (mächtig und geheimnisvoll ausgedrückt von Steffi Richter). Der Räuber und der Zauberer meinen aber, den Seppel vor sich zu haben, weil sie nicht durchschauen, dass Kasperl mit Seppel Hut und Mütze getauscht hatte. In der Abwesenheit des Zauberers, der als Bild auf einem Besen reitend an einem Seil über die Köpfe der Zuschauer entschwebte, kommt Kasperl seiner Befreiung näher. Nicht nur mit dem „davon reitende Zauberer“, auch mit den Zaubereien Zwackelmanns werden die Kinder in der Aufführung trickreich in Staunen versetzt: Bettwäsche für Kasperl fällt vom Turm herunter, Verzauberungen erfolgen blitzschnell durch den Vorhang im Tor der Burg. Seppel (mit Kasperls Hut) geht es in der Geschichte beim Räuber nicht besser als seinem Freund beim Zauberer, denn er muss ihm dienen. Der pfiffige Kasperl (mit Seppels Hut) findet einen Ausweg, bei dem ihm die Unke (passend geheimnisvoll und traurig gespielt von Rosi Bayer) verrät, dass für beide die Befreiung gelingen kann, wenn er das Feenkraut findet. Wie es in einer Verwechslungskomödie kommen muss, spitzt sich nun alles zu. Letztendlich sitzt Hotzenplotz als verzauberter Gimpel in einem Vogelkäfig, Kasperl und Seppel sind enttarnt, Petrosilius Zwackelmann ist entzaubert und die Unke erscheint als Fee Amaryllis (Manuela Glöckner). Die Kinder erleben, wie Kasperl mit Hilfe der drei Wünsche, die die Fee ihm zum Dank für ihre Erlösung schenkte, für ein gutes Ende in Dimpfelmosers Wachstube sorgt. Kinder sind anspruchsvolle Zuschauer, sie reagieren unmittelbar. Gerade mit dem Räuber Hotzenplotz sind sie vertraut und kennen seine Geschichte. Umso höher muss die Darbietung von Mama-Kita gewertet werden, weil sie die Atmosphäre des Stückes so stimmig, lebhaft und gekonnt ausstrahlte.