Donnersbergkreis
Laufsport: Beim „Virtual Run Together“ treten die Läufer gegen virtuelle Gegner an
Tim Könnel vom TuS Heltersberg, ein 25-jähriger pfalzweit bekannter Spitzenläufer, der eine Zehn-Kilometer-Bestzeit von 30:39 Minuten aufzuweisen hat, hat seine Fünf-Kilometer-Runde bereits absolviert. Mit 14:54 Minuten erzielte er eine Spitzenzeit, war jedoch bisher nicht der Schnellste. Der aus Eritrea stammende Selama Tesfamariam Estopia rannte eine der Fünf-Kilometer-Strecken nochmals sechs Sekunden schneller. Schon einige Sportler haben an dem Lauf, bei dem die Zeiten virtuell zusammengetragen werden, teilgenommen.
Die „Saure-Gurken-Zeit“ für die Läufer in Zeiten der Corona-Krise ist mit dem „Virtual Run Together“ erst einmal abgehakt. Auch wenn das Training für die Mittelstreckenläufer durchgehend möglich war, fehlte doch etwas – der Wettkampf. Da Großveranstaltungen in Folge von Kontaktbeschränkungen bis zum 31. August nicht möglich sind, fallen auch Volksläufe, mit zumeist einigen Hundert Teilnehmern, darunter. Ob eine späte Saison, also Läufe im Herbst und Winter möglich sind, ist noch offen. „Wir haben derzeit keine Wettkämpfe in Aussicht“, sagt der Pressevertreter des LC Donnersberg, Max Rahm. Deshalb gab es vor einigen Wochen die Idee von Läufern aus Bad Kreuznach, Abhilfe zur Wettkampftristesse zu schaffen.
Vereinsquartett schließt sich zusammen
„Wir wurden gefragt, ob wir nicht bei einem virtuellen Wettkampf mitmachen wollen. Das war Anfang oder Mitte Mai. Wir haben dann ein bisschen Vorlaufzeit gebraucht, auch um Preise zu organisieren und die Zeitmessung einzurichten“, erklärt der 22-jährige Rahm. Ausrichter sind nun die Vereine LC Donnersberg, TV Alzey Laufteam Gasser, TuS Framersheim und die LF Naheland Bad Kreuznach. Auch der Vorstand des LC Donnersberg Roland Schreiber zeigt sich begeistert vom Zusammenschluss des Vereinsquartetts. „Die Vereine haben eine gemeinsame Trainingsgruppe. Wir sind ohnehin freundschaftlich miteinander verbunden, da war der Kontakt schnell da“, erklärt Schreiber.
Das Virtual Run Together verfolgt die Idee in Zeiten ohne Volksläufe zumindest unter ähnlichen Voraussetzungen einen Wettbewerb zu veranstalten, auch wenn sich die Gegner praktisch nicht begegnen. So hat jeder Verein eigene Strecken angegeben. Diese sind einen oder fünf Kilometer lang. Die kurze Laufstrecke soll auch für die Nachwuchsläufer einen Anreiz bieten. Nach Auskunft von Rahm sollen die Strecken möglichst flach sein.
Zeitnahme in Eigenregie
Deshalb hat der LC Donnersberg die Strecke auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Sembach gewählt. Sie hat lediglich acht Höhenmeter auf fünf Kilometern zu überbrücken. „Wir hatten die Schwierigkeit, eine Strecke zu finden, auf der es nicht so viel Verkehr gibt“, benennt Rahm einen weiteren Grund, weshalb Sembach als Laufstrecke auserkoren wurde. Jeder Starter kann zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Lauf absolvieren. Gelaufen wird in einem Einzelrennen, sodass kein Kontakt zwischen den Athleten besteht.
Die Teilnahme auf den Rundkursen ist kostenlos und kann beliebig oft wiederholt werden. Mit bis zu 100 Startern auf der vom LC Donnersberg entworfenen Laufstrecke rechnet Rahm bis zum kommenden Samstag. Die Zeitnahme erfolgt in Eigenverantwortung. Nach erfolgreichem Absolvieren der Rennstrecke muss sich der Teilnehmer in einem Anmeldeformular registrieren, damit die Zeiten in die Ergebnislisten eingepflegt werden. „Die Laufergebnisse müssen nicht unbedingt vergleichbar sein. Es geht mehr um das gemeinsame Ziel, nämlich Verbundenheit zu zeigen“, erklärt Rahm, der dennoch etwas Wettkampfcharakter beim „Virtual Run Together“ sieht.
Alternative zum Trainingsalltag
„Es ist schon ein Stück weit eine Standortbestimmung“, erklärt Rahm, der als Schreiner arbeitet und auch berichtet, dass Wettkämpfe noch nicht in Aussicht seien. So fand beim LC Donnersberg zwar noch der internationale Donnersberglauf am 29. Februar statt. Abgesagt werden musste aber bereits der Donnersberg Trail im Mai, bei dem Strecken von zehn bis hin zu 49 Kilometer zu absolvieren gewesen wären.
Ob Tim Könnel die Strecke jetzt noch einmal läuft, um sich noch zu verbessern? „Natürlich könnte ich es noch mal versuchen, die Zeit zu knacken. Aber ich werde vielleicht lieber die 1000 Meter absolvieren. Das würde ich normal nie als Wettkampf laufen, bin nur früher mal 1500 Meter gelaufen“, erklärt Könnel, der als Ziel für die Kurzstrecke eine Zeit unter 2:40 Minuten ausgibt. Obwohl er das „Virtual Run Together“ nicht mit absolutem Wettkampfcharakter sieht, ist er begeistert von der Veranstaltung. „Es ist eine gute Alternative zum Trainingsalltag“, sagt Könnel, der 2019 den fünften Platz bei der deutschen Berglaufmeisterschaft belegte.