Stauf RHEINPFALZ Plus Artikel Lastenfahrrad: Viel besser als ein Kinder-Anhänger

Jan Steinbach und Markus Spätgens aus Eisenberg-Stauf sind begeisterte Besitzer von Lastenfahrrädern.
Jan Steinbach und Markus Spätgens aus Eisenberg-Stauf sind begeisterte Besitzer von Lastenfahrrädern.

Nicht nur der Kauf von Elektroautos wird vom Bundesumweltministerium gefördert. Auch wer sich für ein Lastenfahrrad entscheidet, kann 25 Prozent der Anschaffungskosten vom Staat erstattet bekommen. In den Genuss kommen jedoch nur Firmen, Kommunen und Vereine. Trotzdem entscheiden sich manche Privatleute für den Kauf eines solchen Vehikels.

Der 37-jährige Jan Steinbach ist mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter schon viel herumgekommen. „Wir waren ein halbes Jahr mit Zelt und Fahrrädern durch Europa unterwegs, als unser Kind vier Monate alt war“, erzählt er. Radfahren gehöre schon lange zu seinem Alltag und sei in Mainz, wo er vorher gewohnt hat, für kurze Wege in der Innenstadt ideal gewesen. „Als wir dann 2018 hierher kamen, bin ich mit dem Kinder-Fahrradanhänger und ohne elektrische Unterstützung bald an meine Grenzen gestoßen“, erinnert er sich. Damals hat sich die Familie, die in den Burghof Stauf zog, auch ein Auto zugelegt. „Wir wollten eine andere Wohnform und nicht das klassische Haus mit Garten“, erklärt er und ergänzt: „Wir waren froh, dem Lärm und Gestank der Stadt und vor allem auch dem Spielplatz-Hopping entkommen zu sein.“

Gemeinsames Projekt mit Mitbewohner

Im Mehrgenerationenhaus lernte Steinbach Mitbewohner Markus Spätgens mit seiner Frau und drei Kindern kennen, die früher in Tettnang am Bodensee lebten und dort alle Wege mit dem Fahrrad bewältigt haben. „Wir haben das hier auch versucht, waren aber ohne elektrische Unterstützung der Räder fix und fertig, erst recht, wenn wir die Kinder transportieren mussten“, erzählt der 34-Jährige.

Als sich die Familien besser kennenlernten, war bald die Idee eines gemeinsamen Lastenfahrrades geboren. „Unser Wunsch war, die Kinder, die ähnlich alt sind, zusammen transportieren zu können“, erklärt Spätgens. „Im Kinder-Anhänger kann man nur zwei Personen transportieren, es gibt aber Lastenfahrräder, die für drei Kinder zugelassen sind – ein klarer Vorteil.“ Ein weiterer Nachteil des Kinder-Anhängers: Er befindet sich hinter dem Rad, also im Rücken des Fahrers. Beim Lastenfahrrad aber sitzt der Nachwuchs vor dem Fahrer und dieser hat alles im Blick. Auch schränke das Dach des Lastenrads weder die Sicht der Kleinen ein noch behindere es den Fahrer, vielmehr schütze es ihn zusätzlich gegen Fahrtwind.

Nach zweieinhalb Jahren kaputt

Bereits im Oktober 2018 wurde das erste gemeinsame Lastenfahrrad mit dem stärksten auf dem Markt erhältlichen Motor angeschafft. „Fortan hatten die Kinder beim Transportieren einen Riesenspaß und wir konnten dank der Elektro-Unterstützung den Berg nach Stauf oder auch andere Berge gut bewältigen“, erzählt Spätgens. Leider sei das Rad Anfang 2021 kaputt gegangen und konnte nicht repariert werden. „Zum Glück hatten wir eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen, die bei einem Anschaffungspreis von 5500 Euro empfehlenswert ist“, sagt er.

Der Anschaffungspreis wurde erstattet und kurzerhand sind zwei Lastenfahrräder – eines mit zwei, das andere mit drei Sitzplätzen – angeschafft worden. Sie wurden über das Internet gefunden und bei Händlern in Worms und Darmstadt gekauft. Steinbach sagt: „Ich ziehe bald mit meiner Familie nach Ingelheim und dort werden wir dann auch unser Auto erst mal abmelden. Wir haben unsere Räder und das Lastenfahrrad – mehr brauchen wir nicht.“ Auffallend sei, dass im Waldkindergarten des SOS-Kinderdorfes in der Regel jedes Kind mit einem anderen Auto gebracht werde. „Bei uns kommen mit zwei Lastenrädern fünf Kinder“, betont Steinbach. Das dauere kaum länger als mit dem Pkw.

Keine Lastenfahrräder auf Lager

Beim Fahrradgeschäft Rad Rech in Kerzenheim kommen immer öfter Kunden, die nach Lastenfahrrädern fragen, sei es, um die Kinder zu transportieren, zum Shoppen oder einfach nur der Umwelt zuliebe. Manchmal scheitere die Anschaffung aber an den Begleitumständen, wie beispielsweise den Unterbringungsmöglichkeiten des recht großen Gefährts oder auch der Handhabung. „Der Trend geht ganz klar in diese Richtung, bei uns auf dem Land dauert es vielleicht nur ein bisschen länger als in der Stadt, bis sich das durchsetzt“, sagt Inhaber Gerhard Rech. Auf Lager habe er bislang keine Lastenfahrräder, den Service rund um diese Vehikel bietet er aber an.

Auch der Drahtesel in Grünstadt hat keine Lastenfahrräder vorrätig. „In den letzten drei Jahren haben wir eines verkauft“, weiß Mitarbeiter Andreas Sommer.

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