Donnersbergkreis Landratswahl im Donnersbergkreis: „Wenig geredet und viel gefeiert“
So ganz verarbeitet hatte Rainer Guth gestern den Sonntagabend noch nicht. Da waren so viele Bilder, so viele Emotionen auf ihn eingeprasselt. Mit 51,9 Prozent der Stimmen konnte der Eisenberger die Landratswahl für sich entscheiden. Nun will er erst einmal abschalten. Und setzt dann auf eine sachorientierte Politik. In der Kreisverwaltung müsse niemand vor ihm Angst haben.
„Alles wird gut, dank neuem Mut – mit Rainer Guth.“ Entertainer Kalli Koppold schmettert den Refrain noch einmal ins Mikrofon. Alle klatschen und singen mit, das Braustübchen der Winnweilerer Privatbrauerei Bischoff platzt förmlich aus allen Nähten. Die Stimmung ist euphorisch. Bilder und Videos in sozialen Netzwerken geben einen Einblick in das was, was da bei der Wahlparty des 47-Jährigen am Sonntagnacht los war. „Es war eine schöne Feier“, sagt der Eisenberger am Tag danach im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Wie lang diese dauerte? „Es ging lange“, erzählt er schmunzelnd. Mehr als 200 Helfer, Unterstützer und Freunde waren in Winnweiler zusammengekommen. „Es wurde wenig geredet und viel gefeiert.“ Natürlich den Wahlsieg. Die Sache mit dem Rainer-Guth-Song sei eine Überraschung gewesen. Eine, die bei den Gästen bestens ankam – wie in dem Video nicht zu übersehen ist. So ganz verarbeitet hat Rainer Guth den Sonntagabend noch nicht. „Es fühlte sich an wie im ganzen Wahlkampf. Ich wurde von meinen Unterstützern förmlich getragen.“ Zu 51,9 Prozent – und damit dem Sieg bei der Landratswahl im ersten Wahlgang. Etwas, mit dem Rainer Guth nicht gerechnet hatte. Mehr als 400 Termine hat der 47-Jährige im Wahlkampf hinter sich gebracht. „Jetzt brauche ich erst einmal ein paar Tage Abstand und muss mal ausschlafen – und Dinge tun, die in den vergangenen Monaten zu kurz kamen: meine Familie, unser Hund und der Wald.“ Bis Ende Mai hat der Eisenberger noch weitestgehend frei. Dann wird er wieder seinen Dienst als Prokurist eines internationalen Zellstoffkonzerns antreten. Bis 22. September. Dann soll der nahtlose Übergang auf den Chefsessel der Kreisverwaltung erfolgen. Bis dahin möchte er Themen, die im Kreis anstehen, verfolgen. „Wenn gewünscht auch beraten. Mit dem gebotenen Abstand. Ich bin noch nicht im Amt.“ Dort will Guth zunächst das Thema Digitalisierung angehen. Die Fertigstellung der Breitbandversorgung – aber auch den Mobilfunk. „Auch würde ich gerne das Thema Standortmarketing und Wirtschaftsförderung neu strukturieren.“ Mit den Mitarbeitern in der Verwaltung, wie er betont. „In der Kreisverwaltung braucht niemand Angst zu haben. Ich bin keiner, der hart durchgreift. Wer an der Sache arbeitet und willig ist, mit dem habe ich auch kein Problem.“ Ähnlich sieht Guth auch die Zusammenarbeit im Kreistag. „Es gibt einen parteilosen Landrat, der mehrfach betont hat, dass ihm die Sachpolitik wichtig ist. Ich will versuchen, mit Sachargumenten eine Mehrheit zu finden.“ Überzeugen konnte Guth anscheinend ganz besonders die Wähler im Ostkreis. Nur in Kriegsfeld konnte Michael Cullmann gewinnen, in Oberwiesen waren beide stimmgleich (siehe Wahltabellen Lokalseite 2). „Das ist phänomenal. Es freut mich aber auch besonders, dass ich insgesamt in der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel vorne lag, in der VG Winnweiler ein so gutes Ergebnis hatte und in der Ortsgemeinde Kerzenheim, die eine starke SPD hat, gewinnen konnte“, so Guth. Eine gute Zusammenarbeit hat ihm am Sonntagabend die SPD-Landtagsabgeordnete Jaqueline Rauschkolb angeboten. „Es ist eine Wahl, die Wähler haben entschieden, so ist Demokratie“, sagte Rauschkolb. Wenige Meter von ihr entfernt zeigte sich ein anderer Eisenberger „deutlich zufrieden“: Manfred Boffo, der FWG-Kreisvorsitzende. Es sei für ihn in erster Linie eine Personenwahl gewesen: Guth komme mit sämtlichen Menschen gut zurecht und überzeuge in persönlichen Gesprächen. Lokalseite 2