Hornbach
Landesbetrieb Mobilität: Richard Lutz verabschiedet
Der Parkplatz am Bürgerhaus Hornbach (Landkreis Südwestpfalz) nahe der französischen Grenze ist voll. Ungewöhnlich für einen Montagmorgen, noch dazu sind viele orangefarbene Fahrzeuge der Straßenmeistereien darunter. Fahnen, die in Wind und Regen flattern, machen deutlich, dass es sich um eine Veranstaltung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) handelt. Richard Lutz (65), seit 39 Jahren dabei und davon knapp ein Vierteljahrhundert Leiter der LBM-Dienststelle Kaiserslautern, sagt Tschüss. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand.
Wer denkt, Straßenbauer und Straßenmeister können nur mit Bitumen, wird bei dieser Verabschiedung eines Besseren belehrt. Klar, Lutz selbst hat als passionierter Läufer und Radler schon den Sport in den Landesbetrieb gebracht, wie durch die von ihm initiierten Einweihungsläufe. Indes ist es ein vierköpfiges musikalisches Eigengewächs der Kaiserslauterer Dienststelle, das als Bläser-Combo für den richtigen Rhythmus sorgt, und das nicht nur mit „Muss ich denn zum Städtele hinaus“.
216 Kilometer Radwege
Dass Lutz auch durch seine Arbeitsweise viele Akzente gesetzt hat, bestätigt ihm Franz-Josef Theis, Geschäftsführer des LBM Rheinland-Pfalz. Sei es durch verbesserte Arbeitsabläufe, seine Tätigkeit in der Prüfungskommission oder an der Technischen Universität Kaiserslautern, vor allem aber in Sachen Entbürokratisierung, „ein Thema, das er nachhaltig verfolgt hat“. Die Bilanz eines Vierteljahrhunderts in Zahlen: Bei 236 westpfälzischen Gemeinden wurden insgesamt 120 Ortsdurchfahrten ausgebaut, es gab Großprojekte an Verkehrsachsen wie den Autobahnen 6 und 63 und an den Bundesstraßen 10 und 48. 216 Kilometer Radwege wurden gebaut, unterm Strich 1,2 Milliarden Euro investiert.
Vor allem aber sei Lutz ein verlässlicher Partner für Bund, Land, Landkreise und Kommunen gewesen, bescheinigt ihm seine oberste Dienstherrin, Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP). Und sie hebt seine Treue zum öffentlichen Dienst hervor, nachdem er vor fast 40 Jahren nach dem Studium in Darmstadt bei der damaligen Straßenverwaltung Rheinland-Pfalz angefangen habe. „Wer jeden Tag sein Bestes gibt und das meist mit Freude, für den ist solch eine Karriere möglich“, so Schmitt. Welche Wertschätzung Richard Lutz entgegengebracht werde, zeige sich auch darin, dass viele seiner Kolleginnen und Kollegen nach Hornbach gekommen seien.
Keine Angst vor Kritik
Vor Ort immer das Gespräch gesucht zu haben, auch mit den Kritikern, und dabei zwar klare Worte, aber auch pragmatische Lösungen gefunden zu haben – ein Arbeitsstil von Richard Lutz, den Susanne Ganster (CDU) als Landrätin im Kreis Südwestpfalz hervorhob – stellvertretend für ihre Amtskollegen. Mit langem Atem habe er stets das möglich gemacht, „was als Landesbetrieb Mobilität möglich war“. Sprich: Lutz hat laut Ganster in der Straßenverwaltung immer auch die Interessen der Westpfalz vertreten. Er kenne vermutlich „nicht nur jedes Verkehrsschild in der Region“, sondern „eben auch die Menschen mit ihren berechtigten Ansprüchen oder utopischen Wünschen“.
„Seine Vision ging weit über den Straßenbau hinaus“, lobt Harald Westrich (SD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg für seine Amtskollegen und die Ortsbürgermeister. Im Auge hat er dabei das unter Lutz entstandene Radwege-Netz. Bernd Cornely, Chef des LBM Cochem-Koblenz, hat die Aufgabe, im Namen der acht Regionalstellen und 57 Straßenmeistereien Danke zu sagen. Er verrät zudem das Lieblingswort des scheidenden Kollegen: gemeinsamer Projekterfolg. „Und wenn der gefährdet war, dann konnte Richard Lutz auch mal etwas ungehalten werden.“ Sobald die Runde als von ihm den Satz „Ihr liewe Leit, was ein Chaos“ hörte, „haben sich alle noch mal sortiert“. Und während Cornely von der Freude spricht, Richard Lutz als Kollegen gehabt zu haben, attestiert ihm Bernd Schultheiß von der Personalvertretung „Mitbestimmung auf Augenhöhe“.
Nachfolge noch offen
Das letzte Wort hat natürlich Lutz selbst. Nur einmal, beim Dank an seine Familie, ist zu spüren, wie nahe ihm dieser Tag geht. Er vergisst auch nicht seinen Stellvertreter Volker Priebe und das vielköpfige Team. Seine Botschaft für die Zukunft ist deutlich: Es gibt noch sehr viel zu tun, und das geht nur gemeinsam. Das Staffelholz auch tatsächlich in neue Hände legen kann er allerdings noch nicht: Bei der Neubesetzung sei der LBM im Endspurt, hatte Geschäftsführer Theis schon zu Beginn gesagt. Und dass der Landesbetrieb hoffe, dass bald alles geregelt sei.
Ein Porträt von Richard Lutz finden Sie hier.