Donnersbergkreis Lachen bleibt stecken
Eisenberg. Wann ist Kabarett richtig gut? Dann, wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt! Diesen Effekt hat Thilo Seibel am Samstagabend im Evangelischen Gemeindehaus in Eisenberg erreicht. Mit seinem Programm „Das Böse ist verdammt gut drauf“ schaffte es der kleine Mann aus Köln, nicht nur den Finger in die Wunde zu legen, sondern auch jede Menge kabarettistisches Salz in dieselbe zu streuen.
Bitterböse, absolut hintergründig, hochaktuell, Thilo Seibel ist auf dem Weg, einer der großen unbequemen Kabarettisten der Republik zu werden, ganz wie die Vorbilder, beispielsweise Dieter Hildebrandt, Werner Schneider, Gerhard Polt oder Georg Schramm. Wobei er allerdings seinen eigenen Stil entwickelt hat, diesen sehr glaubhaft lebt und dies dem Publikum überaus kompromisslos vermittelt. „Das war jetzt nicht so der Brüller und auch ein bissl unangenehm“, urteilt er selbst im Lauf des Abends und liegt damit sehr richtig. Aber genau das will er ja erreichen, unbequem sein, eine andere Sicht auf die Dinge haben, die gerade so gar nicht ins Weltbild seines Umfelds passt. Seibel macht damit genau das, was gutes Kabarett ausmacht. Große Themen sind es, die ihn umtreiben, allen voran die Flüchtlingsdebatte. Schnell stellt der Kabarettist fest, dass das Thema vielen Menschen längst zum Halse heraushängt, genauso schnell arbeitet er aber auch die Hintergründe heraus, führt dabei europäische Nachbarländer und die EU in grandioser Weise vor. Genau analysiert er, wie Frankreichs Staatspräsident François Hollande sich aus innenpolitischem Kalkül hinter dem Rockzipfel der Kanzlerin versteckt, um direkt nachzuschieben, dass das ja problematisch sei, da Angela Merkel meist Hosenanzüge trage. Er schält die bitteren Wahrheiten hinter den Nachrichten heraus, stellt treffend dar, was in unserer Republik oder in Europa so alles schief läuft. Klar, es gibt ein paar Seitenhiebe auch auf das Geschehen in den USA, aber Seibel beschäftigt sich vorwiegend mit dem eigenen Land, seinen Politikern und deren Schwächen. Thomas de Maizière, Ursula von der Leyen, Günther Oettinger, Markus Söder oder Alexander Dobrindt sind es, auf die sich Seibel stürzt, quasi die zweite Reihe des Politzirkus bekommt da kräftig ihr Fett weg. Seibel schildert, wie gegen das Grundgesetz verstoßen werde, wenn der Einsatz der Bundeswehr im Innern bei Polizeiaufgaben gefordert wird. Denn klar geregelt sei, dass diese Aufgaben nicht vermengt werden dürfen. Gut gefällt, wie der Kabarettist die Vermögensverteilung in Deutschland erklärt – mit einem Glas voller Smarties. 700 Stück seien darin, erklärt er, während er das Publikum im Saal in die arme und reiche Hälfte der Bevölkerung teilt. Der arme Teil bekommt das eine Prozent des Volksvermögens, das ihm auch in der Realität gehört – sprich sieben Smarties. „Lassen Sie jeden mal dran lecken“, sagt Seibel, während er der anderen Hälfte des Publikums auf der Bühne reichlich Smarties in die Hände schüttet. Besser kann man es kaum verdeutlichen, was schief läuft im Land. Das Glas mit den bunten Schokokügelchen war übrigens das einzige Requisit, das Seibel brauchte, den Rest erledigte er mit seiner spitzen Zunge – wie gesagt, kein Programm der großen Lacher, aber eines der großen Gedanken und Zusammenhänge.