Kolumne
Labubus: Der Trend um die zotteligen Kreaturen erreicht die Nordpfalz
Ich hab’ jetzt ein Kuschelmonster, so ein Labubu-Ding. Kennen Sie, oder? LA-BU-BU! Das sind diese kleinen, zotteligen Kreaturen mit Hasenohren, scharfen Zähnen und viel zu großen Glubschaugen. Ihr komisches breites Grinsen lässt sie schelmisch wirken, ja sogar ein bisschen böse. Labubus sind süß und hässlich zugleich, niedlich und gruselig. Sie können Kopf, Hände und Füße um 180 Grad drehen – und sie sind der neue heiße Scheiß würden die Generationen X, Y, Z und alle anderen Generationen vor und nach ihnen wohl sagen.
Erfunden wurde Labubu 2015 von einem Künstler aus Hongkong für die Kinderbuchserie „The Monsters“. Erst Jahre später ratterte die Marketing-Maschinerie los und eine Influencerin, deren Namen zumindest ich noch nie gehört habe, stolzierte in Asien mit dem Plüschteil an der Handtasche herum. Es war der Startschuss für den Hype, vor allem in sozialen Medien wimmelte es plötzlich nur so von den komischen Zotteltieren. Es gibt rund 300 verschiedene Arten von Labubus in verschiedenen Farben und mit verschiedenen Gesichtszügen. In diesem Sommer nun schwappte die Labubuwelle nach Deutschland, in Berlin eröffnete der erste Labubu-Store. Schwuppdiwupp gierten Kinder, Jugendliche und Erwachsene danach.
Mädchen in Kibo ergattern ihr Exemplar
Anfang der Ferien rannten ein paar Mädchen ganz aufgeregt, aber überglücklich durch Kirchheimbolanden, weil sie in einem Laden eines der Kuschelmonster ergattert hatten. Ein anderes Kind drückte sich die Nase am Schaufenster in der Innenstadt platt, wo es Labubus zu kaufen gab. Und noch eines sah ich, die Augen voller Tränen, weil die Mama sich vehement und kopfschüttelnd weigerte, auch diesen Hype finanziell zu unterstützen.
Die Preise variieren stark; je nach Edition und Größe kosten Labubus beim Hersteller zwischen 20 und 1000 Dollar. Im Internet werden sie teilweise für 6000 Euro gehandelt. Damals konnte ich die Verweigerung der Mutter nur zu gut verstehen, heute stehe ich eher auf der Seite des Kindes. Meine Perspektive hat sich also so schnell verändert, wie ein Labubu seinen Kopf drehen kann. Und das kam so:
Mehrköpfige Labubu-Großfamilie zieht ein
Im Sommerurlaub in Südeuropa lauerten an vielen Ecken Straßenhändler, die eine gewaltige Auswahl an Labubus hatten. Man kann das ein paar Tage ignorieren, ja, ich habe es auch wirklich versucht. Aber irgendwann kriegen sie so Leute wie mich. Meine Kinder hatten dann Mitleid und haben mir einen gekauft, in so einer „Blind Box“. Erst beim Auspacken sieht man, welcher Labubu es ist. Ich fühlte mich 35 Jahre jünger – wie damals beim Ü-Ei-Kauf. Mein Labubu und ich, wir sind jetzt seit 21 Tagen zusammen.
Auf acht Euro pro Stück haben meine Tochter und ihr Bruder den armen Mann heruntergehandelt. Mussten sie auch, sonst wären sie direkt pleite gewesen, denn wir leben jetzt zu Hause mit einer mehrköpfigen, bunten Labubu-Großfamilie zusammen. Mein Exemplar baumelt an meinem Rucksack, mehrere Kollegen in der Redaktion haben mich innerhalb kürzester Zeit auf meine neueste Errungenschaft angesprochen. Ich bin jetzt also ein bisschen trendy.
Dabei weiß ich noch nicht einmal, ob es der oder das Labubu heißt. Ist aber auch egal, Hauptsache Labubu. La-bu-bu – das klingt auch so geschmeidig und zum Kuscheln.
Was selten ist, das wird trendy
Ich habe in den vergangenen Tagen darüber nachgedacht, warum die Leute so heiß auf ein kurioses Kuscheltier sind, warum es so einen Hype ausgelöst hat. Vermutlich, weil es einen Moment dauert, bis man die eigenartigen Kreaturen liebgewinnt. Sie sind eben nicht perfekt, so wie man selbst nicht perfekt ist. Man will sich ein bisschen um sie kümmern, ihnen was Gutes tun. Sie wecken den Beschützerinstinkt, hat ein Experte gesagt, der dazu gefragt wurde. Allerdings bleiben Labubus nur so lange cool und trendy – solange sie selten sind. Das ist ja immer so bei Trends. Wenn bald jeder ein Labubu an der Handtasche spazieren trägt, verdreht keiner mehr den Kopf danach. Dann verschwinden sie so schnell wie sie aufgetaucht sind in den großen Kisten. Dort, wo schon die vielen Tamagotchis, Monchichis und Pokémon-Kuscheltiere leben. Aber das dauert noch ein bisschen, hoffen mein rosafarbenes Plüschmonster und ich.