Kerzenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kurzgeschichten fesseln Zuhörer

Heike Rogozinski las Kurzgeschichten von Janine Frey.
Heike Rogozinski las Kurzgeschichten von Janine Frey.

Weil die Autorin Janine Frey krankheitsbedingt passen musste, sprang Büchereileiterin Heike Rogozinski bei einer Lesung am Mittwochabend ein – und begeisterte ihr Publikum.

Schon zweimal musste die Lesung mit Janine Frey aus familiären Gründen abgesagt werden. Diesmal ist die Autorin krank. „Frau Frey hat mir aber erlaubt, einige ihrer Kurzgeschichten vorzulesen“, versichert Rogozinski. Sie habe die Lesung nicht so kurzfristig noch einmal absagen wollen, auch deshalb, weil die Häppchen schon fertig waren. „Manchmal wird scherzhaft behauptet, die Leute kämen nur zum Essen, dabei ist das nur das Beiwerk“, meint sie und erntet dafür Gelächter der rund 20 Frauen, die zur Lesung in die Bücherei gekommen sind.

Bewegende Geschichte eines US-Soldaten

Zunächst liest Rogozinski die bewegende Kurzgeschichte „Heimkehr“ von Janine Frey. Sie erzählt die Geschichte eines US-Soldaten, der nach einem Einsatz nach Hause zurückkehrt, wo seine Frau auf ihn warten wollte. „Afghanistan oder Irak?“, fragt ihn ein geschwätziger Taxifahrer auf dem Weg vom Flughafen zu seinem Zuhause. Es seien immer die gleichen Fragen, die gestellt werden, und er wartet schon auf: „Wie oft hast du den Abzug an deiner Waffe betätigt?“ Antworten will er nicht, nur nach Hause. Er denkt an seine Frau Penny, wie sie beim letzten Heimatbesuch schon an der Haustür in seine Arme flog und ihm beim Abschied versprach, auf ihn zu warten – doch jetzt? Nie wieder, denkt er bloß.

Er öffnet die Tür, tritt ein in sein muffiges Haus, sieht die Fotos von Penny an der Wand, ihre Haselnussaugen, ihren Strohhut und denkt wieder: nie wieder, alles vorbei. Sie hat ihr Versprechen gebrochen, hat nicht auf ihn gewartet. Traurig nimmt er wieder seinen Seesack und verlässt das leere Haus, legt den Schlüssel wieder unter den Rosenbusch und geht durch die Stadt, bis er vor ihrem Grabstein steht – hier ist sie, seine Penny. Als er das Leben eines Kameraden rettete, kam sie wegen eines Virus auf der anderen Seite der Welt auf die Intensivstation. Ein atypischer Krankheitsverlauf kostete ihr das Leben. Er war heimgekehrt in ein Land, das nicht seines war – allein seine Uniform hielt ihn zusammen.

Erneute Lesung mit Frey geplant

Die zweite Kurzgeschichte, die Rogozinski liest, ist „Zimmer in New York“. Schließlich liest sie „Begegnungen in der Hotelhalle“, eine Geschichte um ein gealtertes Paar, das sich nach vielen Jahren wieder begegnet. Jeder macht sich seine Gedanken um den anderen, beide betrachten einander, hängen ihren Erinnerungen an den anderen in jungen Jahren nach, um dann – ohne ein Wort zu sprechen – wieder auseinanderzugehen. Die drei Kurzgeschichten von Frey fesseln und begeistern die Zuhörerinnen. Die Lesung mit Frey soll in der wärmeren Jahreszeit im Grünen nachgeholt werden.

Die Leiterin der Bücherei stellt noch einige Bücher vor, die sie den interessierten Leserinnen besonders empfiehlt. Dazu zählt „Frag nach Jane“ von Heather Marshall, ein Besteller aus Kanada. „In dem Buch geht es um das Thema Schwangerschaftsabbruch in den 70er-Jahren in Kanada, um Schmerz, die Folgen, die Probleme, aber auch um das Recht am eigenen Körper mit dem Fazit, dass man nicht über jemanden urteilen soll, bevor man mit ihm gesprochen hat“, beschreibt Rogozinski das Buch. In „Halbwertszeit von Glück“ von Louise Pelt wird die bewegende Geschichte von drei Frauen erzählt, die versuchen für sich zu klären, was eigentlich Glück bedeutet. In „Der Pakt der Frauen“ von Julia Kröhm geht es um zwei Frauen, zwei Leben, aber eine Geschichte, die Mut macht.

„Nacht der Bibliotheken“ im April

Außerdem empfiehlt Rogozinski „In Liebe, deine Paula“ (Lucinde Hutzenlaub), „Wir waren nur Mädchen“ (Buzzy Jackson), „Die Frauen jenseits des Flusses“ (Kristin Hannah), „Die Besucherin“ (Joy Fielding) und „Zwischen Ende und Anfang“ (Jojo Moyes). Rogozinski kündigt bereits für den 4. April die „Nacht der Bibliotheken“ an, die in Kerzenheim besonders gefeiert werden soll. Sie sagt: „Wir wollen einen tollen Film von einem tollen Buch anschauen, Stimmzettel mit Vorschlägen wird es demnächst geben.“

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