Donnersbergkreis „Kunden bemerken ihren Einfluss“

Totgesagte leben länger: Während regelmäßig das nahe Ende des bedruckten Papiers besungen wird, schaut Gunter Franck in eine Zukunft, in der Elektronik und Print nebeneinander existieren können. Zumindest macht der 59-Jährige diese Erfahrung in der Buchhandlung Franck. Wie das funktioniert, erklärte er Rebekka Sambale bei einem Gespräch im hauseigenen Literatur-Café des Geschäfts am Winnweilerer Marktplatz.
Nein, ich bestelle überhaupt nichts im Internet. Andere Leute machen das durchaus. Seit 110 Jahren gibt es nun die Buchhandlung Franck. Seit wann ist denn der Online-Versandhandel zu einer Konkurrenz für Sie geworden? Das merkt man seit zehn Jahren. Natürlich ist das eine direkte Konkurrenz, und es wäre kontraproduktiv, wenn ich selbst das noch unterstützen würde. Es gibt inzwischen sogar Buchhandlungen, die ihre Bücher über Amazon verkaufen. Wir haben selbst eine Homepage, wo die Kunden sich aussuchen können, ob die Bücher ihnen zugeschickt oder in die Buchhandlung geliefert werden. Die Zukunft wird sein, dass man beides macht. Ich habe gehört, dass Amazon beabsichtigt, auch stationäre Läden zu betreiben. Das ist dann eine sogenannte Multichannel-Strategie: einerseits stationär, aber auch im Internet. Das heißt, es ist heutzutage notwendig, als Buchhandlung auch eine Internetseite zum Bestellen anzubieten? Wir machen das seit über zehn Jahren. Das ist unbedingt erforderlich! Wir kriegen auf diesem Weg immer mehr Bestellungen. Eben gerade war eine Kundin aus Brüssel da, die hier aus der Gegend stammt. Die meinte, sie könnte sich die Bücher von uns ja auch nach Brüssel schicken lassen. So etwas betreut dann unsere Großhandlung für uns. Die machen auch den Versand. Nutzen denn viele Kunden den Versandservice? Etwa 70 Prozent unserer Internetbestellungen werden persönlich hier im Laden abgeholt. Warum das denn, wenn es doch auch bequemer geht? Im Internet ist das alles anonymer und unpersönlicher. Ich denke schon, dass die Leute mal sprechen wollen. Einige möchten auch lieber bar bezahlen. Sie wollen vielleicht ihre Daten nicht im Internet eingeben. Welche Kunden kaufen bei der Buchhandlung Franck? Eher die gezielten Sucher oder die spontanen Stöberer? Das kommt auf die Jahreszeit an. Vor Weihnachten kann man sagen: sowohl als auch. Da gibt es viele, die sich einfach inspirieren und beraten lassen. Seit 1974 arbeiten Sie hier. Hat sich die Kundschaft seitdem verändert? Nein, im Prinzip nicht. Wie sind keine Buchhandlung, die eine bestimmte Ausrichtung hat. Der Ort ist auch relativ klein. Wir müssen also sehen, dass wir alle Leute ansprechen. Normalerweise sagt man, dass man für eine Vollbuchhandlung mindestens 15.000 Einwohner haben sollte, damit es sich lohnt. In Winnweiler haben wir etwa 5000 Einwohner. Bei uns funktioniert das durch den Mix zwischen Büchern, Zeitschriften, Schreibwaren und Lotto. Wie sieht es mit den Verkaufszahlen aus? Da gibt es seit zehn Jahren einen Abwärtstrend. Seit diesem Jahr gehen die Zahlen zum Glück wieder nach oben. Haben Sie eine Erklärung dafür? Vielleicht hat es mit dem schlechten Image von Amazon zu tun. Damit, dass sich die Leute über die Arbeitsbedingungen dort Gedanken machen. Sie merken, dass sie durch ihr Einkaufsverhalten Vieles beeinflussen können – auch wie die Innenstädte aussehen, ob viele Geschäfte leer stehen, ob es Arbeits- und Ausbildungsplätze gibt und ob Steuern in Deutschland oder zum Beispiel günstig in Luxemburg bezahlt werden. Davon profitieren wir im Moment. Wie wird der Buchhandel in 50 Jahren aussehen? Schon zehn Jahre sind schwer abzuschätzen. Ich denke, das E-Book wird nicht das Buch ersetzen. Beides hat seine Berechtigung. Durch ein E-Book erspart man sich zum Beispiel, im Urlaub zehn Bücher mitzuschleppen. Der Sättigungsgrad auf dem E-Book-Markt ist noch nicht erreicht, aber der Steigungsgrad wird geringer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwann keine Bücher mehr gibt. Wir haben viele Kunden, die beides nutzen. Haben Sie zum Jahresende noch einen persönlichen Tipp für die Leser, die gerade Lust bekommen haben, mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen und zu lesen? „Kruso“ von Lutz Seiler (Suhrkamp Verlag). Das ist ein Roman, der zeitgeschichtlich sehr interessant ist. Er spielt auf Hiddensee und ist vor allem spannend für den, der sich für die deutsch-deutsche Geschichte interessiert.