Donnersbergkreis Kriegsfolgen und Kinobesuche

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„Eine Zeitreise durch die 50er Jahre in Wort und Musik“: Unter diesem Motto stand der Frauentag des protestantischen Dekanats Winnweiler, zu dem die Dekanatsvorsitzende des Ausschusses Frauen, Regina Mayer-Oelrich, rund 150 Gäste im Winnweilerer Festhaus begrüßen konnte. Geboten wurden viele Informationen über die Nachkriegszeit, aber auch jede Menge Unterhaltung.

Gemeindediakonin Elke Pfeiffer aus Dannstadt-Schauernheim zeichnete zu Beginn ihres Vortrags ein Bild der beginnenden 1950er Jahre. Die Schrecken des Krieges seien noch überall gegenwärtig gewesen. 2,5 Millionen Kinder waren Halbwaisen, 100.000 Vollwaisen geworden. Ein Drittel aller Kinder hatten Erlebnisse mit Flucht und Vertreibung, neun von zehn Kindern Bombardierungen erlebt. Es gab keine Zeit zum Trauern, kollektives Leid war an der Tagesordnung. Doch eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vermied man: Der Blick wurde ausschließlich in die Zukunft gerichtet. Vor allem die Frauen seien in jener Zeit gefordert gewesen: 5,3 Millionen Männer waren im Krieg gefallen, elf Millionen in Gefangenschaft geraten. Die Frauen haben – auch beruflich – oft die Positionen der Männer eingenommen. Als diese aus der Gefangenschaft zurückkehrten, wurden die Frauen oft wieder in ihre alten Rollen – Kirche, Kinder, Küche – zurückgedrängt. Nur mit Zustimmung ihrer Männer durften Frauen einem Beruf nachgehen – und wenn, dann waren es meistens einfache Tätigkeiten. Pfeiffer erinnerte auch an die Stars der damaligen Zeit: Kinobesuche waren ein günstiges Vergnügen, auf der Leinwand waren unter anderem Hans Albers, Heinz Rühmann und nicht zu vergessen Hildegard Knef mit ihrem Skandalfilm „Die Sünderin“ zu bewundern. Heimatfilme wie das „Schwarzwaldmädel“ lockten 14 Millionen Besucher in die Kinos. Mit dem aufkommenden Wohlstand gegen Ende des Jahrzehnts und dem Aufschwung des Fernsehens schwand das Interesse am Kino. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer erreichte, dass 1955 die letzten Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft zurück nach Deutschland kamen. Elke Pfeiffer schilderte gefühlvoll, welchen Eindrücken diese Männer ausgesetzt waren. Die Gefangenschaft hatte viele von ihnen verroht, der Überlebenskampf Spuren hinterlassen; ihr Charakter hatte sich geändert. Ganz still wurde es im Saal, als Elke Pfeiffer den Brief eines Spätheimkehrers verlas. Er offenbarte wie eng Freud und Leid beieinander lagen: Freude über die Freiheit und das Wiedersehen der Familie sowie der Heimat. Leid, den eigenen Sohn erstmals zu sehen und – hart geworden durch die zurückliegenden Jahre – nur schwer Zugang zu ihm zu finden. Munter wurden die Gäste, als Schlager der damaligen Zeit angespielt wurden. Schnell waren die Titel erraten – bei den „Capri Fischern“ oder „Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein“ stimmten viele Besucher mit ein. Mit dem schwungvoll vorgetragenen Kanon „Lasst uns miteinander“ hatte der Kirchenchor Winnweiler unter der Leitung von Gudrun Scherrer den Nachmittag eröffnet. Die Andacht, gehalten von Pfarrerin Ute Samiec, beruhte auf Versen aus Psalm 31: „Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Dekan Michael Pernt-Weigel erinnerte besonders an das Jahr 1955, als die protestantische Kirche in Winnweiler wieder ein Glockengeläut erhalten hat. Die alten Glocken waren in den Weltkriegen zum Herstellen von Munition geopfert worden. Weitere Grußworte sprachen Diözesanleiterin Gabriele Heinz, Bürgermeister Rudolf Jacob und die Gleichstellungsbeauftragten der Kreisverwaltung Ute Grüner. Mit den Paar-Tänzen Schöneberger, Mühlenpolka und Hetlinger Bandriter hat die schwungvolle Kirchheimbolandener Trachten- und Volkstanzgruppe unter der Tanzleitung von Stefanie Lang und dem Vorsitzenden Markus Gatti das Publikum begeistert. In ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Fachbeirates Frauen der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft, Kaiserslautern, berichtete Regina Mayer-Oelrich von bevorstehenden Jubiläen. Der Berta-Steinbrenner-Fonds, ein Bürgschaftsfonds der insbesondere finanziell in Not geratenen Frauen hilft, feiert am 9. Juli sein 20-jähriges Bestehen im Pfalzgrafensaal in Kaiserslautern. Ihr 90. Jubiläum begeht die Frauenarbeit in der Evangelischen Kirche der Pfalz am 14. September mit einem Festakt in der Alten Eintracht und einem Frauenmahl in der Stiftskirche in Kaiserslautern. Reges Interesse fanden eine Ausgabe der RHEINPFALZ vom 4. Mai 1954 und die große Kartenauswahl, die seitens der Marburger Medien bereitgestellt wurde. Mayer-Oelrich dankte den Gästen für die rund 400 Euro, die bei der Kollekte zusammengekommen sind. Mit den Spenden aus allen Dekanatsfrauentagen der Landeskirche soll eine Bildungseinrichtung für Frauen in der Partnerkirche Westpapuas unterstützt werden. Ein Teil des Geldes ist zudem für die Übernahme von zehn Ferien-Patenschaften für junge Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten gedacht. Dank sagte Mayer-Oelrich auch allen Mitwirkenden und Helfern des Frauentages – insbesondere dem Evangelischen Frauenkreis in Winnweiler. Mit dem von Gudrun Scherrer angestimmten Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ endete der kurzweilige und anregende Nachmittag. (red)

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