Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Krank, aber alle Hausärzte haben zu – was tun?

Die Notaufnahme sollte nur in echten Notfällen aufgesucht werden.
Die Notaufnahme sollte nur in echten Notfällen aufgesucht werden.

Wer an oder nach Weihnachten krank wird, hat schlechte Karten: Fast alle Hausärzte haben zu. Wo es noch Hilfe gibt, und warum man (meist) nicht in die Notaufnahme soll.

Es ist ein Alptraumszenario: Man ist krank. Richtig krank. Aber es ist gerade Weihnachten, zwischen den Jahren oder Silvester – und der Hausarzt hat zu. Die meisten anderen Hausärzte auch. Was tun? – In einer solchen Situation wählen viele Menschen im Land, auch im Donnersbergkreis, gerne die vermeintlich einfachste Lösung – und fahren ins Krankenhaus in die Notaufnahme.

Hier sind sie aber erstens keineswegs immer richtig, und sorgen zweitens dafür, dass die diensthabenden Ärzte und Pfleger dort wegen des Ansturms an ihre Grenzen kommen. Das Resultat: Patienten, die nicht in Lebensgefahr sind, müssen warten. Und warten. Und warten. Notfälle, also echte, gehen nun einmal vor. Das kann im Einzelfall dann auch mal zu aggressivem Verhalten seitens der Patienten führen. Auf jeden Fall aber zu Frust.

Für Nicht-Notfälle: Ärztliche Bereitschaftspraxis

Doch das muss nicht sein. Denn es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, medizinisch versorgt zu werden: in einer Ärztlichen Bereitschaftspraxis. Diese werden von der Kassenärztlichen Vereinigung getragen und sind zuständig für Beschwerden, die ärztliche Abklärung und Behandlung brauchen, aber eben nicht lebensbedrohlich sind. Patienten können entweder direkt eine Bereitschaftspraxis aufsuchen oder die bundesweit einheitliche Nummer 116117 wählen. Die Nummer hat keine Vorwahl, der Anruf ist kostenfrei und funktioniert sowohl über das Festnetz als auch über Mobilfunk. Sie ist rund um die Uhr erreichbar, und man kann in der Zentrale den Standort der Bereitschaftspraxen in der Nähe erfahren.

Für den Donnersbergkreis ist die Bereitschaftspraxis in Kirchheimbolanden zuständig. Sie befindet sich am Westpfalzklinikum, Dannenfelser Straße 36, funktioniert aber unabhängig von diesem. Weitere Praxen gibt es in den Nachbarlandkreisen, beispielsweise in Alzey, Grünstadt, Meisenheim oder Bad Kreuznach, längere Öffnungszeiten haben die Bereitschaftspraxen in den größeren Städten. Die Praxen haben nicht nur geöffnet, sondern bieten auch landesweit einen 24-stündigen Hausbesuchsdienst an. Ganz wichtig: Patienten werden gebeten, sich über die zentrale Nummer 116117 mit der nächstgelegenen Bereitschaftspraxis verbinden zu lassen.

Am besten erst den Rettungsdienst kontaktieren

In wirklich ernsten Fällen kann man aber nach wie vor die Notaufnahme im Krankenhaus aufsuchen. Die hat immer geöffnet. Jeden Tag, 24 Stunden lang. Um unnötige Verärgerung zu vermeiden, hilft es aber zu verstehen, wie dort gearbeitet wird. Zum Beispiel, dass Menschen mit lebensbedrohlichen Beschwerden immer Vorrang haben, egal wie lange ein anderer Patient schon gewartet hat. „In der Notaufnahme sollte man bei akut auftretenden Symptomen oder bei akuter Lebensgefahr vorstellig werden – sinnvollerweise sollte hier in der Regel vorab aber der Rettungsdienst kontaktiert werden“, erläutert Dennis Kolter, Pressesprecher des Westpfalzklinikums. Als Symptome nennt er Brustschmerz, Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krampf, Schlaganfall-Zeichen, starke Blutungen, schwere Verletzungen oder plötzlich sehr starke Schmerzen.

Mit anderen Beschwerden, etwa bei Fieber, Infekt, starken Schmerzen ohne Notfallzeichen, Ohr-, Hals- oder Bauchschmerzen sowie kleineren Verletzungen, wende man sich besser an die Ärztliche Bereitschaftspraxis. „Als Faustregel gilt: Bei Lebensgefahr die 112 wählen, ansonsten die 116 117“, so Kolter.

Was tun, wenn das Kind krank ist?

Ein besonderes Problem stellen immer wieder kranke Kinder dar, zumal sich Eltern hier sehr schnell große Sorgen machen. In Kirchheimbolanden und Rockenhausen gibt es keine ausgewiesene Kindernotaufnahme. „Mit Kindern und Jugendlichen sollte gegebenenfalls die Notaufnahme in unserer Kinderklinik in Kaiserslautern aufgesucht werden“, so Kolter. „Aber auch hier gilt: erster Ansprechpartner ist in der Regel die ärztliche Bereitschaftspraxis.“

Info

Die Notaufnahme am Standort Kirchheimbolanden des Westpfalzklinikums ist über die zentrale Rufnummer 06352 405-0 zu erreichen. Sie ist aktuell aufgrund der Baumaßnahmen am Krankenhaus nur über den hinteren Eingang zugänglich.
Die Notaufnahme am Standort Rockenhausen ist über die zentrale Rufnummer 06352 455-0 zu erreichen.
Die Ärztlichen Bereitschaftspraxen sind bundesweit unter 116117 zu erreichen.

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