VG Nordpfälzer Land
Kommunalwahlen: Warum die „Neuen“ Bürgermeister werden wollen
Viermal gibt es bei der Kommunalwahl am 9. Juni in der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land das Duell Amtsinhaber gegen Herausforderer. In Rockenhausen bekommt es Michael Vettermann (FDP; unterstützt auch von der CDU) mit Güngör Aydin zu tun – dieses Duell werden wir in den kommenden Tagen gesondert beleuchten.
Auch in der zweiten Stadt im VG-Gebiet, in Obermoschel, gibt es zwei Kontrahenten: Frank Wagner tritt gegen den aktuellen Bürgermeister Ralf Beisiegel an. Zum Zeitpunkt seiner Bewerbung habe es noch keinen Kandidaten für eine Direktwahl gegeben, betont Wagner. „Dann hätten die Moscheler niemanden wählen können – das hätte ich nicht gut gefunden“, so der 74-Jährige. Erst danach habe er erfahren, dass Beisiegel doch Stadtbürgermeister bleiben will. Vier Ziele nennt Wagner, die er im Fall seiner Wahl angehen will: ein Kita-Neubau in Obermoschel „an einem verträglichen Standort“; das geplante MVZ, das aufgrund des unerwarteten Fördermittelstopps „in den Seilen“ hänge, wieder voranzutreiben; die Suche nach einem geeigneten Stadtsaal beziehungsweise der Bau eines solchen. Nicht zuletzt möchte der Diplom-Mineraloge im Ruhestand die „unansehnliche Baulücke in der Wilhelmstraße so schnell wie möglich heilen“.
Seelen: Gleiches Duell wie 2019, aber jetzt in Urwahl
Rainer Degen gegen Ronny Kretschmer: Dieses Duell um den Posten des Dorfoberhaupts hat es in Seelen 2019 schon einmal gegeben – damals jedoch bei der Wahl durch den Gemeinderat, weil es für die Urwahl keinen Bewerber gegeben hatte. Kretschmer unterlag mit einer Stimme, wurde aber zum Beigeordneten gewählt und möchte es nun erneut versuchen – dieses Mal in Direktwahl. Sollte der 51-Jährige das Votum der Bürger erhalten, werde er sein „Augenmerk darauf legen, dass wir wieder mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt hinbekommen“, so der verheiratete Familienvater. Zwar sei es aufgrund der angespannten finanziellen Situation schwierig, größere Projekte umzusetzen. Aber gerade in Sachen Ortsbild hat sich nach Ansicht des selbstständigen Kfz-Mechanikermeisters in den letzten fünf Jahren relativ wenig getan. Daher habe sich nun ein Arbeitskreis gegründet, der die Bevölkerung für 26. Mai zu einem Treffen eingeladen hat. „Wir wollen versuchen, außerhalb der Pflichtaufgaben etwas für die Dorfverschönerung zu tun – zum Beispiel über Patenschaften“, so Kretschmer.
Der Begriff Neuling trifft auf Stefan Grünewald aus Niedermoschel nur sehr bedingt zu: In der vorletzten Wahlperiode hat er bereits drei Jahre lang in Vertretung des damaligen Ortschefs – seines erkrankten Onkels Berthold Grünewald – kommissarisch die Geschäfte der Gemeinde geführt. Dabei habe er festgestellt, dass ihm diese Aufgabe durchaus liegt. 2019 ist er dann jedoch in der Stichwahl Gunther Keller knapp unterlegen. Nun tritt er erneut gegen den Amtsinhaber an. Sollte er gewählt werden, möchte er sich dafür einsetzen, dass „die Bürger sich bei wichtigen Entscheidungen – etwa Windräder, die ihnen vor die Nase gestellt werden – mehr beteiligen können“. Etwas Weiteres, das ihm „auf der Seele brennt“, sei das leidige Thema Grundsteuer B: „Irgendwann muss Schluss sein mit den ständigen Erhöhungen. Es kann nicht sein, dass die Bürger auf dem Land immer mehr geschröpft werden.“ Nicht zuletzt stehe seit Jahren die Umsetzung eines behindertengerechten Eingangs zum Bürgerhaus auf der Agenda: „Das muss jetzt endlich gemacht werden.“
In Ransweiler treten zwei Neulinge an
Als einzige Gemeinde in der VG werfen in Ransweiler gleich zwei „Neue“ ihren Hut in den Ring: Katharina Weber und Tobias Hautz bewerben sich um die Nachfolge von Hans-Jürgen Wieland. Sie sei vor zehn Jahren aus Wetzlar nach Ransweiler gezogen, erzählt Weber – just in der Woche der verheerenden Flutkatastrophe im Moscheltal. „Ich kam als Städterin aufs Dorf und habe diesen wahnsinnigen Zusammenhalt hier erlebt – da kriege ich heute noch Gänsehaut.“ Das habe in ihr den Wunsch geweckt, sich ebenfalls für die Gemeinde zu engagieren. Seit 2019 gehört die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes dem Gemeinderat an. Die Arbeit dort mache ihr Spaß, „obwohl man von allen Seiten Grenzen gesetzt bekommt – besonders beim Haushalt“. Umso wichtiger sei es ihr, den Gemeinschaftssinn im Ort zu erhalten beziehungsweise noch zu verbessern, so die 45-Jährige, die als Selbstständige Deko-Artikel aus Holz anfertigt und sich ehrenamtlich in der Kitz-Rettung engagiert. „Es funktioniert nur Hand in Hand. Wir müssen etwas machen, damit das Dorf nicht einschläft oder kaputtgeht.“
Ihr Kontrahent Tobias Hautz sieht sich in der Gemeinde „sehr gut vernetzt“. Als verheirateter Vater einer zwölfjährigen Tochter und eines 20-jährigen Sohnes habe er einen guten Draht zum Nachwuchs im Dorf, aber auch Verständnis für die Belange der Älteren. Der 44-Jährige sieht sich daher als Bindeglied zwischen den Generationen. Auch ihm ist ehrenamtlicher Einsatz nicht fremd – sei es als Schöffe bei der Bundeswehr, wo er auch beruflich tätig ist, oder früher als Jugendfußballtrainer. Sollte er gewählt werden, will Hautz „alte, verkrustete Strukturen aufbrechen“. Ihm sei klar, dass große finanzielle Sprünge nicht drin sind, und bis die geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage Rendite abwirft, „ist noch eine Durststrecke von vier, fünf Jahren zu überwinden“. Deshalb sei bei der Umsetzung von Projekten die Beteiligung der Bürger notwendig. „Ich möchte mit innovativen Ideen frischen Wind in den Ort bringen.“
In 21 Gemeinden gibt’s nur Ja oder Nein
In 21 Ortsgemeinden ist die Sachlage eindeutig: Hier steht jeweils nur eine Person auf dem Wahlzettel, die Bürger können Ja oder Nein ankreuzen; der oder die jeweilige Kandidat(in) benötigt mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, um gewählt zu sein – was in aller Regel auch eintrifft. 17 Mal wollen die jeweiligen Amtsinhaber weitermachen (siehe Info am Ende des Textes), in vier Gemeinden handelt es sich bei den alleinigen Bewerbern um neue Gesichter.
Dazu zählt Anja Schwarz in Gundersweiler. Wobei die 48-Jährige kommunalpolitisch kein unbeschriebenes Blatt ist: Sie ist für die SPD-Fraktion im VG-Rat aktiv und fungiert in ihrer Heimatgemeinde als erste Beigeordnete. Nach der Ankündigung von Helmut Klein, am 9, Juni nicht mehr zu kandidieren, habe sie sich als Stellvertreterin „schon ein wenig in der Pflicht gefühlt“. Dennoch hat sie lange überlegt, ob sie Kleins Erbe antreten soll. „Es war keine leichte Entscheidung, aber ich habe im Ort viel Zuspruch erhalten. Und es muss ja weitergehen in der Gemeinde, es darf kein Vakuum entstehen“. Zumal in den vergangenen Jahren viel auf den Weg gebracht worden sei – gerade für den Gemeinschaftssinn gebe es „richtig gute Events“, so Schwarz, die als Konrektorin an der IGS Rockenhausen tätig ist. Dazu zählten das jährliche Straßenfest an Vatertag, aber auch die Hofweihnacht und das alle zwei stattfindende Sommerfest auf dem zu Gundersweiler gehörenden Messersbacherhof, wo Schwarz mit ihrem Mann lebt. „Wenn solche Veranstaltungen so gut ankommen, macht es auch Spaß. Aber man muss die Leute schon motivieren, weiter mit anzupacken – das wird nicht einfacher.“ Für den Fall ihrer Wahl will sie zusammen mit dem neuen Gemeinderat ein Thema angehen, dass „den Bürgern unter den Nägeln brennt“: Eine ordentliche Glasfaserversorgung sei dringend notwendig. „Ob und wie wir das bei unserer finanziellen Situation hinbekommen, muss man dann sehen.“
Münsterappel: Krebs will Pietzsch-Nachfolger werden
Im Alter von zwei Jahren ist Steven Krebs nach Münsterappel gezogen, sei hier mit seiner Familie sehr gut aufgenommen worden und habe „eine super Kindheit und Jugend verbracht“. Nun ist er selbst Vater eines zweijährigen Sohns und möchte seiner „Heimat etwas zurückgeben“, begründet der 40-Jährige, der verheirat ist und als Notfallsanitäter bei der Bundeswehr arbeitet, warum er die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden Gernot Pietzsch antreten will. Dem Gemeinderat gehört er seit 2019 an, war und ist vielfach ehrenamtlich in der Gemeinde aktiv: bei den Kerweborsch, in der Feuerwehr, im Vorstand des FSV Münsterappel. Gerade mit Blick auf seinen Sohn möchte er gemeinsam mit den Bürgern erreichen, „dass für die Kinder und Jugendlichen in Münsterappel wieder mehr getan wird“. Ideen hat er viele: etwa die Fertigstellung des Basketball- und Volleyballfeldes oder die Reaktivierung des Jugendraums. Aber auch die ältere Generation hat er im Blick. Ob Arbeiten auf dem Friedhof, die Sanierung der Fußgängerbrücke über der Appel oder die Organisation von Veranstaltungen, bei denen Jung und Alt zusammenkommen: Krebs möchte etwas bewegen, setzt dabei angesichts des geringen finanziellen Spielraums auf freiwilliges Engagement der Einwohner. Er selbst möchte „mit gutem Beispiel vorangehen“.
Das Thema Bürgerbeteiligung hat auch Andre Sittel in Niederhausen auf der Agenda stehen. Er folgt – seine Wahl vorausgesetzt – auf die langjährige Ortschefin Jutta Kreis, die nicht mehr antritt. „Es war im Ort nicht wirklich jemand erkennbar, der die Aufgabe übernehmen will. Und bevor es niemand macht, stelle ich mich zur Verfügung“, so der 33-Jährige, der in Kaiserslautern Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Zwei Gründe gaben den Ausschlag gegeben: Zum einen ist er seit 2019 Mitglied im Gemeinderat, die Arbeit mache ihm Spaß; zum anderen haben ihm Personen, die am 9. Juni auf der Empfehlungsliste für den Rat stehen, im Falle ihrer Wahl Unterstützung zugesagt. Sollte er Ortsbürgermeister werden, möchte Sittel „die Menschen ein bisschen mehr zusammenbringen und ermutigen, sich wieder stärker zu engagieren – das war etwas rückläufig“. So schwebt ihm vor, die Bürger in Entscheidungen einzubinden, sie etwa – „sei es in Präsenz oder online“ – über verschiedene Varianten abstimmen zu lassen. „Ein fertiges Konzept dafür habe ich aber noch nicht, das würde ich mir dann nach meiner Wahl überlegen“, so Sittel.
Winterborn: Der „Kommissarische“ will’s weiter machen
Völliges Neuland ist die Aufgabe für Thomas Häffner nicht: Als erster Beigeordneter hat er den bisherigen Winterborner Ortsbürgermeister Ingo Klein vertreten – nachdem dieser sein Amt Ende 2023 wegen Wegzugs hatte niederlegen müssen, hat Häffner den Posten kommissarisch übernommen. Nun tritt der 60-Jährige in Urwahl an: „Da es immer weniger Ehrenämtler gibt, möchte ich trotz beruflicher Auslastung mit gutem Beispiel voran gehen – in der Hoffnung, später auch mal Jüngere als Nachfolger zu gewinnen.“ Wichtig ist dem verheirateten Vater zweier erwachsener Söhne, dass Winterborn weiter gut dastehe, die Bürger zur Gemeinschaft im Ort beitragen und diese gestärkt werde. Sollte Häffner, der Geschäftsführer einer eigenen Ingenieurgesellschaft ist, wie erwartet gewählt werden, möchte er begonnene Projekte fortführen. Dazu zählten die Neugestaltung des Spielplatzes sowie die Sanierung des Gemeindehauses und der Heinrich-von-Brunck-Halle, auch fehle ein Feuerwehrhaus. „Es gibt reichlich zu tun, ich hoffe auf weiterhin großer Unterstützung.“
Info
In folgenden Gemeinden tritt einzig der aktuelle Amtsinhaber beziehungsweise die Amtsinhaberin wieder an: Alsenz (Karin Wänke), Bisterschied (Rolf Sundheimer), Dielkirchen (Karin Cramme-Renner), Gaugrehweiler (Romy Heblich), Gerbach (Daniel Heinz), Gundersweiler (Anja Schwarz), Imsweiler (Peter Ziepser; WG Ziepser), Kalkofen (Christoph Küsters), Katzenbach (Volker Köhler), Oberndorf (Claudia Linn), Ruppertsecken (Siegmar Portz), Schönborn (Nadja Müller), Sitters (Kurt Enders), Stahlberg (Bernd Wirth), Teschenmoschel (Sabine Küsters), Unkenbach (Frank Müller); dazu kommen die Rockenhausener Ortsteile Dörnbach (Georg Nickel) und Marienthal (Thomas Bauer).
In zwölf Gemeinden der VG wird es mangels Bewerbern am 9. Juni keine Urwahl geben. Hier wird der Ortschef dann vom neuen Gemeinderat gewählt.