Donnersbergkreis Knapp, aber rechtzeitig

Alles gut überstanden: Kim Hakobyan aus Armenien wurde seit Oktober dreimal am Westpfalz-Klinikum operiert. Sein Onkel, der in Hochspeyer wohnt, hat die Ärzte um Hilfe gebeten. Die Nieren des 16-Jährigen waren am Ende. Jetzt ist er gesund, Weihnachten feiert er daheim.
Es hätte schlimm ausgehen können, ganz schlimm. Wäre nicht der Onkel gewesen, der sich mit Mut und Verzweiflung für seinen Neffen ins Zeug gelegt hat, könnte Kim heute tot sein. Der 16-jährige Schüler aus Armenien wurde knapp zwei Monate lang im Westpfalz-Klinikum behandelt, dreimal an Nierensteinen operiert und kann am 21. Dezember wieder in seine Heimat zurückfliegen. Weihnachten feiert er bei seiner Familie. Gesund. Im März wurde Kim Hakobyan in seiner Heimat medizinisch auf seine Militärtauglichkeit untersucht. Mit 18 Jahren muss man in Armenien zum Militärdienst einrücken. Dabei stellten die Ärzte eine „schlimme und schwierige Nierenerkrankung“ fest, erzählt Ruben Tigranyan, der Onkel, dem immer wieder die Tränen in den Augen stehen. Guter Rat war im wahrsten Sinne des Wortes teuer, denn in Armenien gibt es keine Krankenversicherung. Kim und seine Familie − er hat noch einen zwei Jahre älteren Bruder, der momentan beim Militär ist − hätten ihre Wohnung verkaufen und zusätzlich einen Kredit aufnehmen müssen. Der Onkel, der in Hochspeyer lebt, schildert, dass die Familie seiner Schwester in einer Zweizimmer-Wohnung im siebten Stock lebt. Die hätten sie verloren, wenn Kim in seiner Heimat behandelt worden wäre. Professor Hagen Loertzer, Chefarzt der Urologie am Westpfalz-Klinikum, erklärt, dass Kim mit einer extrem eingeschränkten Nierenfunktion hier angekommen sei. Bei Kim habe der Abfluss des Harns nicht mehr funktioniert, ein permanenter Rückstau in die Nieren sei die Folge gewesen und im weiteren Verlauf hätten sich die Nieren mit Steinen gefüllt. Zudem habe der junge Mann eine sogenannte Hufeisenniere. Beide Nieren, die normalerweise nebeneinander liegen, sind in dem Fall miteinander verwachsen. Kim war extrem nahe an einer Blutvergiftung. Ohne ärztliche Hilfe hätte es zudem passieren können, dass er ein Leben lang an der Dialyse hätte hängen müssen. Im schlimmsten Fall hätte er an dem Steinleiden sterben können. In seiner Not wandte sich der Onkel in der Urologie an den Leitenden Oberarzt Manfred Wachter, schilderte ihm die Not seiner Familie. Das Klinikum beratschlagte, wog ab und sagte aus humanitären Gründen eine kostenlose Behandlung des Jungen zu. Ruben Tigranyan bat die armenische Gemeinde um finanzielle Hilfe, damit sie den Flug nach Deutschland für Kim und seine Mutter bezahlt. Wohnen konnten die beiden beim Arbeitgeber des Onkels, der als Haustechniker im Waldhotel Eisenberg arbeitet. Fast elf Stunden wurde der 16-Jährige im Klinikum insgesamt operiert, weiß der Onkel auswendig, dreimal narkotisiert, alle Steine rausgenommen. Urologie, Kinderklinik und Anästhesie arbeiteten Hand in Hand. „Wir haben relativ schnell die Notbremse gezogen“, schildert Loertzer. Zwar seien Kinder sehr widerstandsfähig, sie halten lange durch, „aber irgendwann macht es klick“. Kims Haut sei schon ganz grau und picklig gewesen. Kim, der kein Deutsch spricht, freut sich darauf, mit seiner Mutter nach Hause fliegen zu können. Sie sind eine „glückliche Familie“, sagt der Onkel, der seit 2001 in Hochspeyer lebt. Bis zum Sommer besucht Kim noch die Schule, dann kommt das Militär, danach will er eine Ausbildung zum Zahntechniker machen. Kim geht es gut, er sieht gesund aus. Aufmerksam hört er dem Gespräch zu und auf die Frage, wie es ihm geht, sagt er: „Gut“. Und er sagt: „Danke.“