Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Klugscheißersprüche, Matschbirnen und senile Bettflucht: Die Wahlnachlese

Da haben wir für Sie ein bisschen Lesestoff produziert. Mit Pizza, Pasta und Punktlandung.
Da haben wir für Sie ein bisschen Lesestoff produziert. Mit Pizza, Pasta und Punktlandung.

So liefen der Wahlsonntag und die Tage danach in der Redaktion der Donnersberger Rundschau.

Eigentlich müssten wir nun fette rote Kreuze an die frisch geweißten Wände unserer Redaktion pinseln. Denn: Ein Großteil der Wahl ist geschafft. Und auch wenn die Arbeit für uns wie für die Gremien weitergeht, sagen wir: Jippieh! Seit Sonntag herrschte nämlich Ausnahmezustand an unseren Schreibtischen – und für drei von sechs von uns war die Kommunalwahl in einer Lokalredaktion echtes Neuland. Und dann gleich mit der Wahl von zwei Stadtbürgermeistern, Kreistag, Stadträten, Verbandsgemeinderäten und Ortsbürgermeistern. Ab 16 Uhr waren wir am Sonntag in Hab-Acht-Stellung in Erwartung der Ergebnisse, schrieben Reportagen, schauten in Rathäusern vorbei, fingen telefonisch Stimmen ein und beobachteten unermüdlich Prognosen, Hochrechnungen und Diagramme. Für 21 Uhr hatten wir uns Pizza und Pasta bestellt – in naiver Hoffnung, ein paar Minuten Zeit zum Essen zu haben. Stattdessen kauten wir am Schreibtisch und tippten nebenbei Prozentpunkte in den Computer.

Kollege Rainer Knoll war leider nicht dabei, er weilte in Rockenhausen. Vorher hatte er jedoch angekündigt, dass seine Frau sowieso besser kochen würde. Ob er überhaupt Zeit zum Essen hatte, wissen wir bis heute nicht. In Rockenhausen tröpfelte manches Ergebnisse nur langsam ein. Das macht mürbe. In Kirchheimbolanden auch, und hier kämpften wir zu viert unter anderem damit, sämtliche gewählten Ortsbürgermeister schön auf einer Seite zu platzieren. Ein einziger fehlte am Ende.

1.30 Uhr knipsen wir die Lichter aus

Um 0.22 Uhr schickten wir die letzte Printseite der Donnersberger Rundschau ins Druckzentrum nach Ludwigshafen. Kurz wollten wir durchschnaufen, uns auf die Schultern klopfen und die Füße auf den Tisch legen. Pustekuchen. Das Internet schläft auch nie, und so aktualisierten wir die Texte über die Stadtbürgermeister noch auf unserer Homepage und der lokalen Facebook-Seite. Das ist nicht mit drei Mausklicks erledigt. Vor allem nicht mit müden Augen. Alle journalistischen Angebote in der gedruckten Zeitung und online zu bieten, das war an diesem historischen Wahlabend unser Ziel. Ganz reibungslos lief es natürlich nicht, der eine oder andere technische Stolperstein lag plötzlich im Weg, aber gegen 1.30 Uhr knipsten wir in den Büros die Lichter aus. Erfüllt, erleichtert, erschöpft.

Montagmorgen. Kollege Tommy Rhein fragte schon um 8.07 Uhr im redaktionsinternen Chat süffisant: „Na? Alle ausgeschlafen?“ Die Antworten fielen unterschiedlich aus, und ich möchte behaupten, dass die, die Wörter wie „topfit“ in die Tastatur hämmerten, gedanklich im Fitnessstudio oder auf dem Rennrad weilten. Trotzdem reichte es nach der sehr kurzen Nacht bei allen schon für lustigen Small-Talk über die Betreuung von Enkelkindern, senile Bettflucht und Klugscheißersprüche darüber, was ein vierfacher Espresso in Sachen Müdigkeitsbekämpfung angeblich nicht zu leisten vermag.

Montag geht’s richtig rund

Danach ging es an die Arbeit; wir trafen uns zur Konferenz in der Schlossstraße in Kirchheimbolanden. Vorab war mir angekündigt worden, dass der Tag nach der Wahl noch stressiger werden würde als der Sonntag. Hab ich natürlich erstmal nicht geglaubt – bis zu dieser Woche. Am Montag ging’s nämlich für alle nochmal richtig rund: recherchieren, telefonieren, nachhaken, kommentieren, einordnen. Fotos suchen, Namen vergleichen und vor allem Grafiken bestellen, damit Sie, liebe Leser und Leserinnen, auf den schnellen Blick sehen, wie ihr Ort gewählt hat. Wir überlegten, wer gute Gesprächspartner zum Wahlausgang sein könnten, diskutierten über Ergebnisse, Wahlsieger und -verlierer und welche Schwerpunkte wir setzen wollen. Zwischendurch erfolgte ständig die Absprache mit den Online-Kollegen, was wann wie wo platziert werden könnte, um bestmöglichen Service und viele Informationen zu bieten. Und immer wieder stellte sich mir die Frage: Haben wir was übersehen? Woran müssen wir heute oder morgen denken? Ich glaube, die (erfahrenen) Kollegen rollten heimlich mit den Augen, wenn ich wieder einen Satz mit „Eigentlich ...“ begann.

Am späten Nachmittag füllten sich die Zeitungsseiten langsam, die Birne fühlte sich matschig an, dafür waren die Nerven angespannt wie Drahtseile. Kaffee und Cola taten ihr Übriges; für Schnaps war keine Zeit. Wieder hatten wir die Chance bekommen, die Printausgabe der Donnersberger Rundschau ungewöhnlich spät andrucken zu dürfen, um 22.55 Uhr. Die Journalisten in uns jubelten („juhu, wir können ganz viel mitnehmen“), die müden Geister in uns gähnten schon beim Gedanken an ein Kopfkissen.

Finzelige Detailarbeit

Dienstag. Der heißt bei mir künftig nur noch Fleißdienstag. Wir hatten uns vorgenommen, alle neuen (und alten) Mitglieder der Gemeinderäte mit Stimmenanzahl zu veröffentlichen. Damit Sie nachschauen können, wie ihr Ort gewählt hat und wie die Nachbargemeinde gewählt hat und die, in der Sie vielleicht mal gewohnt haben oder wo Sie jemanden kennen. Das ist schöner Schmökerstoff für Abonnenten – und finzelige Detailarbeit für Redakteure. Wer das geschafft hat, darf auch drei fette rote Kreuze machen.

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