Kirchheimbolanden
Klinikum: Ab Ende Juni Zugang durch eine andere Tür
„Es war schon laut ...“ Wenn Manuel Matzath, Regionaldirektor des Westpfalz-Klinikums am Standort Kirchheimbolanden, das sagt, spricht er von den vorbereitenden Arbeiten für den ersten Bauabschnitt der Krankenhaus-Erweiterung. Gleichzeitig ist er froh, dass „es bislang keine Beschwerden gab“. Das liege daran, dass die Mitarbeitenden nah an den Patientinnen und Patienten seien. Ein ebenso starker Faktor sei aber, „dass sich einfach viele auf die Zukunft freuen“ – und die Anwohner „uns einen großen Vertrauensvorschuss gegeben haben“.
Die Zukunft hat für das Kirchheimbolander Krankenhaus im Herbst 2024 mit dem symbolischen Spatenstich begonnen – nach acht Jahren Vorarbeit und zig Gesprächen im rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium. Am Ende stand ein Bauprojekt in vier Abschnitten, der erste umfasst 50 Millionen Euro und wird mit knapp 43 Millionen Euro vom Land gefördert: Auf dem Gelände der früheren Radiologie entsteht ein Erweiterungsbau, der bis 2027 bezugsfertig sein soll. Im Gegenzug wird der Standort Rockenhausen geschlossen, Innere Medizin und Geriatrie ziehen nach Kirchheimbolanden um.
Nur noch ein Standort
Dass sie dann räumlich mit der Chirurgie zusammen untergebracht sind, hatte auch der neue Chefarzt am Standort Rockenhausen, Hermann Braun Lambur, Anfang dieses Jahres als großen Vorteil gewertet. Die Innere Medizin helfe, eine letzte Lücke in der Versorgung am Standort Kirchheimbolanden zu schließen, formuliert es der Regionaldirektor. Zumal der Gesetzgeber eine Trennung wie bisher nicht mehr erlaube.
Nach den Vorarbeiten soll bis Ende August die Baugrube für den Erweiterungsbau ausgehoben sein, ab Oktober der Rohbau folgen. Deshalb steht ab 30. Juni eine Änderung im Alltagsbetrieb an: Patienten, Mitarbeiter und Besucher können nicht mehr durch den Haupteingang ins Klinikum. Als Ersatz dient, laut Architekt Markus Deckert vom Referat Bau- und Anlagenmanagement der Westpfalz-Klinikum GmbH voraussichtlich bis Ende 2025, der Eingang auf der anderen Seite nahe des Medizinischen Versorgungszentrums.
Neuer Haupteingang mittig
Nach der langen Vorplanung kann der Regionaldirektor die Einweihung kaum erwarten. „Das wird ein schönes Krankenhaus“, ist Manuel Matzath überzeugt. Der Haupteingang wird künftig in der Mitte des Bettenhauses liegen, wodurch der schnelle Zugang zu den Aufzügen, der Pforte und der Notaufnahme gewährleistet sein soll. Die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung rückt näher an diesen Haupteingang heran. Auf einer Ebene mit den OPs werden alle lebenskritischen Bereiche, wozu unter anderem die dann drei Kreißsäle und die Intensivstation zählen, liegen. Das zweite Obergeschoss dient vor allem der Pflege, neben Zwei-Bett-Zimmern soll es laut Matzath ausreichend Einzelzimmer geben.
Unabhängig von den Bauarbeiten geht bereits zum 1. September das neue Konzept „Hebammen-geleiteter Kreißsaal“ an den Start. Ab dann ist eine Geburt möglich, die selbstständig von zwei Hebammen begleitet wird. Möglich wird das auch deshalb, „weil wir so viele Hebammen wie noch nie haben“, beschreibt es der Regionaldirektor. 20 Frauen gehörten aktuell zum festangestellten Team. Für das neue Konzept lägen bereits etliche Anmeldungen vor.
Bunt wie das Leben
Darauf freut sich ebenso die Leitende Hebamme Cindy Paulus. Nahezu ins Schwärmen gerät sie aber dann, wenn sie von den künftigen Kreißsälen und der Wöchnerinnenstation berichtet. Unter ihrem Leitspruch „Wir sind so bunt wie das Leben“ seien die Hebammen in das Konzept eingebunden worden. Es geht um Materialien, Farbe und Licht, um eine Atmosphäre, die den werdenden Müttern das Gefühl gibt, gut aufgehoben zu sein. Das gelte auch jetzt schon, sagt Matzath, doch seien Kreißsäle und Station naturgemäß in die Jahre gekommen. Der Donnersbergkreis spielte bei dem Konzept eine große Rolle. Der Heimatbezug war den Hebammen wichtig, die Elemente Wald, Wasser, Sonne sollten sich in der Ausstattung widerspiegeln, „das Flair unserer Heimat“, wie es Paulus auf den Punkt bringt.
Bereits ab September soll der zweite Bauabschnitt geplant werden, der ein zweites Gebäude und die erweiterte Notaufnahme umfasst. Markus Deckert rechnet mit rund anderthalb Jahren Bauzeit. Danach geht es an den Bestand: Unter anderem die Bettenstation soll saniert werden. Vielleicht rankt sich zu jenem Zeitpunkt bereits das Grün am Krankenhaus hoch, das der Fassadengestaltung dienen soll. Ausreichend schnell an Baufirmen zu kommen, dafür rechnet sich Deckert aktuell gute Chancen aus: „Im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren hat sich die Lage etwas entspannt.“ Aufwendig wie immer seien hingegen die Planungsarbeiten und europaweiten Ausschreibungen.