Donnersbergkreis Klingende Hommage an Peter Michael Braun
KIRCHHEIMBOLANDEN. Anlässlich des 80. Geburtstages des in Falkenstein lebenden Komponisten Peter Michael Braun fand am Sonntag im Kreishaus ein Kammerkonzert statt. Es avancierte zu einer klingenden Hommage an den Komponisten, der selbst das Konzertprogramm zusammenstellte; und zwar so, dass es neben repräsentativen eigenen Kostproben auch zwei Komponisten Reverenz erwies, die ihn biografisch geprägt haben: Johann Sebastian Bach als Urvater der abendländischen Musik und Frank Martin, Brauns Kompositionslehrer.
Es musizierten der mehr als 40 Jahre in Diensten der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz konzertierende Flötist Joachim Schmitz – in Personalunion Dozent der Musikhochschule Mannheim – und an seiner Seite Wolfgang Müller-Steinbach, der zur gleichen Zeit (1971-2012) an dieser Hochschule als Professor für Musiktheorie gewirkt hat. Zum Auftakt erklang die Bach-Sonate in h-Moll im Spannungsfeld eines locker, geschmeidig und sanglichen Flötenparts mit sanftem leicht schwingendem Vibrato. Dagegen wirkte der Klavierpart bisweilen etwas statisch, trocken und schwer (im Sinne von zu akzentbetont), was für den Kopfsatz mehr, für das folgende beseeltere Largo weniger gilt. Insgesamt wäre ein lockerer Leggiero-Anschlag für die Begleitung des hier kantablen Flötenparts mehr angemessen. Die gestochen klar artikulierten Flötenpassagen im Presto mit den anfangs großen Intervallsprüngen entsprachen dann präzisen Abläufe im Klavier: in punktgenauer Übereinstimmung, allerdings klanglich im Konzertflügel zu dominant. Das erste aufgeführte Werk von Peter Michael Braun – der informativ durch das Programm führte – war eine Art „Programm-Musik“ für Altflöte solo mit dem Titel „Regenbogen“ und 1992 in Frankreich entstanden. Dabei hörbar von französischen impressionistischen Traditionen inspiriert. Joachim Schmitz bewältigte die sofortige Umstellung von der Querflöte auf die Altflöte mit deren anderer Ansprache und weiterer Mensur nahtlos. Ließ den weit ausschwingenden Kantilenen immer wieder grazil verspielte arabeske Girlanden und Verzierungen folgen, alles in superber tonlicher Ausgewogenheit, und setzte mit Akribie und Esprit die Partitur um. Obwohl Martin eine seiner Studentinnen – eine Flötistin – heiratete, hat er bei der Vielzahl an Kammermusikwerken nur eine Komposition für Flöte und Klavier hinterlassen. Diese 1939 entstandene Ballade zeigt schon nach den ersten spätromantisch inspirierten Werken die typische Synthese aus Zwölftontechnik und tonaler klassizistischer Musik. Er nutzte ebenfalls die sangliche Seite des Instruments, das Schmitz in wunderbar gedeckten, niemals schrillen sondern pastosen Klangfarben auslotet. Allerdings scheint auch dieses Werk alle spieltechnischen Ressourcen des Instruments zu mobilisieren, entdeckt alle Facetten des Ausdrucks und erinnert an die romantischen Charakterstücke. Hier erwies sich Müller-Steinbach als ein adäquater Klangpartner. Bei der letzten Aufführung machte der Komponist P. M. Braun aus der Not eine Tugend: Nach eigenen Worten fiel seine Oper „Die Schöne Lau“ immer wieder durch, und das bewog ihn, stattdessen eine Fassung für Flöte und Klavier zu schreiben, mit dem Themenmaterial und einem sehr farbigen Klavierpart, der orchestrale Opulenz verströmt und ein Höchstmaß an Charakterísierungskunst abverlangt, was Müller-Steinbach souverän realisierte. Vielleicht warf die Beurteilung dieser Opern-Musik ihr retrospektive, retardierende Tendenzen vor. Zu Unrecht! Für den Flötisten war diese Reihung enormer spieltechnischer Hürden in der Charakterisierung eines Opernsujets eine immense Herausforderung, und es gelang eine atemberaubend perfekte und subtil auf den Klavierpart abgestimmte Glanzleistung sondergleichen.