Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Klimaschutzmanager arbeiten trotz Corona-Krise weiter an einer anderen Krise

Die Klimaschutzmanager des Donnersbergkreises, von links: Reiner Bauer, Klaus-Dieter Jacubasch, Katharina Russy und Lena Gilcher
Die Klimaschutzmanager des Donnersbergkreises, von links: Reiner Bauer, Klaus-Dieter Jacubasch, Katharina Russy und Lena Gilcher.

Vor lauter Corona gerät ein andere große Krise fast schon in Vergessenheit: der Klimawandel. Der Donnersbergkreis hat in den vergangenen Jahren Maßnahmen zum Klimaschutz erarbeitet; seit Ende 2019 sind drei Klimaschutzmanager mit dem Thema befasst. Auch ihre Arbeit wird durch Corona erschwert.

„Denk weiter“ ist das Klimaschutzkonzept des Donnersbergkreises überschrieben – und es ist ein echtes Mammutprojekt. Allein ein knappes Jahr hat es gedauert, es zu erstellen, unzählige Daten wurden dabei erhoben, Bürgerforen und Bürgerbeteiligungen durchgezogen, Workshops und ein Klima-Café auf die Beine gestellt. Am Ende dieses Prozesses stand ein rund 50 Maßnahmen umfassendes Konzept, das der Kreistag 2018 beschlossen hat, und das unheimlich viele Bereiche umfasst, von der Landwirtschaft über den ÖPNV bis hin zu Privathaushalten oder der Wirtschaft. Wenn diese Maßnahmen konsequent umgesetzt würden, könne der Kreis bis 2030 bis zu 66 Prozent CO² einsparen. So die Idee. Um diese Idee auch in die Tat umzusetzen, hat die Kreisverwaltung Ende 2019 drei Klimaschutzmanager angestellt. Die Personalkosten trägt für die kommenden drei Jahre zu 90 Prozent der Bund; das Geld kommt dabei vom Umweltministerium. Möglich sogar, dass das Projekt anschließend um zwei Jahre verlängert wird.

Das Team der Klimaschutzmanager besteht aus drei Spezialisten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Katharina Russy (Weitersweiler) ist Architektin, sie kümmert sich vornehmlich um Energiethemen im Bereich Bauen und Wohnen. Sie hat ihr Büro in der Karl-Ritter-Schule. Dort ist sie Ansprechpartnerin für Bewohner der VG Kirchheimbolanden und Göllheim. Mit Wirtschaft und Erneuerbaren Energien beschäftigt sich der Eisenberger Klaus-Dieter Jacubasch, der im Rathaus der Verbandsgemeinde Eisenberg angesiedelt ist. Auch er ist für die Göllheimer sozusagen mitzuständig. Und Lena Gilcher (Merzweiler/Kusel) schließlich ist mit dem umfangreichen Thema Umweltpädagogik betraut; sie ist in der VG-Verwaltung in Winnweiler zu erreichen.

Im Kreishaus ist dieses Trio überraschenderweise nicht dem Umweltressort zugeteilt, sondern der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung. Kein Widerspruch, wie deren Leiter Rainer Bauer findet: „Erfolgreicher Klimaschutz hat auch etwas mit Wertschöpfung zu tun“, sagt er, und es klingt nicht wie eine Phrase. Der Mann ist überzeugt. Im Grunde, so sagt er, gehe es darum, Win-Win-Situationen zu schaffen. Klimaschutz, gerade wenn man Energieeffizienz denkt, könne durchaus wirtschaftlich sinnvoll sein, egal ob für Privatleute oder Unternehmen. „Man muss die Leute da mitnehmen“, sagt Bauer. Denn wichtig sei natürlich, dass die Akteure, mit denen man zu tun hat, ähnlich denken, seien es Unternehmer oder Privatleute. Bisher, so die Erfahrung der Klimaschutzmanager, sei die Akzeptanz da. Man greife gerne auf Rat und Expertise des Trios zurück. Das gelte vor allem für kleinere Betriebe und Privatleute. „Die größeren Unternehmen haben da ja meist eigene Berater für“, so Bauer.

Man wartet allerdings nicht nur darauf, angesprochen zu werden. Man zeigt sich. Einige Projekte aus dem Klimaschutzkonzept sind ja auch schon am Laufen. Die Energiekarawane im Verbund mit der rheinland-pfälzischen Energieagentur ist etwa auch schon durch Eisenberg gezogen. Hier wurde Betrieben Energieberatung angeboten. Auch bei der „Klikk“-Initiative, die Klimaschutzinitiativen in den Dörfern anschieben soll, waren die Klimaschutzmanager unterstützend dabei. Und dann sind da ja sechs Klimatreffs übers Jahr verteilt kreisweit geplant. Der erste fand im vergangenen Februar in Bennhausen statt. Ein sogenannter Thermospaziergang wurde dort auf die Beine gestellt; gemeinsam mit einem Energieexperten von der Landesverbraucherzentrale nahmen die Klimaschützer die Häuser von Bürgern unter die Lupe und gaben Hinweise, wo denn dort Wärme-Lecks zu finden seien. Tipps, wie man die Gebäude energieeffizient saniert, gab’s im Anschluss obendrein. „Jetzt im April hatten wir eigentlich einen Klimatreff in Eisenberg geplant gehabt, es wäre der erste hier gewesen. Den mussten wir wegen Corona natürlich absagen“, so Klaus-Dieter Jacubasch. Man hoffe nun, dass derlei Veranstaltungen in diesem Jahr wieder möglich sein werden; ansonsten müsse man sich Alternativen, vielleicht auch im digitalen Bereich, überlegen.

Ob das Thema Klima während beziehungsweise nach Corona wieder auf die Tagesordnung kommt? „Auf jeden Fall, das Problem verschwindet ja nicht einfach. Meine Hoffnung ist, dass sich die Menschen durch die Corona-Krise bewusst werden, wie eng alles mit allem verknüpft ist und dass der Mensch pfleglich mit der Umwelt umgehen muss. Da bin ich optimistisch. Vielleicht wird da gerade das Bewusstsein geschärft“, so Jacubasch. Und Bauer fügt hinzu: „Gut möglich, dass man durch diese Krise erkennt, was alles gehen kann - und das auch das lokale beziehungsweise regionale wieder mehr in den Fokus rückt.“ Den lokalen Handel würde das sicher freuen. Klimaschutz und Wirtschaft - womit man wieder bei der Win-Win-Situation wäre.

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