Donnersbergkreis Kleineres Budget, kleineres Festival
Ohne die BASF als Sponsor fällt das Wormser Festival Wunderhoeren für Alte Musik in diesem Jahr sehr viel kleiner aus als zuletzt. „Der Programmumfang musste reduziert und mehr in Kooperationen umgesetzt werden“, bestätigt der Wormser Kulturkoordinator Volker Gallé auf Anfrage. 25.000 Euro umfasst das Budget nur noch. Im Vergleich: 2015 waren es noch 180.000 Euro, von denen die Stadt Worms 60.000 Euro getragen hat.
Seit 2011 findet das Festival Wunderhoeren statt. Es bietet Alte Musik und Literatur von der Antike bis zur Renaissance an historischen Orten. Höhepunkt dürfte am 2. September um 17 Uhr in der Wormser Magnuskirche der Auftritt des britischen Ensembles Conductus werden. Einer der drei Tenöre ist John Potter, der 2011 nach 27 Jahren das Hilliard Ensemble verließ, um sich seiner Lehrtätigkeit an der Universität York zu widmen. Roger Covey-Crump war bis zuletzt Mitglied des Hilliard Ensembles, das sich 2014 auflöste. Christopher O’Gorman trat schon mit den Gothic Voices auf. Das Konzert ist Teil der Kultursommerreihe „Via mediaeval“. In ihrem Programm „Heilige, Sünder und Jungfrau Marias“ singt das Ensemble Conductus Musik des 12. Jahrhunderts. Ihr Programm basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die variantenreichen organa und conducti. Anhand von Manuskripten aus Deutschland, Spanien, der Schweiz und Frankreich reflektiert die Musik die typisch mittelalterliche Beschäftigung mit dem menschlichen Dasein, den Heiligen und insbesondere der Muttergottes Maria. Die Tenöre „gelten als drei der bestinformierten und erfahrensten Sänger der europäischen Szene für mittelalterliche Musik“, sagt Gallé. Auftakt für das Festival ist das Konzert „Der Nibelunge Not“ mit dem Ensemble Leones am 26. Juli um 20 Uhr in der Magnuskirche als Teil des Begleitprogramms der Nibelungen-Festspiele. Das Ensemble musiziert auf Instrumenten aus der Entstehungszeit des frühmittelalterlichen Epos. Hanna Marti (Gesang, Harfe), Baptiste Romain (Cwrth, Vielle, Dudelsack) und Marc Lewon (Gesang, karolingische Citole) erzählen das Nibelungenlied musikalisch: Sie improvisieren über erhaltene Rezitationsmodelle und modale Floskeln. Lewon ist seit Beginn musikalischer Leiter des Festivals Wunderhoeren und lehrt wie Romain als Professor an der „Schola cantorum“ in Basel. Am 22. August um 19 Uhr liest der Schriftsteller und Übersetzer Ralph Dutli aus Heidelberg Texte des französischen Autors Rutebeuf (1230 bis 1285) unter dem Titel „Winterpech & Sommerpech“ im Chateau Schembs. Rutebeuf ist laut Gallé ein Poet völlig neuen Typs im Mittelalter, berichtet radikal persönlich von Armut, Missgeschick und Würfelspiel und gibt packende Einblicke in das Leben eines gesellschaftlichen Außenseiters. Als Zeitkritiker polemisiert er gegen die Allmacht des Gelds, gegen Heuchler und Wahrheitsverdreher und spricht von einer Welt in der Krise. Gary Fuhrmann und Matthias Dörsam begleiten die Lesung mit jazzigen Bearbeitungen von Melodien aus den Winter- und Sommerliedern Neidhart von Reuentals. Der Saxofonist Fuhrmann erhielt 2009 den Wormser Jazzpreis. Gregorianik ist das Thema beim Konzert „Lost in Spes“ von Vox Werdensis am 30. September um 18 Uhr im Wormser Dom. In dieser Kooperation mit der Reihe der Wormser Domkonzerte singt das Ensemble unter Leitung von Stefan Klöckner (Folkwang Universität) mittelalterliche Musik aus der Entstehungszeit des Doms vor 1000 Jahren. „Luther aufs Maul geschaut“ heißt das Programm des Ensembles Ranucnulus, das am 13. Oktober um 19 Uhr in der Friedrichskirche zu hören ist. Höfische Musik und Tanzmusik der Reformationszeit wird auf Dudelsäcken, Drehleier, Cornamusen, Lauten, Geigen und Flöten vorgestellt. Totentanz und Pestumzug, Bauerntanz und Kirchliches, all das wird von einem Lektor sprachlich mit Lutherzitaten begleitet. Wie es in der Zeit selbst durchaus üblich war, kommt auch der recht derbe Teil zu Gehör. Das Ensemble tritt in bunten, bäuerlichen Kostümen auf, die der Kleidung der Zeit nachempfunden sind. Im November können sich Klassen im Nibelungenmuseum zur Schulwoche anmelden, in der alte Musik und Literatur vermittelt werden. Karten Infos finden sich im Netz unter www.wunderhoeren.de. Karten gibt es außerdem im Vorverkauf beim Ticket-Service Worms.