Donnersbergkreis Klangvoll durch das Jahr
«WEIERHOF.» Vier fortgeschrittene Studierende im zweiten Abschnitt des „Bachelor of Education“ der Musikhochschule Mainz (Schulmusik-Studium) repräsentierten am Sonntag im „Blauen Haus“ einen hohen interpretatorischen Standard und präsentierten zudem mit ihrem Konzert einen selten zu hörenden Klavierzyklus: Tschaikowskys „Die Jahreszeiten“, die im Unterschied zu Komponisten wie Haydn oder Vivaldi nicht die Jahreszeiten selbst thematisieren, sondern für jeden Monat eine Art Konzertfantasie oder Charakterstück bieten.
Zwischen 1875 und 1876 komponierte der russische Romantiker nach Auftrag durch seinen Verleger Nicolai Bernhard diesen Zyklus, da der Herausgeber der Petersburger Musikzeitschrift „Nouvelisste“ monatlich ein neues Heft mit neuen Klavierkompositionen des damals populären Komponisten auf den Markt bringen wollte. Und diese passend zu der Stimmung der Monate – so etwa im Januar „Am Kamin“ – nach einem Epigraph, was zu den Miniaturen hinführen soll. So unterschiedlich wie der jeweilige Gefühlsgehalt der Stücke war letztlich auch ihr interpretatorischer Ansatz, was auch durch unterschiedliche Dozenten begründet sein könnte: So haben Antonio Kapper und Hye-Min Lee bei Claudia Schellenberger Klavierunterricht, Yannick Wille bei Michael Staudt und Sabine Hofmann bei Irina von Knebel. Dennoch sind auch interpretatorische Vergleiche nur bedingt möglich, weil die Stücke hinsichtlich Schwierigkeitsgrad und passender Umsetzung eines Stimmungsbildes auch differieren. Letztlich ergab sich dennoch insgesamt das Gesamtbild, dass der aufstrebende Nachwuchspianist Antonio Kapper hinsichtlich klanglicher Sensibilität und Expressivität und spieltechnischer Solidität den nachhaltigsten Eindruck hinterließ. Den Satz „Januar“ gestaltete er so etwa fein ziseliert in sanft perlenden Arpeggien, die wie eine Harfe in zartesten Nuancen erklangen. Spielerische Geschmeidigkeit und ein Gestalten aus innerer Ruhe mit hochdifferenziertem Anschlag prägten auch seine Interpretation des Herbstliedes für den Oktober. Auch hier öffnete er sich dieser zart schimmernden Poesie, gingen wieder viele bewegende Momente musikalischer Faszination, Inspiration und Intuition von ihm aus. Gefolgt von Yannick Wille, der den März im „Lied der Lerche“ auch mit seismographischem Gespür für die melodischen Finessen und lyrischen Kantilenen behutsam formte und den Maimonat in geschmeidigen Umspielungen bei virtuoser Geläufigkeit und wunderbarer Ausgeglichenheit der Anschlagskultur souverän bewältigte. Und den Stimmungsgehalt einer Frühlingsnacht gut getroffen hatte. Bei den jungen Damen reüssierte Hye-Min Lee mit dem Februar, obwohl sich dieses Kleinod als spieltechnische Herausforderung par excellence erwies. Was zu einem kraftbetonten Interpretationsansatz führte, der bei wuchtigen Akkordblöcken und kräftigen Akzenten eher zu Übertreibungen neigte. Allerdings ließ dann ausgerechnet der letzte Beitrag zum Dezember aufhorchen: Tschaikowsky hatte mit dem Weihnachtsmonat in der Art seiner Ballettmusiken schwerelose tänzerische Leichtigkeit und Grazie assoziiert und hineinkomponiert. Gut getroffen von der Pianistin, die hier mit spielerischer Eleganz und Brillanz locker gestaltete. Sabine Hofmann wurden der launische April sowie die Sommermonate Juli und August anvertraut. Der Juli zeigte Akkordspiel wie Glockengeläut mit klangmalerischer Kreativität und Sensibilität. Es folgten Episoden, die in der Präzision von Zahnrädern ineinander griffen und spieltechnische Sicherheit demonstrierten. Der August mit der Assoziation an Erntestimmung wirkte manchmal dagegen etwas verkrampft und hatte in stürmischen Passagen zu viel an Agitato, ein willkürliches Drängen, was nicht immer passte. Vor allem galt dies für die kadenzartige Steigerung am Satzende, die überhastet wirkte. Ein Manko war, dass sich diese Zuordnung der Interpreten zu den jeweiligen Sätzen durch die Moderation nicht erschloss, während ansonsten die Hinführung zu diesem Klavierzyklus durch Hye-Min Lee lobenswert ist.