Bisterschied RHEINPFALZ Plus Artikel Kita: Suche nach Lösung für Raumprobleme

In der Bisterschieder Kita muss täglich ein Gruppenraum-Abschnitt zur Schlafzone umgebaut werden, weil ein separater Raum fehlt.
In der Bisterschieder Kita muss täglich ein Gruppenraum-Abschnitt zur Schlafzone umgebaut werden, weil ein separater Raum fehlt.

Keine freien Betreuungsplätze, drei Stockwerke, jede Menge Treppenstufen: In räumlicher Hinsicht besteht am Kita-Glückskinder-Standort Bisterschied dringender Handlungsbedarf. Es gibt mehrere Optionen, aber auch viele offene Fragen.

„Die Alte Schule ist ein wunderschönes Gebäude mit viel Flair und Ambiente – aber unter den heutigen Herausforderungen für Arbeitsprozesse in einer Kindertagesstätte gänzlich ungeeignet.“ Claudia Manz-Knoll, Pädagogische Gesamtleitung des Kita-Bündnisses Nordpfälzer Glückskinder, bringt das Dilemma in der Bisterschieder Kirchstraße auf den Punkt. Denn Flair hin, Ambiente her: Aktuell 46 Kinder – auch aus Waldgrehweiler, Dörrmoschel, Teschenmoschel, Finkenbach-Gersweiler, Schönborn, Felsberger-, Spreiter- und Kreuzhof – müssen in zwei Gruppen und auf drei Etagen verteilt betreut werden.

Manz-Knoll sieht sich und die Verwaltung der VG Nordpfälzer Land alleine aus Gründen der Gerechtigkeit in der Pflicht: Als 2017 der Zusammenschluss der – damals fünf, heute sieben – Kitas in Trägerschaft der Verbandsgemeinde erfolgte, „da haben wir uns gleiche Qualitätsstandards zum Ziel gesetzt“. Hiervon sei Bisterschied aus räumlicher Sicht ein gutes Stück entfernt. Wenngleich sie betont, dass „das Erziehungspersonal mit hohem Arbeitseinsatz die Mängel auszugleichen versucht – obwohl das mit Mehrbelastung verbunden ist“.

Treppe rauf, Treppe runter

Dazu zähle jeden Mittag der Umbau eines Gruppenraum-Abschnitts zur Schlafzone, weil kein separater Raum vorhanden ist, sowie das permanente Treppensteigen mit den Kleinen an der Hand oder auf dem Arm – zum Turnen oben unterm Dach oder zum Mittagessen, das mangels Platz im Kellergewölbe und „in mindestens zwei Schichten“ eingenommen wird, wie VG-Bauamtsleiter Michael Groß ergänzt. Doch auch für die Größeren bilden die vielen Stufen ein schwer zu überwindendes und teils auch gefährliches Hindernis – die Bedingungen stellten „hohe Anforderungen an die Aufsichtspflicht“, so Groß.

Der nicht barrierefreie Zugang zum Gebäude, der für die Kleinen wegen der hohen Fensterbrüstungen versperrte Blick nach außen sowie der von Kindern und Personal gemeinsam genutzte Sanitärbereich: Weitere Beispiele, dass die räumlichen Begebenheiten „nicht gerade prickelnd“ sind, wie VG-Bürgermeister Michael Cullmann sagt. Hinzu kommt, dass die Alte Schule unter Denkmalschutz steht, weshalb „eine Sanierung schwierig ist und sich in der vorhandenen Baustruktur bewegen muss“, verdeutlicht Groß. Nicht zuletzt sorge eine unzureichende Wärmedämmung für verhältnismäßig hohe Energiekosten – obwohl erst im Vorjahr eine neue Heizung installiert worden sei.

Bedarf an Plätzen enorm gestiegen

Aufgrund der Defizite hat Manz-Knoll zufolge das Landesjugendamt (LJA) als Kita-Aufsichtsbehörde die Betriebserlaubnis „nur befristet und unter Auflagen erteilt“ – gekoppelt an die Zusage, dass die VG in eine Erweiterung investieren will. Und aus erfreulichem Grund sogar investieren muss: „Sehr hohe Zuwachsraten an jungen Familien im Einzugsgebiet“ haben dazu geführt, dass ebenfalls mit vorläufiger Genehmigung des LJA die Maximal-Anzahl der Kinder von 40 auf 46 geklettert ist – drei weitere werden mangels freier Plätze am Nachbarstandort Seelen mit betreut. „Der Bedarf wird 2023 nicht geringer sein“, so Manz-Knoll. Gerade mit Blick auf das Neue-Kita-Gesetz müsse gehandelt werden. So sei ein dritter Gruppenraum nötig, um den Rechtsanspruch aller Eltern erfüllen zu können.

Die Frage ist also nicht ob, sondern wie zusätzlicher Platz geschaffen werden kann. Die Möglichkeiten und Probleme sind im VG-Ausschuss für Kitas, Soziales und Gesundheit erörtert worden. Klar ist: Das Gebäude kitagerecht zu sanieren und nur um einen Anbau zu ergänzen, scheidet aufgrund der geschilderten Bedingungen aus. „Vertrackt“ nannte Cullmann aufgrund der beengten Verhältnisse die Situation – zumal, wie Groß betonte, laut Gesetz mit einer räumlichen Ausdehnung im Inneren und zusätzlichen Plätzen auch eine Erweiterung des Freigeländes einhergehen muss. Immerhin gebe es hier das positives Signal der benachbarten Kirchengemeinde, einen Teil ihres Grundstücks der Kita zur Verfügung zu stellen.

Neubau mit Verbindung zu Alter Schule?

Konkret sind vier Varianten diskutiert worden. Denkbar ist laut Groß, einen zweistöckigen Neubau zu errichten und mit einem Verbindungstrakt an die Alte Schule anzugliedern. Dort sollte dann nur noch die auf gleicher Höhe gelegene mittlere Ebene für den Kita-Betrieb selbst genutzt werden, während im Keller sowie unterm Dach Lager- und Personalräume untergebracht wären. Alle weiteren Funktionsräume könnten in das neue, mit großen Glasfronten gestaltete Gebäude umziehen, das auf dem abschüssigen Gelände mit eigenen Zugängen für Unter- und Obergeschoss barrierefrei wäre. Das heißt: Für die Kinder entfiele das Treppensteigen fast komplett. Eine erste Kostenschätzung für die Maßnahme belief sich auf 1,5 Millionen Euro – aber, so Cullmann, „das wird uns heute nicht mehr reichen“.

Auch externe Lösungen wurden diskutiert – wie die Idee, im Einzugsgebiet eine zusätzliche eingruppige Kita zu eröffnen. Oder der Vorschlag von Ausschussmitglied Pia Linn, die dritte Gruppe als Waldkita zu gründen. Manz-Knoll gab bei genereller Sympathie für das Konzept zu bedenken, dass dieses erst für Kinder ab drei Jahren greift und es keine Nachmittagsbetreuung gibt. Das spezielle Profil werde stets nur von Teilen der Familien gewünscht. Deren Spektrum sei in Städten groß – „ich habe Zweifel, ob das hier die Probleme löst“. Zumal, so Cullmann, auch dann die Frage sei, was aus dem Gebäude wird.

Option vier: ein neuer Standort

Das gilt auch für die vierte, von Karin Cramme-Renner im Ausschuss genannte Option: Sie fragte, ob mit Blick auf die schwierige Sanierung eines Altbaus plus Folgekosten – Stichwort Energiepreise – ein Neubau an anderer Stätte nicht sinnvoller wäre. Groß bestätigte, „dass dies rein ökonomisch sicher der bessere Weg ist. Für verhältnismäßig wenig Geld mehr hätten wir den Bedarf gedeckt und auch nicht das Problem, die Arbeiten im laufenden Kita-Betrieb durchführen zu müssen.“ Im Fall der Fälle – hierin herrschte Einigkeit – sollte aber angesichts der hohen Zufriedenheit mit Bisterschied die Suche nach einem Grundstück in der Gemarkung oberste Priorität haben.

Anklang im Gremium fand der Vorschlag von Gernot Pietzsch, „eine Analyse Altbau zu Neubau zu machen – dynamisch, unter Einbezug der zu erwartenden Energiekosten, zehn Jahre in die Zukunft gerichtet“. Manz-Knoll versicherte, im Kita-Team herrsche „eine hohe Offenheit“ gegenüber den baulichen Varianten, die nun näher untersucht und dann in den Gremien erneut erörtert werden. Entschieden werden muss aber bald – denn die Zeit drängt. Daran ändert auch das wunderbare Flair der Alten Schule nichts ...

Von außen betrachtet ist die Alte Schule in Bisterschied ein schmuckes, denkmalgeschütztes Gebäude – für die Arbeitsprozesse in
Von außen betrachtet ist die Alte Schule in Bisterschied ein schmuckes, denkmalgeschütztes Gebäude – für die Arbeitsprozesse in einer Kita gibt es jedoch im Inneren zahlreiche Mängel.
x