Donnersbergkreis Kirchheimbolanden: Winzerhaus-Last soll verteilt werden
Gebäude im Schlossgarten hat sich an einer Seite gesetzt – Boudier & Koeller haben Gastronomiekonzept
Die Absperrgitter und die nicht zu übersehenden Erdarbeiten lassen darauf schließen: Am denkmalgeschützten Winzerhaus im Schlossgarten muss etwas getan werden. Risse im Gebäude sorgen schon seit einiger Zeit für Sorgenfalten auf der Stirn der Verantwortlichen. Nun ist klar: Besonders an einer Ecke setzt sich das Gebäude. Es soll nicht nur das Fundament saniert, sondern sollen auch weitere Maßnahmen an dem Gebäude vorgenommen werden. Aus diesem möchte das Weingut Boudier & Koeller schließlich eine Art Straußwirtschaft machen. Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller zeigt auf den großen Riss in der Ecke des Raums. „Das Haus arbeitet“, sagt er. Und erhält Zustimmung von Silvia Schappert, Architektin bei der Kirchheimbolander Verbandsgemeindeverwaltung. „Wir haben den Boden untersucht und dabei festgestellt, dass viele Tone drin sind – mit Wurzeln durchwachsen.“ Das Problem dabei sei, dass die Wurzeln dem Ton das Wasser entziehen. „Der Ton ist sehr trocken, das kann zu Setzungen führen“, erläutert Schappert. Wie Architekt Reiner Meysel berichtet, handelt es sich bei Ton um ein Material, das stark quellen, aber auch schrumpfen könne. Dass eine Ecke des Gebäudes abgesackt ist, hänge aber auch noch mit einem anderen Grund zusammen. „Unter dem Fundament wurden wohl damals 1,5 Meter Boden aufgefüllt“, so Meysel. Er bezeichnet die Situation als „nicht fürchterlich dramatisch“. Auch Schappert betont, dass das Haus nicht baufällig ist. Aber es gebe hier eben eine ganze Reihe von Dingen, die gemacht werden könnten. „Und wir haben hier die einmalige Chance, mit dem Gebäude in das Stadtsanierungsprogramm zu kommen.“ Deswegen empfiehlt er dem Stadtrat an diesem Donnerstagabend auch, andere Maßnahmen anzugehen. Was das Fundament betreffe, sei es wichtig, „das Gewicht des Gebäudes auf breitere Füße zu stellen, damit der Lastdruck geringer wird“, erläutert der Architekt. Unter anderem könne man bei dieser Gelegenheit aber auch das Dach des Gebäudes sanieren oder die Risse beseitigen. Im Keller gebe es außerdem noch aus der Zeit, als der Park der BASF gehörte, ein Stahlgerüst. „Auch das ist nicht für die Dauer“, so Meysel. Rund 150.000 Euro seien an Kosten in den Mittelantrag eingetragen worden. „Da es sich um ein Einzeldenkmal handelt, ist eine 35-prozentige Förderung möglich. Das würde den Bestand für die nächsten 20, 30 Jahre sichern“, so Meysel. Der Förderantrag soll nächste Woche abgegeben werden. Der Rat hat sich einstimmig darauf geeinigt, das Büro Waldherr, das auch das benachbarte Toilettenhäuschen im Schlossgarten geplant hatte, für die Planung zu beauftragen. Zudem gelte es, die Sanierung mit dem Vertragspartner abzusprechen, so Meysel. Dabei handelt es sich um das Weingut Boudier und Koeller aus Stetten, das in diesem Bereich Pächter ist. Vor einigen Jahren habe man eigentlich eine Zentralheizung und neue Elektrik in dem Gebäude installieren wollen. „Dabei wurde festgestellt, dass das Haus immer weiter in Bewegung ist, und dass es nicht verantwortlich ist, was zu machen“, erzählt Elmar Koeller. Seit drei Jahren habe man ein Gaststättenkonzept für das Winzerhaus und den Außenbereich fertig. „Wir konnten aber nichts machen“, sagt Koeller. Die Planungen sehen eine Weingaststätte mit Außenbereich vor – „ein Straußwirtschaftskonzept“, wie Koeller im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläutert. Geplant seien pro Woche drei Öffnungstage. Zwei Räume des Hauses sollen als Gastraum genutzt werden. „20 bis 25 Plätze hätten wir dann innen.“ Außen seien zwischen 60 und 80 Plätze angedacht. Sieben bis acht Monate soll der Gastronomiebetrieb pro Jahr laufen – „in der Außensaison“. Ein solches Konzept biete sich an dem Standort schon alleine deswegen an, weil das Weingut auch im Schlossgarten Weinberge bewirtschaftet. Der Riesling wurde jüngst im Gault Millau geadelt. Das Winzerhaus wurde zwischen 1890 und 1900 erbaut. Wie Gudrun Bauer, Vorstandsmitglied des Förderkreises Schlossgarten, berichtet, wurde das Gebäude von Heinrich von Brunck als Büro, aber auch als Labor genutzt. Von Brunck, früher Technischer Direktor und Vorstandsmitglied der BASF in Ludwigshafen, hatte Schlossgarten und Ballhaus im Jahr 1889 übernommen. Seit 2006 ist die Stadt Besitzerin der Gartenanlage.