Donnersbergkreis Kirchheimbolanden: Stilvoller Festakt zum 650. Jubiläum der Stadtrechts-Verleihung

Das Jugendstreichorchester Alba der Kreismusikschule unter der Leitung von Virgjil Gega beeindruckte die Gäste vor imposanter Bü
Das Jugendstreichorchester Alba der Kreismusikschule unter der Leitung von Virgjil Gega beeindruckte die Gäste vor imposanter Bühnen-Kulisse.

Informativ, musikalisch frisch und anspruchsvoll, mit persönlichen, teils pointierten Grußworten und mehr als einer Prise Humor: Der Festakt zum 650. Stadtjubiläum hatte Stil.

Einstimmen (und in eigenen Erinnerungen schwelgen) konnten sich viele Besucher schon vor Beginn mit einem Film vom großen Festumzug zur 600-Jahrfeier 1968, der im Jubiläumsjahr noch häufiger zu sehen sein wird. Einen solchen Umzug wird es diesmal zwar nicht geben, dafür aber ein facettenreiches Programm, das alle Generationen und viele Geschmäcker bedienen dürfte. Und: Es würdigen Buch-Neuerscheinungen das Jubiläum. Die bereits zweite Veröffentlichung einer neuen Schriftenreihe zur Stadtgeschichte erlebte am Samstag ihre Premiere und war zugleich Gegenstand des Festvortrages von Autor Klaus Kremb. Unter dem Titel „Eine kleine wohlgebaute Stadt“ geht der promovierte Historiker und frühere Leiter des Wilhelm-Erb-Gymnasiums Winnweiler in zwölf Kapiteln auf stadtgeschichtlich richtungsweisende Epochen ein – von der Ersterwähnung im Lorscher Kodex 774 bis zur Gegenwart. Sämtlichen Darstellungen sind charakterisierende Zitate der Zeit vorangestellt; das titelgebende aus der „Erdbeschreibung“ des Berliner Gymnasialdirektors Büsching und damit eines „altvorderen Kollegen“ Krembs stammt aus dem Jahr 1790 und wirft ein Schlaglicht auf die rege und repräsentative Bautätigkeit der Fürsten von Nassau-Weilburg in „Kirchheim-Poland“ nach dem zerstörerischen 17. Jahrhundert. So spannend wie schlüssig, verständlich wie leidenschaftlich verwob Kremb in seinem Festvortrag die Stränge von nahezu 1250 Jahren, dass er selbst dem von Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller in seiner Begrüßung bemühten Lessing-Zitat aufs Schönste gerecht wurde: Geschichte solle nicht das Gedächtnis beschweren, sondern den Verstand erleuchten. Dass „viele Bürgerinnen und Bürger am Teppich unserer Geschichte gewirkt haben“, in harten Zeiten wie Zeiten des Neubeginns und Aufschwungs, hatte Hartmüller zuvor betont. Und dies gelte nicht minder für das Jubiläumsjahr, in das sich viele mit ihren Ideen und Aktivitäten einbrächten. Dafür dankte der Stadtbürgermeister und an diesem Abend im Besonderen dem unermüdlichen Ehrenamtler Klaus Kremb. Mit Blick auf Gegenwart und Zukunft sah Hartmüller die Stadt gut positioniert im Wettbewerb der Kommunen, weil „wir alle im selben Boot sitzen, das Kibo heißt, und wir immer versuchen, in dieselbe Richtung zu rudern“: Bürgerschaft, Unternehmen, Verwaltungen. Für 8000 Menschen aus 55 Nationen sei Kirchheimbolanden heute Heimat, sie schätzten Überschaubarkeit, Natur, Lebensqualität, ein reges Vereinsleben mit rund 90 Gruppierungen. Und: Es gelte dankbar zu sein, „dass wir seit über 70 Jahren friedlich in diesem Teil der Welt leben dürfen und dass es ein gutes Miteinander hier bei uns gibt“. Eines aber war für das Stadtoberhaupt, in Richtung Land gesagt, auch wichtig: Was immer Kommunalreformen noch bringen mögen: „Kirchheimbolanden muss Kreisstadt bleiben.“ Dass „Stadt“ sein auch heute noch etwas Besonderes bedeutet, strich Staatssekretär Randolf Stich vom Mainzer Innenministerium in seinem Grußwort heraus: Von über 2300 rheinland-pfälzischen Kommunen seien nur rund 130 Städte. Man solle Stadtrechte also hochhalten und feiern wie in Kirchheimbolanden, wo es sich gut leben lasse. Dafür sei auch mit Unterstützung durch Land und Bund einiges getan worden, erinnerte Stich etwa an langjährige Städtebauförderung und an das aktuelle Bau-Programm Barockstadt. Auch er betonte den hohen Wert eines aktiven Gemeinschaftsengagements, von dem Demokratie lebe. Dass sich hier Historisches und moderne Nutzung verbinden, nannte Landrat Rainer Guth charakteristisch für Kirchheimbolanden. Standortfaktoren sah er von jeher als entscheidend über Wohl und Wehe einer Stadt an und fühlte sich im Falle der Kreisstadt, wo man überdies den Autobahnanschluss vor der Tür habe, an den Abba-Song „The winner takes it all“ erinnert. Der Musik war aber auch ganz direkt ein hoher Rang im Programm zugedacht. Stefan Wasser, die Sopranistin Gunda Baumgärtner und Mitglieder des Oratorienchors rissen mit Wassers eigens zum Jubiläum komponierter und getexteter „Hommage an Kirchheimbolanden“ den Saal in einen hoch emotionalen Klangrausch mit. Klassische Glanzlichter setzte das Jugendstreichorchester Alba der Kreismusikschule unter Virgjil Gega vor der wunderschönen Bühnen-Kulisse von Günter Kircher: drei lichten und von Blumenbuketts gekrönten Torbögen, die den Blick auf den mittelalterlichen Roten Turm, den alten Schlossflügel und den Schriftzug zum 650. Stadtjubiläum öffneten. Nach dem Entree des Orchesters mit einem Mozart-Divertimento spielte die achtjährige Anna Shalaru ein Vivaldi-Violinsolo, später Katharina Dinges als Solistin den „Sommer“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und – als Zugabe – Christian Kapper, Violine, Montis „Csardas“. Ein jubelnd aufgenommener „Rausschmeißer“ des Orchesters, nach dem das Publikum gern der Einladung Hartmüllers zum Weiterfeiern im Foyer folgte nach der Devise: „Heute gibt die Stadt Kibo einen aus.“

Er kennt die Stadtgeschichte wie wohl kein Zweiter: Klaus Kremb hielt den Festvortrag.
Er kennt die Stadtgeschichte wie wohl kein Zweiter: Klaus Kremb hielt den Festvortrag.
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