Donnersbergkreis
Kirchheimbolanden: Kunstwerk schafft beziehungsreiche Synthese von Kunst und Alltag
Der Bestand an Kunst im öffentlichen Raum in Kirchheimbolanden erhält Zuwachs: Am Bahnhaltepunkt übergibt am Sonntag das Art-Hotel Braun ein beziehungsreiches Kunstwerk der iranischen Künstlerin Linda Nadji an die Stadt.
Hotelier Martin Braun wolle der Stadt Kirchheimbolanden – in der seine Eltern pionierhaft das Hotel aufgebaut haben, das er mittlerweile selbst führt – „als Zeichen seiner Verbundenheit ein Kunstwerk im öffentlichen Raum übergeben und damit ein nachhaltiges Geschenk machen, an dem auch die Allgemeinheit partizipieren kann“, schreibt Lydia Thorn Wickert, deren Agentur Thornconcept organisatorisch im Hintergrund steht, in einer Pressemitteilung. Die Wahl sei auf eine bildhauerische Arbeit von Linda Nadji gefallen mit dem Titel „Koffer“, bestehend aus zwei unterschiedlich großen Betonkoffern, die dauerhaft in der Stadt platziert werden sollen.
Nach Abstimmung mit Stadt und Bahnbehörden sei der richtige und stimmige Platz für die Arbeit am Bahnhaltepunkt Kirchheimbolanden gefunden worden. Die Kirchheimbolander Bildhauerin Christel Brutscher werde die beiden Objekte fach- und sachgerecht verankern. Am Sonntag, 3. November, 11.30 Uhr, kann dann die Arbeit feierlich als Dauerleihgabe übergeben werden. Die Bevölkerung ist dazu eingeladen, so Thorn Wickert.
In Kibo keine Unbekannte
Linda Nadji ist in Kirchheimbolanden keine Unbekannte mehr. Im Jahr 2015 präsentierte sie in der Stadt zur Kulturnacht ihre Installation „Im Grünen“, in der sie den Kunstraum Holzmann raumgreifend mit grünen Kunststoffbahnen in eine labyrinthische Landschaft verwandelte. 2017 war sie erneut in Kirchheimbolanden und beteiligt sich an der Gruppenausstellung „In meiner Küche nicht“ im Hotel Braun. Bei dieser Präsentation waren bereits Arbeiten aus ihrer Werkgruppe „Gepäck“ zu sehen, aus der auch die Stücke stammen, die nun am Bahnhaltepunkt einen festen Platz finden sollen.
Die beiden Objekte stammen aus dem Jahre 2011. Sie gehören zusammen mit Betonaktentaschen und Betoneinkaufstüten zur genannten Werkgruppe „Gepäck“, die in mehreren Ausstellungen und im öffentlichen Raum („CASED“, Hannover 2013) gezeigt wurden, so Thorn Wickert.
Sinnbild auch der Lebenslast
„Gleichzeitig notwendiges Utensil eines jeden Reisenden, Metapher der Mobilität, wirksames Statussymbol mit Assoziation an einen gut erkennbaren hochpreisigen Markenartikel werden die beiden Koffer am Bahngleis zur verblüffenden Synthese von Alltag und Kunst schlechthin“, erläutert Thorn Wickert Hintergründe dieser Arbeiten. „Die Banalität der Objekte, in ihrer Funktionalität zum Ort gehörig, inspiriert den Betrachter und öffnet den Blick humorvoll auf grundsätzliche Fragen unserer Existenz: Wie mobil bin ich? Kann ich den Ballast meines Lebens überhaupt bewegen? Worin besteht er?“ Das Gewicht der beiden Betonkoffer symbolisiere nicht zuletzt die Lebenslast, die die Künstlerin mit sich trägt, wie jedermann, der nicht aus freier Entscheidung, sondern aufgrund der politischen Gegebenheiten sein Heimatland verlässt.
Linda Nadji wurde 1972 in Irans Hauptstadt Teheran geboren. Sie ist Absolventin der Kunstakademie Düsseldorf, nachdem sie zuvor bereits ein Designstudium in Aachen und eine Schauspielausbildung in Köln absolviert hatte. Sie lebt und arbeitet in Köln.