Donnersbergkreis Kirchheimbolanden: Grüne Oase in der Kleinen Residenz
Mit einer Ausstellung im Heimatmuseum fing sozusagen alles an. Seitdem hat sich vieles getan. Die Modernisierung der Tore und die Einweihung des Kelterhauses als Informationszentrum sind die größten Projekte des Förderkreises Schlossgarten. 500.000 bis 600.000 Euro sind in 20 Jahren bewegt worden. Und wer mit Vorstandsmitglied Gudrun Bauer durch den Landschaftsgarten geht, nimmt diesen mit ganz anderen Augen wahr.
Gudrun Bauer sitzt auf einem Stuhl im Kelterhaus. Sie mag diesen Ort. 2012 wurde in dem Gebäude ein Informationszentrum eingeweiht. Ein Ausstellungsort, Treffpunkt und eine touristische Anlaufstelle. Von Mai bis Oktober werden hier an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 16 Uhr allen Interessierten Fragen beantwortet. Gudrun Bauer macht das gerne. „Es gab noch keinen Tag, an dem die Aufsicht umsonst war. Wenn mal weniger los ist, dann sind oft die Gespräche dafür intensiver“, erzählt die stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises. Und sucht in alten Unterlagen. Sie holt Zeichnungen des Schlossgartens hervor. Den Künstler hatte sie vor Jahren bei der Arbeit im Park getroffen. „Er hat mir erzählt, dass er mit der Bahn unterwegs ist und überall dort aussteigt und zeichnet, wo es ihm gefällt.“ Der Landschaftsgarten in der Kleinen Residenz hatte es dem Mann angetan. Gudrun Bauer bekam später die Kunstwerke zugeschickt. „Es sind viele schöne Begegnungen, die man hier hat“, sagt sie. Genau das ist eben auch etwas, was den Schlossgarten für die 79-Jährige so besonders macht. Ein Spaziergang durch diesen lohnt sich ohnehin immer. Mit dieser Meinung ist Gudrun Bauer übrigens nicht alleine. Da ist die Bewohnerin der benachbarten Seniorenresidenz im Schloss. Tag für Tag zieht es sie hierher zu einem Spaziergang. Immer vor dem Mittagessen. „Leider ist es momentan hier etwas kahl“, erzählt sie – und blickt in die Baumkronen. Dort hängen nur noch wenige Blätter. Der Winter rückt näher. Was ist die schönste Zeit für einen Besuch des Schlossgartens? Gudrun Bauer muss nicht lange überlegen. „Zu jeder Jahreszeit ist es hier schön“, sagt sie – und ergänzt: „Wenn ich an einem solchen Tag wie heute durch den Park gehe, vergesse ich die Kälte.“ Die 79-Jährige denkt beim Spazieren gerne an die Geschichte des Landschaftsgartens. Daran, wie Heinrich von Brunck, Vorstandsmitglied der BASF in Ludwigshafen, ihm ein ganz spezielles Gepräge gab – mit Pflanzen aus aller Welt. Da machte von Brunck auch nicht vor Experimenten Halt, wie Bauer erzählt. Wir sind mittlerweile auf der kleinen Anhöhe. Hier, wo sich heute die Bühne befindet. Auf der Wiese steht ein solches Experiment. Bauer erzählt, wie von Brunck auf den Stamm der Buche einen anderen Baum setzte. „Wir haben erst voriges Jahr entdeckt, dass die Blätter an der Spitze grau sind.“ Ein wunderbares Bild in der Abendsonne. Nicht der einzige Grund, warum die stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises diesen Platz so mag. Dort befand sich früher auch einmal eine Villa. „Wenn ich hier hochkomme, stelle ich mir das alles vor.“ Gerne erinnert sich Bauer auch daran, was in den 20 Jahren seit der Gründung des Förderkreises alles im Schlossgarten passiert ist. 1997 gab eine Sonderausstellung „250 Jahre Schlossgarten“ im Heimatmuseum quasi die Initialzündung für die Vereinsgründung. Hans Heinz Schuster aus Neustadt hatte zum Garten seit Kindertagen ein inniges Verhältnis: Sein Großvater Heinrich Reutlinger war Heinrich von Bruncks Gartenverwalter. Schuster war auch der erste Vorsitzende des Vereins. Und er ist auch eingeladen, wenn der Verein, der aktuell von Elmar Koeller geführt wird und mehr als 100 Mitglieder hat, am 25. November im Westflügel der Orangerie mit geladenen Gästen seinen 20. Geburtstag feiert. „Hans Heinz Schuster ist ein großes Glück für den Verein“, betont Bauer. Auf das, was in den 20 Jahren von Seiten des Förderkreises im Schlossgarten entstanden ist, blickt sie mit Stolz. Und ist dankbar. Für die Unterstützung – der Spender, aber auch von Seiten der Stadt. 500.000 bis 600.000 Euro sind laut der 79-Jährigen seit der Vereinsgründung bewegt worden. Da steckte viel Klinkenputzen hintendran. 2002 konnte das erste der barocken Schlosstore nach intensiver Restaurierung wieder aufgestellt werden. 2004 folgte auf der gegenüberliegenden Eingangsseite zum Schlosshof das Pendant. Zusammengenommen waren 220.000 Euro aufzuwenden, um die teils sehr maroden schmiedeeisernen Tore mitsamt Sandsteineinfassungen und Amphoren von Restauratoren aufarbeiten zu lassen. 2005 kam das Eichenholzportal, das die Lange Bahn des Schlossgartens in Richtung Paulskirche abschließt, zu neuem Glanz. Die Restaurierung des 1888/89 im neobarocken Stil errichteten Levy-Tores – in der Kurve der Neumayerstraße – folgte 2007. Wünsche für die Zukunft hat Gudrun Bauer. „Dass wir hier ein Gesicht kriegen, wie es sich Heinrich von Brunck und Heinrich Reutlinger gewünscht hatten“, sagt sie – und ergänzt: „Eine grüne Oase im Zentrum einer Stadt ist sehr viel wert.“ An ein Gartenhaus oder Pavillons, wie es sie früher im Schlossgarten einmal gab, könnten Hinweistafeln erinnern. Im Infozentrum finden die Besucher bereits Fotos hierzu. Dort blättert Gudrun Bauer in einem Baumkataster. Gerade sind wir an einem weiteren Brunckschen Experimentierwerk vorbeigelaufen. Eine Esche. Zahlreiche Sorten Bäume gibt es in dem Landschaftsgarten. Sie alle ergeben ein wunderbares Bild. Dazu Wiesen, der Teich – derzeit ohne Wasser –, die Wege. „Der Schlossgarten ist es wert, dass man sich darum kümmert“, findet Gudrun Bauer. Zweifelsohne. Info —Das Infozentrum im Schlossgarten ist in der Winterpause. Zum 1. Mai 2018 wird die Saison dort wieder starten. —Der Förderkreis ist auf der Suche nach Fotos und persönlichen Erlebnissen aus dem Schlossgarten. Infos hierzu bei Gudrun Bauer, Telefon 06352 8446, Eva und Thomas Stepan, 06352 6249, Manfred Brandt, 06352 7114928, oder per E-Mail an info@schlossgarten-kibo.de