Kommentar
Kinder brauchen mehr Bewegung und weniger Elterntaxis
Als Vater kann man den Impuls nachvollziehen. Es regnet, die Busfahrt ist lang, der Rucksack schwer. Man will den Kindern ja gerne das Leben ein wenig erleichtern. Zweifellos kommen bei vielen Elterntaxifahrern auch noch andere Gründe hinzu. Etwa, dass die Schule ohnehin auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen liegt. Dennoch kommen nicht nur Schulleiter beim Gedanken an Elterntaxis ins Kopfschütteln. Vor allem dann, wenn auch noch viele der Abgeholten ortsansässig sind. Wie naheliegend wäre da doch der Schwung aufs Fahrrad oder der gemeinsame Schulweg mit Freunden und Klassenkameraden? Zumal es sowohl vor, wie auch nach der Schule sehr gut tun kann, einfach mal zehn Minuten für sich zu haben. Bei einem kleinen Spaziergang den Kopf frei zu bekommen. Seit der Pandemie hat ohnehin das Thema Bewegung bei Jugendlichen nochmals einen höheren Stellenwert. Studien warnen längst, dass Schüler viel zu wenig Zeit mit körperlichen Aktivitäten verbringen.
Der Trend hatte während Corna den Tiefstand erreicht und stagniert seitdem – Trendwende, Fehlanzeige. Auch verzeichnen Sportvereine stetig weniger jugendliche Mitglieder. Bequemlichkeit mag das eine sein, ein Überangebot an Unterhaltungsmöglichkeiten außerhalb jeder körperlicher Aktivität ist ein anderer Teil der Wahrheit. Was sollte man als Elternteil also wirklich tun, um den Kindern nachhaltig das Leben zu erleichtern? Vielleicht sie doch eher ermutigen, den Schulweg auf sich zu nehmen. Egal, ob auf zwei Beinen oder zwei Rädern. Oder als gemeinsame Routine mit Freunden, als morgendlicher Treff. Das konkrete Beispiel gilt zweifellos nur für ortsansässige Kinder. Doch auch für die mit weiter Anreise, die nicht den Bus nehmen können, gibt es Kompromissansätze. Schließlich ist es nachvollziehbar, dass es besonders für die jüngeren Schüler noch sehr belastend sein kann, lange Fahrten mit schwerem Ranzen bei dichtem Gedränge im Bus zu überstehen. Mitunter ohne Sitzplatz. Fahrgemeinschaften könnten da ein Ansatz sein. Oder doch die Idee, das Kind wenigstens die letzten 200 Meter zur Schule laufen zu lassen. Das könnten auch diejenigen Eltern, die ihre Kinder auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit mitnehmen. Ein paar Minuten zu Fuß. Ein paar Schritte. Für die Gesundheit der Kleinen und für weniger Chaos vor den Schulen.
