Donnersbergkreis Kein Feigenblatt für Adam

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„Manege frei!“ hieß es am Freitagabend für die Narren bei der Kirchheimbolandener Pfarrfasnacht. Im zur Manege umfunktionierten Schützenhaus feierten sie unter dem Motto „Unter unserem Zirkuszelt, da lacht und tanzt die ganze Welt“. Patrik Sommer, der gekonnt durchs Programm führte, schwor das Publikum entsprechend ein: „Egal sind heute die Konfessionen, mir tun auch net die Leber schone, zusammen wollen wir jetzt schwöre, de Herrgott soll uns singe heere.“

Sogar der Teufel (Paula Ries) zählte zu den Rednern der Sitzung. Im Zankgespräch bekam er es aber mit dem schlagfertigen Engelchen (Clara Schreiber) zu tun: „Du mit deine schwarze Zähn, was willsche dann mit deiner dreizinkige Gawwel– die basst jo garnet in dein Schnawwel.“ Sensationelle Nachrichten aus Berlin überbrachte Stefan Benz. Nach den Vorbildern Türkei und USA sollten bei uns auf allen Ebenen, auch in Städten und Dörfern, Räte und Amstinhaber entmachtet und dafür Präsidenten eingesetzt werden, weil dabei mehr herauskomme. Zunächst solle das in Kirchheimbolanden erprobt werden. Benz stellte sich als erster Präsident der Kreisstadt zur Verfügung. Ohne Zweifel sei er der richtige Mann, habe er doch im Bauausschuss des Pfarrheims und der Stadthalle Erfahrungen gesammelt. Nach gewonnener Wahl werde er sich nach dem Wappentier der Stadt benennen und 15.000 Parkplätze schaffen – dazu werde Morschheim planiert. Die Kleine Residenz sei dann mit Shuttlebussen erreichbar. Die umliegenden Städte wie Alzey, Worms und Bingen, informierte Benz, werde er als Vororte und Stadtteile eingliedern. Für seine Vorschläge erntete Benz tosenden Beifall und den Kibo-Narrenorden. Mit einer Zirkusnummer warteten die Messdiener als „Die fabelhaften Messidinis“ auf. Ronja und Patrik Ollid, Maximilian Mollstätter, Mauro Perrone, Johann und Jakob Lang, Lili Röss und Jann Müller zeigten, dass sie sich nicht nur beim Gottesdienst am Altar auskennen, sondern auch auf der närrischen Bühne zu gefallen wissen. Sie jonglierten mit bunten Tüchern, ließen auf Seilen Rollen tanzen und sorgten mit einer witzigen Einlage für Begeisterung. Unzufrieden mit dem Zustand ihres Haushalts stieg Annette Walter in die Bütt. Sie hatte ihrem Ehemann die Hausarbeit überlassen, um arbeiten zu gehen. Nun aber musste der einst heißgeliebte Mann so einiges aushalten. Da bevorzuge sie das Kantinen-Essen gegenüber ihrem „Alt sein Fresse“, teilte Walter mit. „Mer moderne Fraue schmeißen jeden Lade und haben alles im Griff – die Männer manchmol aach im Würgegriff. Mer heben die Männer vun ihrm Thron – hoch lewe die Emanzipation!“ Mit ihrem Beitrag heimste sie Applaus der Frauen ein, erregte aber auch Missfallen bei den Männern. Als alttestamentarischer Adam kam Pfarrer Stefan Haag auf die Bühne. Probleme hatte der Geistliche mit der paradiesischen Bekleidung: Da nirgends ein Feigenblatt aufzutreiben war, wollte er wie im Paradies ohne Kleidung auftreten. Das aber bedürfe der Zustimmung des Bischofs, der mit einem klaren Nein reagiert habe. Lange habe es gedauert, bis er Eva auf den Leim gegangen sei, erzählte Adam. Schließlich leide er unter einer Apfel-Allergie. Dann sei es aber doch passiert. Die Folge: die Vertreibung aus dem Paradies. Zurück wolle er aber heute nicht mehr, sagte der Adam: „Do haus isses wunnerschee, ach mit Humbatäterä.“ Die Gruppe „Schlesi-Boys und Girls“ – Lionel und Vivien Sommer, Lukas und Leni Jäger sowie Doreen Szölk – gefiel mit dem Lied von den drei Chinesen mit dem Kontrabass. In Satinröckchen gekleidet, legten sie einen charmanten Tanz aufs Parkett und ernteten minutenlangen Beifall. Als ökumenische Lieferanten traten die Firmen Franz Röss und Dirk Himmel auf. Sie belieferten nur Pfarrhäuser und kirchliche Einrichtungen. Mit Hupe und Gebimmel höre man sie kommen, geliefert werde nur an die Frommen. Die Stirnlampen leuchten keck bis enuff zum Donnersberg. Heilge Anna steh ihne bei und halt für uns die Straßen frei, war der Wunsch des gefeierten Ansagers. Großen Anteil an der gelungenen Sitzung hatte Musiker Hartmut Nagel, der für Schunkelrunden und Begleitung der Liedbeiträge sorgte. Dank gab es für Sibylle Kasper für die Nutzung des Schützenhauses. Es sei, versicherten die Kirchenfasnachter, diesmal wirklich das letzte Mal, dass die ökumenische Fasnacht im tiefen Wald gefeiert worden sei. Das „Cafe Haag“ bei der katholischen Kirche stehe kurz vor der Vollendung. |sdl

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